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500 Beiträge auf foref.info – wie aus einer Begegnung eine laute Stimme für die Religionsfreiheit wurde

500 Beiträge auf foref.info – wie aus einer Begegnung eine laute Stimme für die Religionsfreiheit wurde
KI Symbolbild (Gemini)
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Fünfhundert Beiträge. Als wir vor knapp einem Jahr in Deutschland "neu" anfingen, hätte ich diese Zahl nicht für möglich gehalten. Zeit für einen Blick zurück – und einen nach vorn.

Am Anfang standen zwei Männer

Alles begann im Dezember 2025 mit einem Treffen zweier Männer: Peter Zoehrer, Journalist, Mitbegründer und seit 2005 Executive Director von FOREF Europe, und ich, ein Jurist, der über familienrechtliche Verfahren zur Religions- und Weltanschauungsfreiheit gekommen war. Es war der Monat, in dem FOREF seinen 20. Gründungstag beging – am 20. Dezember 2005 war das Forum in Wien von Prof. Christian Brünner und Peter Zoehrer ins Leben gerufen worden.

Was uns zusammenführte, war eine gemeinsame Beobachtung: Die Verfahren gegen die „Zwölf Stämme“, gegen den „Orden der Transformanten“ und die Stigmatisierung der Gemeinschaft Go&Change in Lülsfeld folgten immer demselben Muster. Dieselben Narrative, dieselben unbelegten Vorwürfe, derselbe fehlende Ermittlungswille. Und jede betroffene Gemeinschaft stand damit allein da. Das durfte so nicht bleiben.

Im Januar 2026 haben wir dieses Gespräch öffentlich fortgesetzt. Im Interview mit Michael Langhans – FOREF Deutschland haben wir beschrieben, wie mediale Skandalisierung Druck auf Jugendämter, Staatsanwaltschaften und Gerichte erzeugt – und warum es FOREF Deutschland braucht. Unser Programm passte in drei Worte: aufklären, aufzeigen, helfen.

Die Entwicklung des Blogs in Etappen

Januar 2026 – der Start. Mit dem Interview und der Wiederbelebung von FOREF Deutschland nahm foref.info als deutschsprachige Plattform Fahrt auf. Erster Schwerpunkt: Medien, die das sogenannte Sektennarrativ unreflektiert und sachlich falsch verwenden.

Februar 2026 – ein neues Zuhause. Die Seite erhielt ein neues Gesicht und eine klare Struktur: Länderrubriken für Deutschland, Österreich, die Schweiz und International, eigene Seiten zu OSZE, FRA und Vereinten Nationen sowie die Vorstellung des Leitungsteams um Präsident Dr. Ján Figeľ.

März 2026 – das Hinweisgeber- und Meldesystem. Mit dem FOREF-Meldesystem haben wir einen Weg geschaffen, über den Verletzungen der Religionsfreiheit, aber auch tatsächliche problematische Vorgänge innerhalb von Gemeinschaften gemeldet werden können. Der erste Quartalsbericht erschien für den Zeitraum ab dem 17. März 2026. Transparenz in beide Richtungen – das ist der Kern unserer Neutralität.

Frühjahr und Sommer 2026 – Dossiers und Tiefe. Aus Einzelbeiträgen wurden Sammlungen: das Dossier zum Sekten-Narrativ, zu religiösen Minderheiten, eine Urteilsübersicht, der Podcast, das Scientific Committee, ein Terminkalender und die Übersicht gesellschaftlich stigmatisierter Gruppen. Parallel wuchs der internationale Blick – vom Global Leaders Summit for Peace in Taipeh bis zur deutschen Fassung der Geschichte von Toru Goto, der 4.536 Tage festgehalten wurde, weil er seinen Glauben nicht aufgeben wollte. Wissenschaftliches Arbeiten steht daher im Mittelpunkt, über die Berichte im Einzelfall hinaus.

