Zum Inhalt springen

Die Rolle von Sekten"experten" am Beispiel von Simon Garrecht

Die Rolle von Sekten"experten" am Beispiel von Simon Garrecht
Lee Man He an seinem Arbeitsplatz (Photo von HWPL.kr)
Veröffentlicht:

Welche Rolle spielen Weltanschauungsbeauftragte? Und ist der Begriff oder die negative Formulierung "Sektenexperte" geschützt wie ein Titel? Woher weiss ich also, wer die Wahrheit sagt? Wer hat das Wissen hat? Wir werden diese Frage auch heute nicht abschließend beantworten, versuchen uns dem ganzen aber anzunähern.

Eine (wohl nur erste) kritische Analyse am Beispiel von Simon Garrecht und „Shincheonji“ ergänzt meine bisherige transparente Bewertung von solchen Experten. Die behauptete Expertise und das behauptete Fachwissen ist nämlich nicht immer vorhanden.#.

Zum qualitativen Hintergrund hatte ich mich bereits zu einigen christlichen Weltanschauungsbeauftragten hier ausgelassen. Warum berichte ich nunmehr über Herrn Garrecht? Weil er vor einiger Zeit das Folgende in seine Insta-Story hochgeladen hat und heute wieder auf Instagram tätig war. Aufmerksamkeit scheint ihm wichtig zu sein.

Das Bild wurde anonymisiert, das es hier um Methodik, nicht um Personen geht, auch wenn Herr Garrecht durchaus eine Person des öffentlichen Lebens sein könnte und selbst das Rampenlicht und den Konflikt sucht (Quelle Instagram Story)
Story Instagram, 23.10.2026

Wer ist Simon Garrecht eigentlich?

Die folgenden Quellen lassen sich im Internet schnell zusammentragen:

Simon Garrecht ist ein deutscher evangelikaler Theologe, Apologet, Referent und Content Creator. Die Reihenfolge ist hier beliebig gewählt, jeder mag den Schwerpunkt, wie er ihn sieht, selbst setzen.

1. Zur Person

Garrecht bewegt sich im Spektrum der Apologetik (Apologetik (von altgriechisch apologia = „Verteidigung“, „Verantwortung“). Das bezeichnet die rationale Begründung und Verteidigung eines Glaubenssystems – insbesondere des Christentums. Bei ihm kommt dann eben auch ein Schwerpunkt digitale Medienproduktion dazu.

2. Projekte in Deutschland

Er betreibt einige Medienprojekte in Deutschland, teils auf Social Media wie Instagram.

Das Apologetik Projekt: Garrecht ist Gründer bzw. maßgeblicher Initiator dieser Plattform. Das Projekt bietet Schulungsmaterialien, Medieninhalte (YouTube, Podcasts, Social Media) und Seminare an, um Christen in der argumentative Sprachfähigkeit bezüglich ihres Glaubens zu stärken.

Bildungs- und Referententätigkeit: Er bietet er Vorträge, Workshops und Fortbildungen zu Themen wie apologetische Gesprächsführung, Argumente für die Existenz Gottes, interreligiöser Dialog und Glaubensvermittlung an.

Aufklärungsinitiativen: Im Rahmen des Apologetik Projekts betreibt er unter anderem gezielte Medien- und Aufklärungsarbeit über Sondergruppen und neureligiöse Bewegungen, die er in Abkehr zum wissenschaftlichen Konsens "Sekten" nennt (siehe oben).

3. Interesse an und Auseinandersetzung mit Shincheonji

Garrechts Auseinandersetzung mit der aus Südkorea stammenden christlichen Gruppierung Shincheonji Kirche Jesus, Tempel des Zeltes des Zeugnisses, gipfelt im Betrieb einer Webseite. Seine Beweggründe hingegen sind unklar. Er kritisiert dabei die Theologie von Shincheonji, soweit sie mit seiner eigenen Auffassung nicht in Einklang steht. Er spricht von einer "gefährlichen" Sekte, ohne dies zu begründen und mehr.

