Der Preis unbeugsamen Glaubens: Wie Japans Angriff auf die Gewissensfreiheit die Demokratie weltweit bedroht
FOREF Europe Special Report | Forum for Religious Freedom Europe
Deutsche Übersetzung für FOREF.INFO | Original veröffentlicht am 25. September 2026 Originalartikel auf FOREF Europe

Es gibt Bücher, die geschrieben werden, um Geschichte zu dokumentieren. Und es gibt jene seltenen, aufrüttelnden Texte, die die internationale Öffentlichkeit zwingen, sich zu fragen, wie systematische, staatlich geduldete Menschenrechtsverletzungen mitten in einer modernen Verfassungsdemokratie geschehen können.
Toru Gotos Autobiografie „Battle for Survival: 4,536 Days in Captivity“ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Sie ist weit mehr als der persönliche Bericht eines Menschen, der Unvorstellbares durchgestanden hat. Das Buch ist ein einzigartiges Zeugnis geistigen Widerstands, eine außergewöhnliche Lektion psychischer Widerstandskraft – und zugleich eine erschütternde Anklage gegen religiöse Verfolgung, die sich vor den Augen der demokratischen Welt entfalten konnte.
Teil I: Anatomie einer rechtswidrigen Entführung
Tokio-Konferenz über erzwungene Glaubensabkehr: Im Jahr 2010 leitete Peter Zoehrer (FOREF Europe) eine Delegation von neun renommierten europäischen Menschenrechtsexperten nach Tokio. Zu ihr gehörten unter anderem Dr. Aaron Rhodes, ehemaliger Exekutivdirektor der International Helsinki Federation, und Willy Fautré, Direktor von Human Rights Without Frontiers. Gemeinsam mit internationalen Wissenschaftlern und japanischen Opfern von Entführung und erzwungener Glaubensabkehr untersuchten sie ein Menschenrechtsproblem, dessen Existenz japanische Strafverfolgungsbehörden und staatliche Institutionen jahrzehntelang bestritten oder heruntergespielt hatten.
Was die Delegation vorfand, erschütterte die internationale Menschenrechtsgemeinschaft. Seit Ende der 1960er-Jahre waren mehr als 4.300 japanische Bürger – überwiegend junge Frauen – systematisch entführt, in geheim gehaltenen Wohnungen eingesperrt und massivem körperlichem und psychischem Druck ausgesetzt worden, um sie zur Aufgabe ihres Glaubens zu zwingen. Professionelle „Deprogrammierer“ beziehungsweise Glaubensbrecher, die eng mit beteiligten Geistlichen und radikalen Aktivisten und Anwälten zusammenarbeiteten, hatten die erzwungene Abkehr vom Glauben zu einem lukrativen Geschäft mit Millionenumsätzen gemacht.
Mehr als vier Jahrzehnte lang sahen japanische Strafverfolgungsbehörden weitgehend weg. Gewaltsame Entführungen und rechtswidrige Freiheitsentziehungen wurden immer wieder als bloße „private Familienangelegenheiten“ abgetan.
Bei dieser Zusammenkunft in Tokio begegnete die Delegation erstmals Toru Goto. Ihn persönlich von seinem Martyrium berichten zu hören, war eine zutiefst erschütternde Erfahrung. Sein Fall markiert den äußersten Rand dieser im Verborgenen betriebenen Kampagne – eine Geschichte menschlicher Standhaftigkeit, die sich gewöhnlichen Maßstäben entzieht.
Am 11. September 1995 war Toru 31 Jahre alt, Universitätsabsolvent, beruflich auf einem vielversprechenden Weg und tief in seinem Glauben an die Vereinigungskirche verwurzelt, die heute als Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung bekannt ist. An jenem Abend, nach einem scheinbar gewöhnlichen Familientreffen, wurde er von Angehörigen, die mit professionellen Deprogrammierern zusammenarbeiteten, überwältigt und gewaltsam in einen bereitstehenden Kleinbus gezwungen.
