Das Wichtigste in Kürze
Bei einem bewaffneten Angriff auf eine Trauerfeier in der griechisch-orthodoxen St.-Georgs-Kirche im Dorf Hammoud (Gouvernement Karak, Südjordanien) sind am Freitag, 23. Oktober 2026, sieben Menschen getötet worden. Die jordanischen Behörden stufen die Tat als Terroranschlag ein. Täter und Motiv sind bislang nicht öffentlich benannt.
Kernfakt | Stand 24.10.2026 |
|---|---|
Datum | Freitag, 23. Oktober 2026 |
Ort | St.-Georgs-Kirche (griechisch-orthodox), Hammoud, Gouvernement Karak, Jordanien |
Anlass | Trauerfeier, laut Augenzeugen 150 bis 200 Anwesende |
Todesopfer | 7 (Angabe der Polizeibehörde PSD) |
Verletzte | 34 laut PSD, 40 laut Gesundheitsministerium; am Samstag noch 27 in Klinikbehandlung |
Täter | 2 bis 4 Bewaffnete (Angaben uneinheitlich), Fahndung läuft |
Bekennerschreiben | Keines bekannt |
Staatliche Einordnung | Terroranschlag einer „extremistischen Gruppe“ (Innenministerium) |
Was in Hammoud geschah
Die Schüsse fielen während einer Beerdigung in der St.-Georgs-Kirche, die zum Griechisch-Orthodoxen Patriarchat von Jerusalem gehört. Ein Trauergast berichtete der Nachrichtenagentur AP, das Feuer sei etwa eine Viertelstunde nach Beginn der Feier ausgebrochen. Überlebende schilderten Al Jazeera, sie hätten zunächst eine Explosion gehört, danach hätten maskierte Männer mehrere Minuten lang geschossen.
Eine Überwachungskamera an der Kirche zeigt nach Berichten von AFP und dem Sender Al-Mamlaka drei Personen, die vom Gehweg aus auf das Gebäude feuern und dann zum Eingang laufen. Die Angreifer flohen anschließend. Nach Angaben eines Augenzeugen gegenüber Middle East Eye waren die meisten Opfer zwischen 50 und 70 Jahre alt.
König Abdullah II. besuchte noch am Abend Verletzte im Militärkrankenhaus Prinz Ali in Karak. Laut Gesundheitsministerium waren zwei Verletzte in kritischem Zustand.
Ermittlungen und offene Fragen
Die Ermittlungen laufen, wesentliche Fragen sind ungeklärt. Innenminister Mazen al-Faraya sprach von einer extremistischen Gruppe, nannte aber keine Organisation. Die Polizeibehörde gab an, Hinweise auf die Verdächtigen zu haben, Namen wurden nicht veröffentlicht.
Der Generalstaatsanwalt in Amman hat die Veröffentlichung von Ermittlungsdetails untersagt. Viele Angaben stammen deshalb aus Augenzeugenberichten und weichen voneinander ab, etwa bei der Zahl der Verletzten und der Täter.
Offen ist bislang:
- Wer die Täter sind und ob sie einer bekannten Organisation angehören
- Warum gerade diese Trauerfeier zum Ziel wurde
- Ob es Festnahmen gibt
Dieser Beitrag nennt daher bewusst keine Verantwortlichen und wird aktualisiert, sobald gesicherte Erkenntnisse vorliegen.
Reaktionen: „Gewalt darf das Zusammenleben nicht zerstören“
Christliche und muslimische Stimmen haben den Anschlag gleichermaßen verurteilt und zu Zusammenhalt aufgerufen. Die Zitate sind eigene Übersetzungen aus den verlinkten Quellen.
- Rat der Kirchen im Nahen Osten (MECC): „Gotteshäuser sind Häuser des Gebets, des Friedens und der Hoffnung – keine Schauplätze der Gewalt.“ Der Rat ruft dazu auf, eine Kultur des Dialogs und der Toleranz zu stärken. (MECC)
- Griechisch-Orthodoxes Patriarchat von Jerusalem: „Diese abscheuliche und blutige Tat wird unsere nationale Einheit nicht untergraben.“ Das Patriarchat betont zudem, die Tat sei dem in Jordanien gelebten gemäßigten Islam fremd. (HCC, Patriarchat)
- Großimam der Al-Azhar, Ahmed al-Tayyeb: „Unsere Herzen sind bei unseren Brüdern und Schwestern im Haschemitischen Königreich Jordanien.“ Er sprach von einem Angriff auf unschuldige, friedliche Menschen. (See News)
- König Abdullah II.: Alle Jordanier stünden vereint, „kein verräterischer Akt wird sie spalten“. (Asharq Al-Awsat)
- UN-Generalsekretär António Guterres nannte den Angriff auf eine Trauerfeier besonders abscheulich und forderte, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. (NBC News)
- Palästinensische Präsidentschaft: Angriffe auf Gotteshäuser und Zivilisten verstießen gegen die Grundsätze der Religionen. (Roya News)
Verurteilungen kamen außerdem aus Libanon, Syrien, Ägypten, Oman, dem Irak, Griechenland und der EU. Papst Leo XIV. hatte bereits im Juli 2025, nach einem Angriff auf eine Kirche in Gaza, gemahnt: „Wir müssen den Dialog suchen und die Waffen niederlegen.“ (PBS) Eine Stellungnahme des Papstes zu Karak lag bis Samstagvormittag nicht vor.
Einordnung: Religionsfreiheit und Zusammenleben in Karak
Der Anschlag trifft eine Region, in der Christen und Muslime seit Generationen Seite an Seite leben, wie der Nahost-Korrespondent Taylor Luck gegenüber Al Jazeera erklärte. Die griechisch-orthodoxe Kirche ist laut Arab News die größte christliche Gemeinschaft im Land. Angriffe auf Gotteshäuser sind in Jordanien sehr selten.
Karak war bereits 2016 Ziel eines Anschlags, bei dem zehn Menschen starben, darunter sieben Sicherheitskräfte (CBS News). Danach entstanden vor Ort gemeinsame Initiativen von Muslimen und Christen, etwa die Pflege von Friedhöfen beider Religionen. Der damalige Tourismusdirektor von Karak sagte: „Sie haben uns als einen Körper zurückgelassen.“ (Al Jazeera, 2017)
Aus menschenrechtlicher Sicht ist der Angriff auch ein Angriff auf die Religionsfreiheit. Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte schützt das Recht, die eigene Religion gemeinsam mit anderen im Gottesdienst auszuüben. Eine Trauerfeier ist ein besonders verletzlicher Moment dieses gelebten Glaubens. Gewalt löst keinen Konflikt, sie trifft Unbeteiligte und schürt Misstrauen zwischen Nachbarn, unabhängig davon, wer sie ausübt.