Quelle Instagram-Story 23.10.2026

Täuschungsbasierte Rekrutierungsmethoden: Shincheonji ist seiner Auffassung nach in Deutschland dafür bekannt, Neumitglieder über verdeckte Tarnorganisationen, Schein-Bibelkurse, Social-Media-Kontakte oder christliche Dating-Plattformen anzuwerben. Garrecht befasst sich seiner Auffassung nach mitdiesen Anwerbestrategien, um "Aufklärung" und "Prävention" zu leisten.

Theologische und hermeneutische Analyse: Aus seiner apologetischen Sicht setzt er sich kritisch mit den Lehren von Shincheonji auseinander – insbesondere der allegorischen Bibelauslegung der Gruppe und dem Exklusivitätsanspruch ihres Gründers Lee Man-hee. Meiner Auffassung nach macht er dabei aber genau dasselbe, was er anderen vorwirft: Er lässt nur seine Sichtweise zu (dazu gleich mehr).

Informations- und Beratungsangebot: Über Sonderkanäle und Aufklärungsplattformen (wie z. B. shincheonji-geprueft.de im Rahmen des Apologetik Projekts) stellt er seine Sichtweise und aus seiner Sicht relevante Informationen über die Binnenstruktur, Historie und Kontrollmechanismen der Gruppierung bereit, um Aussteiger, Angehörige sowie betroffene Kirchengemeinden zu unterstützen.

Das alles klingt erst einmal recht positiv. Doch wie die obigen Instagram-Stories andeuteen, arbeitet er stark mit nicht begründeten Schlagwörtern und verfehlt damit rationale Begründung vollkommen. Ein Dialog wird auch nicht angedeutet.

Kritik an Vorgehen und Begriffen

Unsere Kritik am Begriff "Sekte" haben wir zur Genüge kundgetan. Eine destruktive Organisation wird von ihm oben und andernorts nicht behauptet. Stattdessen arbeitet er ohne ausreichende Feldforschung mit (aus unserer "Vorstudie" belegbaren) falschen oder missverständlichen Begriffen wie "Isolation". Er taucht "überraschend" auf und verwickelt Menschen ungefragt in Gespräche, was in einem freien Land zwar oft zulässig sein mag, was aber in seiner Methodik dem ähnelt, was er kritisieren will und was leider stark an die "Deprogramming"-Praktiken angelehnt scheint, was zu großem Unrecht geführt hat.

Eine wissenschaftliche Arbeitsweise ist wenig ersichtlich, die von Eileen Barker entwickelten Aspekte der teilnehmenden Beobachtung sowie Tiefeninterviews von Mitgliedern, Aussteigern und neutralen Menschen werden klar verfehlt, wie er selber schreibt:

Anfang 2024 war ein Teil unseres Teams in Korea unterwegs und hat dabei spannende Interviews mit vielen unterschiedlichen Personen, von der erfüllten Realität, über Hauptlehrer, HWPL Freiwilligen bis hin zu langjährigen Lebensgefährten und Partner von Lee, Man-Hee, geführt. Die jeweils über ihre Zeit und Erfahrungen mit und über Shincheonji berichten. Diese Interviews möchten wir Euch sehr ans Herz legen, um Euch selbst ein vollständiges Bild mit Erfahrungen aus erster Hand zu machen. Schau daher gerne hier oder direkt auf unserem YouTube-Kanal - Shincheonji Exposed - vorbei.  (Quelle)

Keine Familienangehörigen, keine aktuellen Mitglieder - damit keine repräsentativen Aussagen und damit eben auch kein "vollständiges" Bild. Insbesondere das Quellenverhältnis Aussteiger (ehemalige Mitglieder ohne Groll und ohne Selbstdarstellung) und Abtrünnige (solche ehemaligen Mitglieder mit Groll und erheblicher Selbstdarstellung) ist ein wichtiges Indiz für die Einordnung der Repräsentanz.

