Der Polizeiliche Staatsschutz ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung mit mutmaßlich antisemitischem Hintergrund - über 8.700 Vorfälle 2025 in Deutschland antisemitischer Natur sind eine besorgniserregende Zahl
Am Samstagabend wurde in Schöneberg ein 60-Jähriger angegriffen und verletzt. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei saß er gegen 20 Uhr mit einem Bekannten auf einer Parkbank an der Gleditschstraße, als ein Unbekannter ihn ansprach. Der Fremde bot ihm ein Bier an, und die beiden kamen ins Gespräch. Dann wollte er wissen, ob der Mann Jude sei. Als der 60-Jährige das bejahte, kam es zum Streit, in dessen Verlauf der Unbekannte antisemitische Äußerungen gemacht haben soll.
Anschließend soll der Täter den Mann mit Bier bespritzt und eine volle Bierdose nach ihm geworfen haben, die ihn verfehlte. Als der 60-Jährige gehen wollte, soll der Unbekannte ihn mit einem Faustschlag zu Boden gebracht und dann mehrfach auf ihn eingeschlagen haben. Erst als ein Zeuge die Polizei alarmierte, ließ er von seinem Opfer ab und flüchtete in Richtung Hohenstaufenstraße. Der 60-Jährige erlitt mehrere Hämatome im Gesicht sowie eine Platzwunde. Brille und Mantel wurden beschädigt. Eine ärztliche Behandlung lehnte er zunächst ab. Die Ermittlungen hat der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamts übernommen.
Kein Einzelfall
Der Angriff fällt in eine Phase anhaltend hoher Fallzahlen. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Berlin zählte 2025 insgesamt 2.197 antisemitische Vorfälle. Nach ihren Angaben setzt sich das hohe Niveau, das nach dem 7. Oktober 2023 sprunghaft angestiegen war, auch 2026 fort. Unter den Vorfällen des Jahres 2025 waren ein Fall extremer Gewalt und 39 antisemitische Angriffe. Bundesweit registrierte RIAS 2025 insgesamt 8.725 antisemitische Vorfälle, im Schnitt 24 pro Tag. Weiterhin zahlreiche antisemitische Übergriffe in Berlin +2
Die Berliner Staatsanwaltschaft stuft seit dem 7. Oktober 2023 rund 1.900 Verfahren als antisemitische Straftaten ein. Bei weiteren mehr als 1.300 Verfahren sieht sie einen antisemitischen Hintergrund. Nach Angaben von RIAS führen solche Vorfälle dazu, dass Jüdinnen und Juden bestimmte Orte und Situationen meiden und weniger am öffentlichen Leben teilnehmen. Die Antisemitismusbeauftragte der Generalstaatsanwaltschaft, Jana Berthold, beobachtet, dass viele jüdische Menschen ihren Glauben inzwischen bewusst nicht mehr öffentlich zeigen.
Quellen:
- Der Spiegel, 25.10.2026
- Tagesspiegel: Parkbank-Gespräch endet mit Schlägen ins Gesicht
- Jüdische Allgemeine: Mutmaßlich antisemitische Attacke in Schöneberg
- Berliner Abendblatt / dpa: 60-Jähriger verprügelt
- Berliner Sonntagsblatt (nach Polizeimeldung)
- dpa via Volksstimme: Weiterhin zahlreiche antisemitische Übergriffe in Berlin (06.10.2026)
- RIAS Berlin: Antisemitische Vorfälle in Berlin 2025 (PDF)
- ZDFheute: RIAS-Bundesbericht 2025