Man brachte ihn in eine Wohnung in einem Hochhaus nahe dem Bahnhof Ogikubo in Tokio. Türen und Fenster waren mit massiven Schlössern versehen, die ausschließlich von außen kontrolliert wurden. Es gab kein Telefon, keinen Zugang zu Nachrichten und keinerlei Möglichkeit, mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen. Als Toru sich auf Artikel 20 der japanischen Verfassung berief, der die Religionsfreiheit garantiert, verhöhnte ihn der führende Deprogrammierer Takashi Miyamura:
„Du hast keine Menschenrechte. Du bist nicht berechtigt, Menschenrechte in Anspruch zu nehmen.“
— Takashi Miyamura zu Toru Goto

Seine Entführer machten ihre Bedingungen unmissverständlich klar: Er werde erst freikommen, wenn er eine formelle Erklärung über die Aufgabe seines Glaubens unterschreibe. Man sagte ihm, er müsse zu jedem Opfer bereit sein. Toru betrat diese verschlossene Wohnung mit 31 Jahren. Erst mit 44 sollte er wieder ins Freie treten.
4.536 Tage in Folge – mehr als zwölf Jahre – bestand Torus gesamte Welt aus verschlossenen Räumen, ständiger Überwachung und aggressivem psychischem Druck. Während er isoliert war, veränderte sich die Welt draußen grundlegend. Die Berliner Mauer war erst sechs Jahre vor Beginn seiner Gefangenschaft gefallen; während seiner mehr als ein Jahrzehnt dauernden Isolation revolutionierte das Internet die menschliche Kommunikation, Mobiltelefone verbreiteten sich weltweit und geopolitische Verhältnisse verschoben sich.
Japan hielt in dieser Zeit neunzehn nationale Wahlen ab. Toru bekam davon nichts mit. Wechselnde Teams von Deprogrammierern beschimpften ihn stundenlang und nannten ihn „Satan“ und ein „Monster“. Als verbaler Druck seinen Glauben nicht brechen konnte, gingen seine Entführer zu extremer körperlicher Vernachlässigung über. Immer wieder wurde ihm tagelang Nahrung vorenthalten. Nachts schlich er in die Küche und suchte in Abfalleimern nach rohen Gemüseresten, um überhaupt am Leben zu bleiben.
Aus Protest gegen seine rechtswidrige Gefangenschaft trat er wiederholt in lange Hungerstreiks und brachte seinen Körper bis an die Grenze des Todes. Doch während sein Körper immer schwächer wurde, verhärtete sich sein innerer Entschluss zu einer Festung, die nicht mehr zu brechen war.
Am 10. Februar 2008, nach zwölf Jahren und fünf Monaten ununterbrochener Gefangenschaft, erkannten seine Entführer schließlich, dass sie seinen Willen nicht brechen konnten. Sie öffneten die Tür und befahlen ihm zu gehen. Sie gaben ihm weder Geld noch Hilfe noch ein Telefon. In einem dünnen, abgetragenen Pullover trat Toru mit 44 Jahren in die eisige Winterluft hinaus. Er wog nur noch 39 Kilogramm.

Seine Beine waren durch jahrelange Inaktivität und Muskelschwund so schwer geschädigt, dass sie nach nur kurzer Gehstrecke auf dem gefrorenen Gehsteig unter ihm zusammenbrachen. In der Notaufnahme behandelten Ärzte schwere Unterernährung, allgemeine Organschwäche und fortgeschrittene Anämie. Medizinische Fotos aus seinem Krankenbett zeigen einen bis auf Haut und Knochen abgemagerten Mann – erschreckend ähnlich einem Überlebenden eines Konzentrationslagers.
Teil II: Internationale Mobilisierung für Gerechtigkeit
Nach der Tokio-Mission von 2010 startete eine internationale Koalition aus Human Rights Without Frontiers (HRWF), FOREF Europe, CAP-LC und der International Coalition for Religious Freedom (ICRF) eine intensive, mehrjährige internationale Menschenrechtskampagne.
Die ersten Recherchen wurden von Willy Fautré, Aaron Rhodes und Dan Fefferman zusammengetragen. Später schloss sich der Menschenrechtsexperte Hans Noot dem Untersuchungsteam an und leistete wichtige Beiträge zur Dokumentation des größeren strukturellen Ausmaßes erzwungener Deprogrammierung in Japan.