Zudem erlebe ich recht häufig, dass "Mitglieder" ungenau verwendet wird. Mitglieder der Shincheonji Kirche heißen "Saints" bzw. auf Deutsch "Heilige"; um soweit zu kommen, muss man drei aufeinander aufbauende Bibelkurse erfolgreich abschließen und dann Mitglied der Gemeinde werden.

Manche "Aussteiger" oder "Abtrünnige" haben aber dieses Stadium nie erreicht - was leider zu oft von Presse und Theologien missverstanden wird - und können damit keine Erfahrungen über die Kirche wiedergeben.

Der Interviewleitfaden, wenn er denn je einen erstellt hat, ist nicht bekannt, wieviele Gespräche vorher dem "Podcastformat" stattgefunden haben, ist unbekannt. Ob die Videos unbearbeitet sind, bleibt unklar, dürfte aber zu bejahen sein. Darunter leidet aber die Transparenz, die oft von Shincheonji eingefordert wird.

Meinungsfreiheit gegen Hate-Speech (Hassrede)

Meinungsfreiheit ist neben der Religionsfreiheit eine der elementaren Grundfreiheiten, ohne die ein freiheitlich-demokratisches Zusammenleben in Deutschland nicht denkbar ist. Daher darf grundsätzlich jeder sagen, was er denkt. Gleichwohl fordern wir immer wieder ein, dass man die eigenen Aussagen genauso streng kontrolliert wie diejenigen Dritter, die man (negativ) bewertet.

Ohnehin muss unter dem Aspekt der Religionsfreiheit berücksichtigt werden, dass inhaltliche Kontrolle oder Interpretation von religiöser Aussagen kaum bis unmöglich sind, da dies die Religionsausübungsfreiheit verletzen würde (außerhalb des wissenschaftlichen Diskurses, der natürlich immer möglich sein muss, der aber auch eigenen Regeln unterworfen ist).

Zudem halte ich spätestens seit der Enquete-Kommission den Begriff "Sekte" im deutschsprachigen Raum wegen seiner negativen Konnotation für unanwendbar, außer es läge eine destruktive Organisation vor. Papst Leo XIV. hatte ja unlängst explicit den Unterschied zwischen menschlichem Versagen und Systemversagen herausgearbeitet.

Ein unkontrollierter, rein werbendes Verwenden von "Sekte" wie in den obigen Bilder zu sehen könnte Hassrede darstellen. Welches Bild der Nächstenliebe dies auf "Pastoren" wirft, mag jeder für sich selbst bewerten.

Inhaltliche Ungenauigkeiten von "Shincheonji-geprueft.de"

Ich habe mir ein Beispiel herausgenommen, das rund um Mindanao, das Garrecht auf seiner Seite hier und hier darstellt und erwähnt.

Zum einen ist die Gleichsetzung von HWPL und Shincheonji rechtlich falsch. Beides sind (in Deutschland und wohl auf Korea, letzteres habe ich nicht geprüft) unabhängige Konstrukte (in Deutschland Vereine) ohne eine rechtliche, bindende und strenge Verknüpfung untereinander oder nach Südkorea - in der Vereinsverfassung offen einsehbar niedergelegt.

Allerdings hat meine Recherche gezeigt, dass viele, die hier von "Tarnorganisationen" schreiben, bisher weder die Satzung(en) gelesen haben - vom Verstehen will ich gar nicht erst ausgehen, ist ja nicht jeder ein gelernter Jurist.

Zum anderen arbeitet er erneut unwissenschaftlich mit Begrifflichkeiten, die seinen inhaltlichen Recherchen nicht entsprechen. "Vorsätzliche Täuschung" ist eben etwas anderes als eine positive Darstellung; "widerlegte Friedensarbeit" ist etwas anderes als ein "widerlegter" Friedensschluss.

Der Konflikt, der angeblich nie beendet wurde

Einige der Kernthemen seiner Aussage sind diese:

Die hier auftretenden Konfliktparteien sind laut Shincheonji Katholiken und Muslime, während die tatsächlichen Konfliktparteien verschiedene muslimische indigene Gruppen gegen die Regierung der Philippinen seien.

