Der High Court im kenianischen Mombasa hat am Freitag das Strafmaß im Shakahola-Verfahren verkündet. Paul Mackenzie, Gründer der Good News International Church, wurde zu 200 Jahren Haft verurteilt. Bei dem Massaker im Shakahola-Wald starben 191 Menschen, darunter 190 Kinder. Wir berichteten bereits hierüber. FOREF hat den Fall bereits nach dem Schuldspruch vom 19. Oktober ausführlich eingeordnet. Wir haben dort festgehalten: Mackenzies Gruppe war eine destruktive Gemeinschaft im klarsten Sinne. Sie isolierte ihre Mitglieder, verbot Bildung und Medizin und erklärte den Hungertod zum Weg zu Jesus. Was dort geschah, ist durch nichts zu rechtfertigen.
Das Strafmaß
Die Richterin bildete zwei Gruppen von Taten. Sie unterschied zwischen Opfern, die verhungerten, und Opfern, die direkt getötet wurden, etwa durch Ersticken, Erdrosseln oder stumpfe Gewalt. Für jede Gruppe verhängte sie 100 Jahre. Innerhalb einer Gruppe laufen die Strafen gleichzeitig, die beiden Gruppen werden addiert. Die Anklage hatte die Todesstrafe gefordert. Mackenzies Stellvertreter erhielt 160 Jahre.
Unsere Einschätzung
200 Jahre klingen nach einer drakonischen Strafe. Gemessen an 191 Toten sind sie wenig, rechnerisch kaum mehr als ein Jahr pro Menschenleben. Das Gericht hat ausdrücklich Mord festgestellt, kein Unglück und keine Fahrlässigkeit. Mackenzie hat Kinder systematisch verhungern lassen. Durch die gleichzeitige Vollstreckung fallen die einzelnen Hungertode beim Strafmaß kaum ins Gewicht. Für 183 verhungerte Kinder gibt es im Ergebnis dieselben 100 Jahre wie für ein einziges. Ein Strafrecht, das jedes Leben ernst nimmt, müsste jedes einzelne Opfer im Strafmaß sichtbar machen.
Praktisch wird Mackenzie das Gefängnis nicht mehr verlassen. Symbolisch bleibt aber ein schaler Rest. Den Familien, die oft mehrere Kinder verloren haben, sendet die Rechnung ein falsches Signal.
Eine Sache bleibt richtig: Shakahola ist das Verbrechen eines Täters und seines Umfelds, nicht das einer Religion oder aller kleinen Glaubensgemeinschaften. Wer ihn pauschal unter „Sekten“ verbucht, trifft Unbeteiligte und übersieht, worauf es ankommt: konkrete, überprüfbare Warnzeichen. Mackenzie war den Behörden schon seit 2017 bekannt.