Ein entscheidender Wendepunkt kam, als die renommierte französische Menschenrechtsanwältin Patricia Duval das zentrale juristische Mandat übernahm. Duval führte umfangreiche Fact-Finding-Missionen in Tokio durch und analysierte sorgfältig die rechtlichen Mechanismen sowie die institutionelle Mitverantwortung japanischer Strafverfolgungsbehörden.
Sie überführte diese empirischen Erkenntnisse in hochrangige juristische Eingaben und formelle Berichte an den UN-Menschenrechtsausschuss, den UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, das US-Außenministerium und die U.S. Commission on International Religious Freedom (USCIRF).
Parallel dazu organisierten HRWF, FOREF Europe und CAP-LC eine Reihe hochrangiger Side Events im Palais des Nations der Vereinten Nationen in Genf sowie Briefings im US-Kongress auf dem Capitol Hill. Toru Goto selbst reiste gemeinsam mit anderen mutigen Überlebenden erzwungener Deprogrammierung nach Genf, um vor internationalen Diplomaten und UN-Gremien persönlich Zeugnis abzulegen.
Diese beharrliche internationale Kampagne erzeugte einen bis dahin beispiellosen öffentlichen und diplomatischen Druck, den die japanischen Behörden nicht länger ignorieren konnten. Gestützt auf Feststellungen des UN-Menschenrechtsausschusses, der Japan ausdrücklich aufforderte, erzwungene Glaubensabkehr zu beenden, reichte Toru eine wegweisende Zivilklage gegen seine Entführer und den führenden Deprogrammierer Takashi Miyamura ein.
Am 29. September 2015 bestätigte der Oberste Gerichtshof Japans endgültig ein Urteil des Obergerichts, das seine zwölfjährige Gefangenschaft für rechtswidrig erklärte und beträchtlichen Schadenersatz zusprach.


Nach seinem wegweisenden juristischen Sieg bestätigte Goto gegenüber FOREF Europe, dass die beharrliche öffentliche Aufklärung und die sorgfältige Berichterstattung an internationale Institutionen – darunter UN-Menschenrechtsgremien, USCIRF, das US-Außenministerium, die internationale Menschenrechtsgemeinschaft und globale Medien – entscheidend für seinen Erfolg vor Gericht gewesen seien.
Ohne diesen anhaltenden internationalen Druck, betonte er, hätten japanische Justiz- und Strafverfolgungsbehörden die Tausenden Entführungsfälle weiter ignoriert und die lukrative Deprogrammierungsindustrie hinter verschlossenen Türen geschützt.
Teil III: Medienjustiz – vom Wachhund zum Schoßhund
Tragischerweise verschwand der Geist religiösen Zwangs nicht mit Torus zivilrechtlichem Sieg; er veränderte lediglich seine Form. Heute erlebt Japan einen beispiellosen institutionellen Angriff auf religiöse Minderheiten, begleitet von einem Mediensystem, dem Kritiker vorwerfen, elementare journalistische Standards aufgegeben zu haben.
Wer Japans gegenwärtige verfassungsrechtliche Krise verstehen will, muss deshalb auch die Rolle der großen japanischen Medien untersuchen. Statt staatliche Macht unabhängig zu kontrollieren, so die Kritik, hätten Teile der Presse staatliche Maßnahmen und radikale kirchenfeindliche Aktivistennetzwerke weitgehend unkritisch begleitet.
Über Jahrzehnte entstand so eine mediale Mauer des Schweigens, durch die eine sachliche Berichterstattung über die Entführung und Misshandlung Tausender Kirchenmitglieder kaum an die Öffentlichkeit drang.
Nach der Ermordung des ehemaligen Premierministers Shinzo Abe im Juli 2022 erreichte diese Entwicklung einen neuen Höhepunkt. Tetsuya Yamagami, ein Einzeltäter mit persönlichen Motiven, lauerte Abe auf und ermordete ihn. In der anschließenden Berichterstattung gerieten jedoch die Unschuldsvermutung und grundlegende Maßstäbe rechtsstaatlicher Fairness zunehmend aus dem Blick.