Er hat sowohl recht als auch unrecht.

Denn verschwiegen wird, dass die Philippinen 2014 mit ca. 81% katholisch, 10% anders christlich und nur 5.6% muslimisch 2014 deutlich katholisch geprägt waren. Der Senat bestand im Jahr 2014 zu 100 % aus christlichen Abgeordneten (überwiegend katholisch) und das Repräsentantenhaus (ca. 290 Mitglieder) zu über 95 % der Abgeordneten aus Mitgliedern christlicher Konfessionen. Damit ist eine christliche Prägung der Politik nicht nur auf der Hand liegend, sondern natürliche Mitursache der Konflikte mit der muslimisch geprägten Moro-Bevölkerung und deren Autonomiebestrebungen. Leider sind zu oft Religionen Mitursache von Konflikten, dies heute anders zu sehen halte ich für abwägig (weiterführende Infos hier).

Es folgt eine Liste der gewalttätigen Auseinandersetzungen, die nach dem sogenannten "Ende des Krieges" stattfanden. Wir ermutigen an dieser Stelle einfach einmal die Google oder YouTube Suche mit dem Schlagwort "Marawi Siege" bzw. "Marawi Belagerung" einzugeben. (Quelle)

Auch hier wird es mit der Wahrheit bewusst nicht so genau genommen. Es ist richtig, dass es seit 2014 immer wieder lokal aufflammende Konflikte gibt; diese scheinen aber durch Fehden, Bandenkriminalität, lokale Machtkämpfe gestaltet und haben mit den damaligen Konflikten wenig zu tun.

140.000 Tote gegen aktuell ca. 20.433 Tote ist ein Fortschritt, von den unterschiedlichen Konflikten dahinter nicht zu sprechen - Michael Langhans

Vor dem Friedensabkommen von Lee Man-he gab es ca. 140.000 Tote.

Seit 2014 konnten wir die folgende Statistik nachvollziehen: (20.433 Tote, Ursachen nicht aufgeschlüsselt):

Der Konflikt mit "MILF" (Moro Islamic Liberation Front) ist rechtlich und faktisch seit 2014 beendet, was Garrecht verschweigt und bewusst den Anschein erweckt, dieser Konflikt wäre fortgeführt. Ich verstehe es nie, wieso die, die anderen Täuschungen vorwerfen, selbst mit solchen verdrehten Wahrheiten oder offenen Ungenauigkeiten arbeiten müssen.

Er wirft HWPL vor, dass es keine Pressemitteilung zum Frieden geben soll:

Es gibt bis heute keine von HWPL unabhängige Pressemitteilung, in der festgestellt wird, dass HWPL in irgendeiner Weise zur Schaffung von Frieden in Mindanao beigetragen hat.

Was auch immer das beweisen soll: Ob es Frieden gibt oder nicht, insbesondere zwischen den Parteien, die die Vereinbarung geschlossen haben, wird sich denklogisch kaum aus Pressemitteilungen ergeben. Die Vereinbarung bestreitet er nicht.

Der Feiertag

Ein weiterer "Zeuge" soll zu Wort kommen:

Den Mitgliedern von Shincheonji wird erzählt, dass Lee Man-Hee auf übernatürliche Weise einen 40-jährigen Religionskonflikt in der philippinischen Konfliktregion Mindanao beendet hat.
Auf einer Konferenz lernte ich den Missionar Christian Wagner kennen, der bereits seit dem Jahr 200 auf Mindanao lebt. Durch die vielen Jahrzehnte, die er dort bereits verbracht hat, kennt er sich mit den Hintergründen des Konfliktes sehr gut aus. Was er zu sagen hat, sollte jedem zeigen, dass ihnen bei Shincheonji die Unwahrheit über Mindanao erzählt wird.