Oktober 2026 – Wissenschaft und Begriffsarbeit. Auf dem CEFoRB habe ich vorgeschlagen, den Begriff „Sekte“ durch „gesellschaftlich stigmatisierte Gruppen“ zu ersetzen; das Dossier dazu ist seither ein Grundpfeiler der Seite. Es folgten Arbeiten zur Weitergabe ungeprüfter Aussteigerberichte, zum Mythos „Gehirnwäsche“ und zur Haftung für Falschberatung und Deprogramming, eigene Erhebungen zu Shincheonji – und der Start unseres wöchentlichen Newsletters.

November 2026 – Beitrag Nummer 500. Die letzten Tage zeigen, was foref.info heute ausmacht: Wir widersprechen, wo Warnungen ohne Belege auskommen – etwa beim BR-Bericht zur „Church of God“ oder bei der Wiener HWPL-Warnung. Wir nehmen junge Gemeinschaften wie First Fruits differenziert in den Blick. Und wir benennen klar, wo echte Verbrechen geschehen sind, wie im Shakahola-Urteil gegen Paul Mackenzie. Genau das ist der Unterschied: Bei uns gibt es keinen „Bonus“ für ein Etikett – weder in die eine noch in die andere Richtung. Maßstab ist der konkrete Sachverhalt.

Was 500 Beiträge eigentlich bedeuten

Hinter jeder dieser Zahlen stehen Menschen. Mütter und Väter, die um ihre Kinder kämpfen. Gemeinschaften, die plötzlich in Zeitungen und Akten über sich lesen, was sie nicht wiedererkennen. Wahrheiten, die man ignoriert. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die seit Jahrzehnten gegen vereinfachende Narrative anschreiben. Journalistinnen und Journalisten, die dankbar sind, wenn man ihnen einen problematischen Begriff erklärt – und ihn beim nächsten Mal bewusst vermeiden.

Diesen Begegnungen verdanken wir diesen Blog. Ich habe in diesem Jahr wunderbare Menschen kennengelernt, deren Überzeugungen ich nicht immer oder in allen Nuancen teile, deren Würde und Recht auf ein selbstbestimmtes Leben aber außer Frage stehen. Mein herzlicher Dank gilt Peter Zoehrer für sein Vertrauen und seine Erfahrung, unseren Leserinnen und Lesern, allen, die uns Hinweise gegeben, widersprochen oder ermutigt haben – und den Gemeinschaften, die den Mut hatten, sich zu öffnen.

Der Blick nach vorn

Ich freue mich auf viele neue, spannende Begegnungen – mit Menschen und mit Gemeinschaften, mit Kritikern wie mit Unterstützern. Jede Begegnung erweitert den Blick, und jede korrigiert ein Vorurteil, oft auch ein eigenes.

Und ich habe eine Hoffnung, die ich hier offen ausspreche: Im Juni 2028 jährt sich der Abschlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“ (BT-Drucksache 13/10950) zum 30. Mal. Schon diese Kommission hat den Begriff nur mit dem distanzierenden „sogenannte“ verwendet, seine Unschärfe und seine stigmatisierende Wirkung erkannt und eine neutrale, wissenschaftlich arbeitende Informationsstelle angeregt. Drei Jahrzehnte später prägt das Wort „Sekte“ dennoch weiter Schlagzeilen, Behördenakten und Gerichtsverfahren.

Mein Wunsch ist, dass wir den Begriff „Sekte“ spätestens zu diesem 30. Jahrestag aus dem fachlichen, behördlichen und journalistischen Sprachgebrauch verabschiedet haben. Nicht, um echte Missstände zu verschweigen – die benennen wir auch weiterhin klar –, sondern weil ein Kampfbegriff keine Prüfung ersetzt. Wer genauer hinsieht, braucht ihn nicht.

Die nächsten 500 Beiträge werden dazu ihren Teil leisten. Bleiben Sie dabei – und abonnieren Sie gern unseren Newsletter.

Michael Langhans

Michael Langhans

Executive Director FOREF Deutschland, Volljurist, Familienrechtsexperte und Menschenrechtsaktivist.

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