Statt die Verantwortung des gewalttätigen Attentäters klar von der Verantwortung Dritter zu trennen, entstand eine massive Kampagne gegen die Familienföderation. Yamagami wurde vielfach als Opfer seiner Familiengeschichte dargestellt, während die Kirche, gegen die sich sein familiärer Groll richtete, zunehmend zur eigentlichen Schuldigen erklärt wurde.
Mehr als zwei Jahre lang sah sich die Familienföderation einem fortwährenden „Prozess in den Medien“ ausgesetzt. Kirchenvertreter erhielten kaum ein wirksames Recht auf Gegendarstellung, unbestätigte Vorwürfe wurden teilweise wie feststehende Tatsachen behandelt, und das grundlegende Rechtsprinzip, wonach eine Organisation nicht für die eigenständigen Straftaten eines Dritten verantwortlich gemacht werden kann, geriet in den Hintergrund.
Als das Strafverfahren schließlich mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe für Yamagami endete, stellte das Urteil die Tat als vorsätzliche Handlung des Täters fest. Eine strafrechtliche Verantwortung oder Beteiligung der Familienföderation an Abes Ermordung wurde nicht festgestellt. Dennoch fand dieser Aspekt des Urteils in großen Teilen der japanischen Berichterstattung nur begrenzte Beachtung.
In diesem feindseligen Klima engagierten sich der renommierte italienische Religionssoziologe Dr. Massimo Introvigne, Bitter Winter und das Center for Studies on New Religions (CESNUR) intensiv für eine internationale menschenrechtliche und wissenschaftliche Aufarbeitung. Introvigne und CESNUR dokumentierten in zahlreichen akademischen und juristischen Analysen den Einsatz staatlicher Machtmittel in Japan nach dem Abe-Attentat und widersprachen zentralen Narrativen der sensationsorientierten Berichterstattung.
In einer Reihe von bei Bitter Winter veröffentlichten Gesprächen analysierten der Literaturkritiker Eitaro Ogawa und Professor Tsutomu Nishioka von der Reitaku University, wie die japanische Politik dem öffentlichen und medialen Druck nachgab. Sie verwiesen insbesondere auf einen bemerkenswerten Kurswechsel von Premierminister Fumio Kishida. Zunächst hatte Kishida im Parlament ausdrücklich erklärt, dass nach dem Gesetz über religiöse Körperschaften für einen Auflösungsantrag gegen eine Religionsgemeinschaft strafrechtliche Verstöße erforderlich seien.
Angesichts sinkender Zustimmungswerte und anhaltenden medialen Drucks änderte Kishida jedoch seine Position und erklärte, nun könnten auch zivilrechtliche Delikte beziehungsweise entsprechende zivilrechtliche Ansprüche als Grundlage für die Auflösung einer religiösen Körperschaft dienen.
Professor Nishioka wertete diesen Kurswechsel als einen Zusammenbruch rechtsstaatlicher Prinzipien. Ogawa sprach von einer „Hinrichtung durch die Medien“ – einem Prozess, in dem mediale Vorverurteilung an die Stelle eines geordneten rechtsstaatlichen Verfahrens tritt und unpopuläre religiöse Minderheiten ihrer verfassungsmäßigen Rechte beraubt werden.
Teil IV: Der menschliche Preis der staatlichen Liquidation
Die konkreten Folgen dieser politischen Entwicklung werden in umfangreichen Umfragedaten dokumentiert, die Dr. Shunsuke Uotani, Generalsekretär von UPF-Japan, zusammengestellt und der Menschenrechtsanwältin Patricia Duval in einem umfassenden Schadensbericht vorgelegt hat.

Der Bericht beschreibt die gravierenden Auswirkungen auf einzelne Gläubige nach der Entscheidung der Regierung, Auflösungs- und Liquidationsverfahren gegen die Familienföderation einzuleiten. Die Umfrage mit 11.878 Antworten von Kirchenmitgliedern (Stand August 2026) zeichnet das Bild einer schweren humanitären Belastung innerhalb einer demokratischen Gesellschaft.
1. Schwere gesundheitliche und psychische Belastungen
- 86,6 % der Befragten (10.281 Personen) berichten von schwerem emotionalem Stress, den sie unmittelbar mit öffentlicher Anfeindung und staatlichen Maßnahmen in Verbindung bringen.
- 28,9 % (3.428 Personen) berichten von einer messbaren Verschlechterung ihres körperlichen Gesundheitszustands.
Spezialisierte medizinische Behandlung: Hunderte Mitglieder mussten medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. 497 Personen ließen sich im Krankenhaus behandeln; 321 suchten psychosomatische Kliniken wegen schwerer Depressionen und traumatischer Belastungen auf.
2. Entzug grundlegender religiöser Rechte
- Schließung und Beschlagnahme von Einrichtungen: In ganz Japan wurden rund 260 örtliche Kirchengebäude, Gebetsstätten und Gemeinschaftseinrichtungen geschlossen, versperrt oder zur staatlichen Beschlagnahme und Vermögensverwertung vorgesehen. Gläubige und Mitarbeiter mussten die Einrichtungen teilweise kurzfristig verlassen.
- Kirchliche Friedhöfe und Grabstätten: Der Liquidationsauftrag betrifft auch sakrale Grundstücke. 1.904 Gläubige berichten von schwerer Sorge und seelischer Belastung, weil traditionelle religiöse Begräbnisse oder der Zugang zu Grabstätten verstorbener Angehöriger gefährdet seien.
- Einschränkung des Gottesdienstes: 77,8 % der Befragten (9.245 Personen) geben an, infolge von Vermögensbeschlagnahmen und Schließungen nicht mehr in ihren bisherigen Gebets- und Versammlungsstätten Gottesdienst feiern, beten oder Gemeinschaft pflegen zu können.
- Ende von Gemeinschaftsprogrammen: Mehr als 5.627 Mitglieder verloren den Zugang zu kirchlichen Jugendprogrammen, geistlichen Studienkreisen, Kinderbetreuungsnetzwerken und humanitären Aktivitäten.
- Störung wichtiger Lebensereignisse: 2.009 Mitglieder berichteten von erheblicher Sorge und Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit bevorstehenden religiösen Trauungen; Familien sehen sich zugleich großen Hindernissen bei angemessenen Gedenk- und Trauerfeiern gegenüber.
3. Gesellschaftliche Vorurteile und Diskriminierung
- 2.104 Personen berichten von ausdrücklicher Diskriminierung durch Kollegen, Vermieter oder Nachbarn.
- Wirtschaftliche und wohnungsbezogene Folgen: 126 Mitglieder erlitten unmittelbare geschäftliche Nachteile; 121 Familien wurde die Vermietung einer Wohnung verweigert oder sie wurden zum Auszug gezwungen; 12 Personen berichten, dass ihnen allein wegen ihres Glaubens eine medizinische Behandlung verweigert worden sei.
- Arbeitsplatzverluste: 428 Kirchenmitarbeiter verloren infolge der Liquidationsmaßnahmen ihre Beschäftigung. Weitere 65 Mitglieder außerhalb des kirchlichen Personals wurden entlassen, zum Rücktritt gedrängt oder mit Kündigung bedroht.
4. Kinder und Familien als Betroffene
- 452 Kinder von Gläubigen weisen dokumentierte psychische Belastungen auf; 257 junge Menschen berichten von schweren Vorurteilen durch Mitschüler und Lehrkräfte.
- Institutionelles Mobbing: 179 Kinder berichteten von starkem emotionalem Stress während Unterrichtsdiskussionen über die Kirche; 19 Kinder wurden von schulischen Beratungsstellen eindringlich zum Glauben ihrer Eltern befragt.
- Schulabbrüche und Schulwechsel: 34 Kinder gingen zeitweise oder dauerhaft nicht mehr zur Schule; vier mussten die Schule wechseln, um anhaltendem Mobbing zu entkommen.
5. Breite soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung
- Feindseligkeit am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen: 2.924 Mitglieder berichten von psychischer Schikane und Anfeindungen am Arbeitsplatz oder in Bildungseinrichtungen.
- Gesellschaftliche Vorurteile: 2.104 Personen berichten von ausdrücklicher Diskriminierung durch Kollegen, Vermieter oder Nachbarn.
- Finanzielle und wohnungsbezogene Folgen: 126 Mitglieder erlitten unmittelbare geschäftliche Nachteile; 121 Familien wurden Mietverträge verweigert oder sie wurden zum Auszug gezwungen; 12 Personen berichten von verweigerter medizinischer Behandlung aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit.