"Übernatürlich" hieran ist freilich nur der Missionar, der seit dem Jahr "200" auf Mindanao lebt und damit aktuell deutlich über 1826 Jahre alt wäre - wenn nicht ein offensichtlicher Tippfehler auf YouTube die Qualitätssicherung überstanden hätte (Shincheonji-geprueft.de, da steht der Name schon für den Fehler im System des Webseitenbetreibers!).

Screenshot, Stand 23.10.2026 17:43 Uhr YouTube

Lee Man-hes Wirken ist dabei eher als typische "Mediation" zu sehen, die bekanntlich schon andere Konflikte erledigen konnte (Jom-Kippur-Krieg 1978, Zweiter Kaschmir-Krieg 1966, Nordirland-Konflikt 1998 usw.).

Auch das Camp-David-Abkommen vom 17. September 1978 war ein historischer Friedensvertrag, der unter der Vermittlung von US-Präsident Jimmy Carter zwischen dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat und dem israelischen Premierminister Menachem Begin geschlossen wurde.

Auch dieses Abkommen wurde erst später, am 26. März 1979 durch den offiziellen israelisch-ägyptische Friedensvertrag in Washington, D.C. legitimiert.

Obwohl es seitdem in Nahost auch nicht zu permanentem Frieden kam, wurden Anwar al-Sadat und Menachem 1978 vor dem offiziellen Friedensvertrag mit dem Friedensnobelpreis belohnt.

Ich möchte jetzt nicht Mindanao mit Nahost vergleichen, weise aber darauf hin, dass von Garrecht kritisierte Aspekte in anderen Konflikten nicht kritisiert werden.

Aus meiner Sicht ist alles, was Frieden fördert, lobenswert. Aber das kann man als Pastor auch anders sehen.

Lassen wir einmal außen vor, dass Suggestivfragen wie "Jetzt hat HWPL immer wieder behauptet, dass es auf Mindanao am 24. Januar einen HWPL Friedenstag gibt, der in Mindanao gefeiert wird. Hast Du davon schon einmal gehört." natürlich die Antwort vorgeben: "Nein, da habe ich noch nichts von gehört" (die Interviewer lachen, recht unprofessionell, weil sie ihr Stichwort bekommen haben) "es gibt dort keinen offiziellen Feiertag, es gibt auch keinen lokalen Feiertag".

Die Resolution AR 439 scheint Garrecht und dem über 1826 Jahre alten Missionar (man verzeihe mir diese polemischen Scharmützel) unbekannt:

IN ERWÄGUNG NACHSTEHENDER GRÜNDE:
IN ERWÄGUNG DESSEN
, dass sich die Organisation Heavenly Culture, World Peace, Restoration of Light (HWPL) als Befürworterin des Friedens für die Beilegung von Konflikten und die Verbreitung einer Kultur des Friedens nicht nur in der Autonomen Region Bangsamoro im muslimischen Mindanao (BARMM), sondern auf den gesamten Philippinen einsetzt;
IN ERWÄGUNG DESSEN, dass die HWPL am 24. Januar 2014 ein wegweisendes, von Zivilpersonen initiiertes Friedensabkommen ins Leben gerufen hat, das als Mindanao Peace Agreement in General Santos City bekannt ist und muslimische sowie nicht-muslimische Gemeinschaften in Mindanao zusammenbrachte;
IN ERWÄGUNG DESSEN, dass das Abkommen vom ehemaligen Gouverneur von Maguindanao, Hon. Esmael G. Mangudadatu, und dem emeritierten Erzbischof Fernando Capalla der Erzdiözese Davao unterzeichnet wurde;
IN ERWÄGUNG DESSEN, dass das Abkommen kontinuierliche Bemühungen ausgelöst hat, das Versprechen der politischen Stabilität in der damals ungeteilten Provinz Maguindanao aufrechtzuerhalten und die Versöhnung unter religiösen Führern zu fördern;
IN ERWÄGUNG DESSEN, dass der ehemalige Gouverneur Mangudadatu im Jahr 2015 den 24. Januar zu Ehren des Abkommens zum „Friedenstag“ ausrief und diesen kontinuierlich als jährliches Ereignis beging, um seine Unterstützung für den Friedensaufbau in Mindanao zu zeigen;
IN ERWÄGUNG DESSEN, dass zur Erinnerung an das Abkommen das erste Friedensdenkmal in Buluan, Maguindanao del Sur, errichtet wurde;
IN ERWÄGUNG DESSEN, dass die Regierung der Philippinen und die Islamische Befreiungsfront der Moros (GPH-MILF) die Kampagne der HWPL im Friedensprozess seit 2015 bemerkenswert unterstützt haben, unter anderem durch die Teilnahme am Globalen Friedensgipfel in Südkorea und anderen von der HWPL organisierten Aktivitäten wie der Feier zur Erklärung des Weltfriedens im Jahr 2017;
IN ERWÄGUNG DESSEN, dass am 24. Januar 2016 das zweite HWPL-Friedensdenkmal im Camp Darapanan, Sultan Kudarat, Maguindanao del Norte, errichtet wurde;
IN ERWÄGUNG DESSEN, dass die Führung der MILF während der Enthüllung des Friedensdenkmals im Camp Darapanan den 24. Januar zum „Friedenstag“ proklamierte;
IN ERWÄGUNG DESSEN, dass die HWPL am 27. Januar 2023 ihr 10. HWPL-Friedensdenkmal an der Cotabato State University in Cotabato City errichtete, um als Erinnerung an das Engagement für den Frieden zu dienen und diesen Meilenstein zu würdigen:
BESCHLIESST DIE BANGSAMORO-ÜBERGANGSBEHÖRDE NUNMEHR:
den 24. Januar zum „Friedenstag“ in der Autonomen Region Bangsamoro im muslimischen Mindanao zu erklären, der während der Bangsamoro-Gründungswoche gefeiert werden soll.
WEITERHIN BESCHLOSSEN, den Ministerien der BARMM eine Kopie dieser Resolution zur Information zukommen zu lassen.
ANGENOMMEN, am 16. Scha'bān 1445 / 26. Februar 2024.
Beglaubigt:
RA. PANGALIAN M. BALINDONG

Das Original-PDF finden Sie hier (Stand 23.10.2026):

Das Video ist am 16.08.2024 und damit 6 Monate nach obigem Beschluss erschienen. Es wurde offenbar nicht gegenrecherchiert, was ein typisches Problem von "Sektenaufklärern" ist.

Natürlich kann man nunmehr sagen, dass es kein Philippinischer Feiertag sei; damit verkennt man aber nun mal die autonome Region in ihrem Selbstverständnis, vor allem aber, dass die Resolution die Beteiligung von HWPL am Friedensprozess hervorgebt.

Der Vollständigkeit halber soll noch die Resolution 440 erwähnt sein, die das Friedenswerk von HWPL "DPCW" anwendbar erklärt:

Der weiteren Vollständigkeit halber soll weiter auf die Quellen verwiesen werden:

Das Datum, der 24. Januar, wurde im Gedenken an ein von Zivilpersonen initiiertes Friedensabkommen vorgeschlagen, das 2014 in General Santos City unterzeichnet wurde, um die Versöhnung unter den örtlichen Gemeinschaften zu fördern. Es wurde vom Vorsitzenden Lee vorgeschlagen, um den damals bestehenden Konflikt in Mindanao zu schlichten. Das Datum wurde später im Jahr 2015 vom damaligen Gouverneur von Maguindanao, Toto Mangudadatu, und 2016 vom Chief Minister der BARMM sowie MILF-Vorsitzenden Ahod Ebrahim zum ‚HWPL-Friedenstag‘ erklärt. (Quelle)
Während der Veranstaltung vereinbarten die Provinz Maguindanao und Lees Gruppe, jeden 24. Januar als Internationalen Tag des Friedens oder HWPL-Tag zu feiern, wozu sie ein Friedensabkommen unterzeichneten.
Vor der Enthüllung des Denkmals nahmen die Teilnehmer zunächst an einem Friedensmarsch von der Buluan-Turnhalle zum Rajah Buayan Peace Center teil. Daran beteiligten sich auch Kinder und Sicherheitskräfte, die kleine Fahnen und Plakate mit Friedensbotschaften schwenkten.
Unter den Anwesenden des Friedensgipfels, die ihre Unterstützung bekundeten, waren Scheich Khalifa Nando vom Obersten Scharia-Gericht des MILF-Zentralkomitees, Bischof Antonio Ledesma von der Erzdiözese Cagayan de Oro und der pensionierte Marine-General Benjamin Dolorfino, der wegen seines besonderen Ansatzes im Umgang mit dem Aufstand in Mindanao als „Friedenskrieger“ bezeichnet wurde. (Quelle)
Die MILF erkannte die Proklamation der HWPL an, den 24. Januar zum Tag der ‚Heavenly Culture, World Peace and Restoration of Light‘ zu erklären, und drückte ihre Wertschätzung für die globale Friedensbewegung der südkoreanischen Friedensaktivisten aus.
Die MILF hofft, dass die auf Gerechtigkeit verankerte Friedensbotschaft auf globaler Ebene verwirklicht wird und dass diese Botschaft durch die Initiativen der HWPL in den Herzen der Menschen verankert wird, damit wir eine fortschrittliche und gerechte Gesellschaft erreichen können‘, sagte der MILF-Vorsitzende in einem unterzeichneten Manuskript, das den Tag der HWPL anerkannte. (Quelle)
Chairman Ebrahim entschied sich, den 24. Januar jedes Jahr als "HWPL-Tag" zu führen. (Quelle)

Warum man einen deutschsprachigen Missionar finden muss, der eine eingeschränkte Quellenkenntnis hat, bleibt offen. Der Verdacht liegt, nicht zuletzt wegen der Suggestivfrage oben, nahe, dass man ein bestimmtes Ergebnis erzwingen wollte, ohne "zu prüfen", wie es der Titel der Webseite behauptet. Dabei kann man die Reichweite der Handlungen von Chairman Lee durchaus diskutieren, ohne allerdings gleich alles als "Täuschung" zu beschreiben.

Natürlich kann man auch die obigen Quellen in Zweifel ziehen: MILF war eine Rebellenorganisation und kein "Staat" oder eine "Behörde". Natürlich hat der Präsident der Philippinen keinen Staatsfeiertag proklamiert.

Doch worum geht es hier eigentlich?

Garrecht und sein Team möchten das Werk von Lee Man-he in Zweifel ziehen. Und das gelingt offenbar nur, indem man selbst gezielt nicht prüft, selbst täuscht und verschleiert.

Das ist aber nicht nur Garrechts Fehler, sondern allen Shincheonji-Kritikern immanent:

Detaillierte Gegendarstellungen stammen nämlich vor allem von Shincheonji-kritischen Seiten wie Examining the SCJ Church (u. a.: kein nationaler Feiertag). Diese Seite ist parteiisch und enthält auch Fehler: Sie nennt Mangudadatu einen „ehemaligen“ Gouverneur, obwohl er 2014 im Amt war. Die obigen Kernaussagen stützen sich deshalb auf die offizielle Dokumente, die man mit ein wenig Googlen erreichen kann, und unabhängige Berichte

Am zivilrechtlichen Abkommen, das Lee Man-he organisiert hat, ob als Friedensbringer, Engel, als Mediator oder einfach nur aus Zufall, war die MILF nicht beteiligt.

Allerdings hat diese den HWPL Tag und damit die Tragweite der Vereinbarung durch Ebrahim und andere anerkannt - siehe oben.

Bei der Denkmaleröffnung waren viele Würdenträger anwesend, die offenbar doch einen Einfluss von Lee Man-he gesehen haben. Der 1826 Jahre alte Missionar war damals aber wohl nicht eingeladen gewesen.

Während die Vermittlung von Chairman Lee als zivilgesellschaftlicher Beitrag zur interreligiösen Dialogförderung unstrittig gewertet wird, schuf natürlich erst das staatliche CAB-Abkommen die formalen Voraussetzungen für die Demobilisierung von rund 40.000 MILF-Kämpfern, die schrittweise Entwaffnung und die institutionelle Transformation der Region hin zur heutigen BARMM. Doch mindert dies den Erfolg Lees?

Mitnichten.

Frieden beginnt immer mit Dialog.

Und: Erst 2026 wurden im heutigen BARMM freie Wahlen durchgeführt, was die Schwierigkeiten im Prozess verdeutlicht. Und genau das finde ich am Vorgehen von Chairmann Lee so wichtig: Er hat einfach geliefert. Vielleicht nicht so viel wie sich andere Wünschen; aber mehr, als jeder andere außerhalb der Region. Sind da einige neidisch? Vielleicht.

Unbestritten leisteten die zivilgesellschaftlichen Friedensinitiativen, wie die von Chairman Lee Man-hee im Januar 2014 mitorganisierte Erklärung, einen Beitrag zur interreligiösen Symbolik, zur Gesprächsbereitschaft und zum Dialog und ist damit definitiv und nachweislich mehr als nur ein symbolischer Akt gewesen (siehe oben die Einschätzung in den amtlichen Dokumenten).

Die wissenschaftliche Frage, was genau wie zum CAB-Abkommen beigetragen hat, mag politikwissenschaftlich oder rechtlich geklärt werden. Lee Man-he hat gleich der Hummel, die fliegt, obwohl sie es eigentlich nicht kann, einfach Menschen an einen Tisch gebracht und Frieden verabredet. Und das wünsche ich mir in dieser Zeit in vielen Konflikten, also regelmäßig.

Was bleibt, ist ein Umgang mit Menschen durch Simon Garrecht, den ich nicht nachvollziehen kann, der so weit geht, dass er dann sogar jeden Erfolg klein redet. Das ist unstrittig aber kein Beitrag zum Frieden in dieser Welt.

Tarnorganisation

Garrecht ist tätig bei Mosaik und damit einer freikirchlichen Pfingstgemeinde. Das sollte er bei seiner Arbeit immer erwähnen, um transparent und neutral zu bleiben. Konkurrenz ist m.E. nicht wirklich geeignet, seriöse Aufklärung zu betreiben. Das dies bei Garrecht auch an fehlender Wissenschaftlichkeit seiner Ausführungen liegt, habe ich oben ausgeführt.

Theologie

FOREF verteidigt die Religionsfreiheit, solange der Mensch nicht durch destruktive Strukturen geschädigt wird. Daher können und wollen wir nicht religiöse Inhalte und Diskussionen bewerten, da dies ein Eingriff in die Religionsfreiheit wäre. Ob ein Rückschluss aus den obigen systematischen Fehlern und vorsätzlichen Täuschungen ohne Recherchetiefe auch auf die Qualität seiner Ausführungen zur Lehre von Shincheonji getroffen werden kann, möge jeder für sich selbst entscheiden. Dass als Quellen Aussteiger alleine niemals ausreichen, habe ich oben und an anderer Stelle kundgetan. Aber vielleicht finden wir an dieser Stelle irgendwann die Zeit, die unterschiedlichen Sichtweisen gegenüberzustellen. Denn das ist das schöne an Freiheiten: Jeder darf seine Sichtweise haben. Oder wie es so schön heißt: Leben und leben lassen.

Michael Langhans

Michael Langhans

Executive Director FOREF Deutschland, Volljurist, Familienrechtsexperte und Menschenrechtsaktivist.

Alle Artikel

Weitere in Deutschland

Alle anzeigen

Weitere von Michael Langhans

Alle anzeigen
Wöchentlicher Newsletter FOREF

Wöchentlicher Newsletter FOREF

/