Religionsfreiheit ist keine Randfrage, sondern eine Grundvoraussetzung für Frieden. Das ist die zentrale These, die Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, Präsident des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (IIRF) in Bonn, im Interview mit Till-Reimer Stoldt in der WELT (5. November 2026) entfaltet. Anlass sind die aktuellen Jahresberichte des IIRF und der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) zur weltweiten Lage der Religionsfreiheit und zur Christenverfolgung.
Die Kernaussagen im Überblick
- Religionsfreiheit betrifft alle. Wer glaubt, wer nicht glaubt und wer seinen Glauben wechselt, ist gleichermaßen auf dieses Recht angewiesen. Laut Bertelsmann-Stiftung befürworten 96 Prozent der Deutschen das Recht auf Religionswechsel. In Politik und Medien sieht Schirrmacher dagegen noch zu wenig Bewusstsein dafür, wie viel Leid fehlende Religionsfreiheit verursacht.
- Die dramatischste Verfolgung findet derzeit im Herzen Afrikas statt. Dort wurden binnen eines Jahres fast 6.000 unbeteiligte Christen von Extremisten getötet, außerdem Tausende Muslime. Christliche Minderheiten sind oft besonders verwundbar, weil sie sich weniger militant zur Wehr setzen.
- Die Hälfte der Staaten gilt als weitgehend frei. In der unfreien Hälfte lebt allerdings die Mehrheit der Weltbevölkerung. Christen sind nach Schirrmacher weltweit die am stärksten verfolgte und diskriminierte Gruppe.
- Religionsfreiheit macht friedlich. Freie Staaten verlangen von Glaubensgemeinschaften, Streit argumentativ statt gewaltsam auszutragen. Zugleich treiben sie keine Gruppe in den Widerstand. Schirrmacher bringt es auf den Punkt: „Wo Religionsfreiheit anerkannt wird, ist der Frieden massiv gestärkt.“
- Unterdrückung erzeugt die Konflikte von morgen. Religiöse Intoleranz bringt gewaltbereite Bewegungen hervor; Schirrmacher verweist auf die Entstehung von al-Qaida im damals extrem intoleranten Saudi-Arabien. Auch subtilere Diskriminierung, wie in Ägypten, staut Wut und Widerstand auf.
- Erzwungener Glaube ist kein echter Glaube. Zwang führt eher zur stillen Abkehr. Im Iran glaubt laut Umfragen ein Drittel der Jugend nicht mehr an Gott. Religionsfreiheit versteht Schirrmacher deshalb als tiefen Respekt vor der innersten Überzeugung des Menschen.
FOREF-Einordnung
Das Interview bringt präzise auf den Punkt, wofür FOREF steht: Religionsfreiheit ist ein universelles Menschenrecht und zugleich ein Friedensinstrument. Besonders wertvoll ist Schirrmachers Hinweis, dass nicht erst Gewalt, sondern schon Diskriminierung und Ausgrenzung sozialen Sprengstoff erzeugen. Das gilt nicht nur in Diktaturen. Auch in freien Gesellschaften sollte der Umgang mit religiösen Minderheiten und gesellschaftlich stigmatisierten Gruppen daran gemessen werden, ob er Dialog ermöglicht oder Menschen ins Abseits drängt.
Schirrmacher verbindet wissenschaftliche Fundierung mit klarer Haltung. Sein Plädoyer, Religionsfreiheit in Außenpolitik und Öffentlichkeit stärker zu gewichten, verdient breite Unterstützung.
👉 Zum vollständigen Interview: WELT, „Wo Religionsfreiheit anerkannt wird, ist der Frieden massiv gestärkt“, 5.11.2026
Häufige Fragen (FAQ)
Warum fördert Religionsfreiheit den Frieden?
Weil sie Glaubensgemeinschaften verpflichtet, Konflikte gewaltfrei und argumentativ auszutragen. Weil sie niemanden ausgrenzt, treibt sie auch keine Gruppe in gewaltsamen Widerstand.
Wer ist Thomas Schirrmacher?
Thomas Schirrmacher ist Religionsfreiheitsforscher, Menschenrechtsaktivist und Präsident des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (IIRF) mit Sitz in Bonn.
Wie viele Staaten gewähren Religionsfreiheit?
Nach Schirrmacher gilt etwa die Hälfte der Staaten als prinzipiell frei. Die Mehrheit der Weltbevölkerung lebt jedoch in Ländern ohne ausreichende Religionsfreiheit.
Welche Gruppe ist weltweit am stärksten von Verfolgung betroffen?
Laut Schirrmacher sind Christen die weltweit am stärksten verfolgte und diskriminierte Glaubensgruppe. Derzeit ist die Verfolgung im Herzen Afrikas am gravierendsten.