- Arbeitsplatzverluste: 428 Kirchenmitarbeiter verloren infolge der Liquidationsanordnungen ihre Beschäftigung; 65 weitere Mitglieder wurden von privaten Arbeitgebern entlassen, zum Rücktritt gedrängt oder mit Kündigung bedroht.
Teil V: Die Verbindung zur KP Chinas, geopolitische Einflussnahme und internationale Alarmzeichen
Japans Vorgehen gegen die Religionsfreiheit ausschließlich als innenpolitische Auseinandersetzung zu betrachten, würde eine wichtige geopolitische Dimension ausblenden. Die Frage lautet daher auch: Wer profitiert letztlich von der rechtlichen Zerschlagung antikommunistischer religiöser Bewegungen in Ostasien?
Über Jahrzehnte bildeten die Vereinigungskirche und mit ihr verbundene zivilgesellschaftliche Organisationen – darunter die International Federation for Victory Over Communism (IFVOC) – ein entschieden antikommunistisches Netzwerk, das sich insbesondere gegen den Einfluss der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) und Nordkoreas richtete.
Verbindungen zwischen japanischen Anti-Kirchen-Kampagnen und politischen Interessen Pekings verdienen deshalb besondere Aufmerksamkeit. Nachdem die japanische Regierung Schritte in Richtung Liquidation eingeleitet hatte, begrüßte der Vorsitzende der Japanischen Kommunistischen Partei (JCP) auf X öffentlich die bevorstehende Auflösung der Vereinigungskirche.
Gleichzeitig veröffentlichten staatlich kontrollierte Medien der Volksrepublik China wohlwollende Beiträge über das National Network of Lawyers Against Spiritual Sales, einen japanischen Anwaltsverband, dem zahlreiche linke und marxistisch orientierte Aktivisten angehören, und würdigten dessen langjährige Arbeit gegen die Kirche.
Chinesische Staatsmedien stellten das japanische Vorgehen gegen die Familienföderation ausdrücklich als mögliches „Modell“ für den Umgang anderer Staaten mit nichttraditionellen religiösen Gruppen dar – Gruppen, die Peking unter dem Begriff Xie Jiao („heterodoxe Lehren“) verfolgt.
Kritiker warnen, dass die Zerschlagung antikommunistischer zivilgesellschaftlicher Netzwerke durch innerstaatliche Rechtsinstrumente zugleich strategischen Interessen Pekings entgegenkommen kann: einer Schwächung der sicherheitspolitischen Bindung zwischen den USA und Japan und der Beseitigung gesellschaftlicher Gegenkräfte zum kommunistischen Einfluss im Indopazifik.
Diese Entwicklung hat bei internationalen Menschenrechtsvertretern erhebliche Besorgnis ausgelöst. In seinem Buch über die weltweite Religionsfreiheit, „War on Faith“, warnt der ehemalige US-Sonderbotschafter für internationale Religionsfreiheit Sam Brownback vor Chinas wachsendem globalen Druck auf Religionen und davor, dass Demokratien repressive Methoden nach dem Vorbild der KPCh übernehmen könnten. Auch Katharina Lantos Swett, prominente Menschenrechtsvertreterin und ehemalige Vorsitzende der U.S. Commission on International Religious Freedom (USCIRF), hat davor gewarnt, dass staatlich legitimierte religiöse Repression in demokratischen Ländern autoritäre Praktiken Pekings normalisieren kann.
Der ehemalige EU-Sonderbeauftragte für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Dr. Ján Figeľ, formulierte diese Gefahr bei hochrangigen Menschenrechtskonsultationen so:
„Religions- und Weltanschauungsfreiheit ist der Lackmustest für alle Menschenrechte. Wenn ein demokratischer Staat beginnt, Verwaltungsrecht als Waffe einzusetzen, um unpopuläre religiöse Minderheiten zu liquidieren, untergräbt er seine eigene moralische Autorität und öffnet dem Autoritarismus weltweit die Tür.“
— Dr. Ján Figeľ, ehemaliger EU-Sonderbeauftragter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit

Der ehemalige US-Außenminister Mike Pompeo kritisierte in der Washington Times den Einsatz juristischer Mittel gegen die Familienföderation und erklärte:
„Der Einsatz juristischer Mittel gegen religiöse Führungspersönlichkeiten … ist zutiefst beunruhigend. Die zunehmenden Angriffe auf die Religionsfreiheit sind ein Verrat an den demokratischen Prinzipien, zu denen sich [das Land] bekennen sollte.“
— Mike Pompeo, ehemaliger US-Außenminister
Auch der frühere Sprecher des US-Repräsentantenhauses Newt Gingrich warnte in der Washington Times, dass der Einsatz staatlicher Verwaltungsgewalt zur Liquidation religiöser Gemeinschaften die Grundprinzipien freier Gesellschaften untergräbt.
Besonders besorgniserregend ist die Gefahr eines internationalen Nachahmungseffekts. In Südkorea wurde auf Japans rechtliches Vorgehen gegen die Vereinigungskirche verwiesen, als ähnliche Maßnahmen gegen unpopuläre religiöse Minderheiten diskutiert wurden. Die Menschenrechtsarbeit von Dr. Massimo Introvigne, Bitter Winter und CESNUR hat wesentlich dazu beigetragen, die staatlichen Maßnahmen in Südkorea zu dokumentieren, die mehrere bedeutende religiöse Bewegungen betreffen – darunter den fortdauernden juristischen Druck auf Dr. Hak Ja Han, Leiterin der Familienföderation, Verfahren gegen Dr. Lee von Shincheonji sowie weiteren administrativen Druck auf große evangelikale Gemeinschaften wie die Yoido Full Gospel Church und andere unabhängige christliche Kirchen.
Auch in Teilen Afrikas, Europas und Südamerikas gibt es Anzeichen dafür, dass autoritäre Akteure den japanischen Präzedenzfall heranziehen könnten, um den Entzug des Rechtsstatus und von Eigentumsrechten religiöser Minderheiten zu rechtfertigen.
Teil VI: Ein Aufruf zur Verteidigung der Gewissensfreiheit
Was in den 1990er-Jahren mit verschlossenen Türen und massiven Riegeln in geheimen Wohnungen Tokios begann, hat sich zu staatlich angeordneten Liquidationsverfahren in japanischen Gerichtssälen entwickelt. Die Form hat sich verändert; die grundlegende Gefahr bleibt: Gläubige werden isoliert, öffentliche Feindseligkeit wird politisch nutzbar gemacht, verfassungsrechtliche Schutzgarantien werden ausgehöhlt und Konformität wird erzwungen.
Toru Goto hat bewiesen, dass Gefangenschaft, Hunger und jahrelanger psychischer Druck einen Menschen nicht brechen müssen, wenn sein Gewissen in Glauben und Überzeugung verankert bleibt. Doch sein Sieg darf nicht nur ein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte bleiben. Heute, da Tausende Familien von Diskriminierung, Arbeitsplatzverlust und Einschränkungen ihres grundlegenden Rechts auf Religionsausübung berichten, verpflichtet uns Torus Vermächtnis zum Handeln.
Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wurde nicht geschaffen, um nur bequeme oder gesellschaftlich akzeptierte Überzeugungen zu schützen. Er schützt das Recht jedes Menschen auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit – gerade auch gegenüber staatlichem und gesellschaftlichem Zwang. Wenn eine Verfassungsdemokratie einer religiösen Minderheit unter dem Druck medialer und politischer Dynamiken willkürlich Rechte entziehen kann, dann ist letztlich der verfassungsrechtliche Schutz aller Bürger gefährdet.
Wir rufen Menschenrechtsverteidiger, politische Entscheidungsträger und alle Freunde der Freiheit dazu auf, Toru Gotos Autobiografie „Battle for Survival: 4,536 Days in Captivity“ zu lesen. Würdigen Sie seinen außergewöhnlichen Mut, machen Sie seine Geschichte bekannt und unterstützen Sie FOREF Europe im fortdauernden Einsatz für Religionsfreiheit, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit weltweit.

Toru Gotos Autobiografie: Battle for Survival: 4,536 Days in Captivity | ISBN 978-1-955414-15-9.
Weiterführende Links und Quellen
- FOREF Europe – offizielle Website
- