Das Seoul High Court hat am 3. November 2026 die Haftverschonung von Hak Ja Han aufgehoben. Die 83-jährige Leiterin der Vereinigungskirche (Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung) soll das ihr zugewiesene Krankenhaus mehrfach verlassen und das Kirchenzentrum Cheonjeong-Palast in Gapyeong besucht haben. Die Kaution von 200 Millionen Won wurde eingezogen, Hak Ja Han kam zurück in die Untersuchungshaftanstalt Seoul.
Das Wichtigste in Kürze
- Was: Widerruf der Freilassung gegen Kaution (Haftverschonung) wegen Verstoßes gegen Auflagen und Verdunkelungsgefahr.
- Wer: 13. Strafsenat des Seoul High Court; Antrag des Sonderermittlerteams unter Min Joong-ki.
- Wann: Anhörung am 2. November, Beschluss am 3. November 2026.
- Warum: Die Auflagen vom 19. Oktober beschränkten den Aufenthalt auf das Asan Medical Center in Seoul.
- Verfahrensstand: Erstinstanzlich zwei Jahre Haft (31. August 2026), Berufung läuft, das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Was ist passiert?
Am 19. Oktober 2026 hatte dasselbe Gericht Hak Ja Han aus gesundheitlichen Gründen gegen Kaution freigelassen. Die Verteidigung hatte auf Gehbehinderung und Sehprobleme verwiesen. Danach wurde bekannt, dass sie während der Haftverschonung wiederholt den Cheonjeong-Palast der Kirche in Gapyeong aufgesucht hatte, rund 50 Kilometer vom Krankenhaus entfernt.
Der Sonderermittler argumentierte, wer täglich bis zu 100 Kilometer hin und zurück fahre, brauche keine Haftverschonung aus medizinischen Gründen. Das Gericht folgte dem und stützte den Widerruf auf Auflagenverstoß und die Gefahr der Beweisvernichtung.
Die Auflagen vom 19. Oktober
- Aufenthalt beschränkt auf das Asan Medical Center in Seoul
- Kaution von 200 Millionen Won in bar
- Kein Kontakt zu Dritten außer Ärzten, Anwälten und Betreuungspersonen
Was sagt die Verteidigung?
Die Verteidigung räumte die Aufenthaltsbeschränkung ein. Sie habe diese aber so verstanden, dass Hak Ja Han im Krankenhaus übernachten müsse, nicht, dass jeder Ausgang verboten sei. Die Mandantin habe sich tagsüber im Cheonjeong-Palast ausgeruht und sei abends zurückgekehrt. Das Gericht überzeugte diese Auslegung nicht.
Chronologie des Verfahrens
Datum | Ereignis |
|---|---|
3. Nov. 2026 | Seoul High Court widerruft Haftverschonung, Kaution eingezogen |
2. Nov. 2026 | Anhörung zum Widerrufsantrag |
19. Okt. 2026 | Haftverschonung mit Auflagen (Asan Medical Center) |
31. Aug. 2026 | Erstinstanzliches Urteil: zwei Jahre Haft (Anklage hatte 13 Jahre gefordert) |
23. Sep. 2025 | Festnahme in Seoul |
Im Kern geht es um zwei Vorwürfe: Über einen Vermittler sollen 2022 eine Luxuskette und Chanel-Taschen an Kim Keon-hee gegangen sein, die Ehefrau des damaligen Präsidenten Yoon Suk Yeol. Zudem soll im Januar 2022 eine Zahlung von 100 Millionen Won an den Abgeordneten Kweon Seong-dong (People Power Party) geflossen sein. Hak Ja Han bestreitet die Vorwürfe und führt die Kontakte auf eigenmächtiges Handeln eines früheren Funktionärs zurück.
Stimmen aus der Glaubensgemeinschaft
Unter Mitgliedern löst der Beschluss Bestürzung aus. Ein japanisches Mitglied der Familienföderation (X-Account @1Gojisan) bedauerte am 3. November öffentlich den Widerruf. Es forderte zugleich, verantwortliche Vertreter der Kirche sollten offen erklären, wie es dazu kommen konnte – statt die Gläubigen Gerüchten zu überlassen. Diese Forderung nach Transparenz von innen verdient Beachtung. Auch FOREF stehen wesentliche Gerichtsdokumente nicht zur Verfügung, so dass die Bewertung, ob die Einlassung der Verteidigung nachvollziehbar oder ein dummes Spiel mit der Gesundheit von Frau Moon ist, offen bleibt. Eine unnötige Provokation des Gerichts liegt zweifellos vor, und die angeschlagene Leiterin der Kirche trägt die Konsequenzen nun alleine. Auch wenn ich selbst die Kautionseinschränkungen nicht nachvollziehen kann, sind sie zu respektieren.
Einordnung aus rechtsstaatlicher Sicht
Unschuldsvermutung gilt weiter. Das Urteil vom August ist nicht rechtskräftig. Der Widerruf betrifft allein die Haftverschonung, nicht die Schuldfrage.
Auflagen müssen klar sein. Eine Haftverschonung funktioniert nur, wenn Betroffene genau wissen, was erlaubt ist. Ob „Aufenthalt im Krankenhaus“ auch Tagesausflüge ausschloss, war offenbar strittig. Gleichwohl liegt es bei Verteidigung und Angeklagter, im Zweifel nachzufragen.
Verhältnismäßigkeit bei Hochbetagten. Bei einer 83-Jährigen mit attestierten Erkrankungen ist Untersuchungshaft besonders begründungsbedürftig. Gerichte müssen den Gesundheitsschutz auch nach einem Widerruf sicherstellen.
Keine Kollektivhaftung. Individuelles Fehlverhalten einer Leitungsperson darf nicht auf Zehntausende Mitglieder übertragen werden. Gerade gesellschaftlich stigmatisierte Gruppen erleben, dass Strafverfahren gegen Einzelne zur Abwertung der ganzen Gemeinschaft genutzt werden. Das gilt auch mit Blick auf Japan, wo die Auflösung der Familienföderation seit dem Beschluss des Obersten Gerichtshofs vom 22. Juni 2026 rechtskräftig ist.
FOREF wird das Berufungsverfahren weiter beobachten.
Häufige Fragen (FAQ)
Warum wurde die Haftverschonung von Hak Ja Han widerrufen? Sie soll das Asan Medical Center trotz Aufenthaltsauflage mehrfach verlassen und den Cheonjeong-Palast in Gapyeong besucht haben. Das Gericht sah darin einen Auflagenverstoß und Verdunkelungsgefahr.
Welches Gericht hat entschieden? Der 13. Strafsenat des Seoul High Court, am 3. November 2026.
Was passiert mit der Kaution? Die Kaution von 200 Millionen Won wurde vollständig zugunsten des Staates eingezogen.
Ist Hak Ja Han rechtskräftig verurteilt? Nein. Das erstinstanzliche Urteil vom 31. August 2026 (zwei Jahre Haft) ist angefochten, das Berufungsverfahren läuft.
Was wird ihr vorgeworfen? Bestechung von Kim Keon-hee, der Ehefrau des früheren Präsidenten Yoon Suk Yeol, sowie eine Zahlung von 100 Millionen Won an den Abgeordneten Kweon Seong-dong. Sie bestreitet die Vorwürfe.
Was ist der Cheonjeong-Palast? Das zentrale Kirchengebäude der Vereinigungskirche in Gapyeong, Provinz Gyeonggi, nordöstlich von Seoul.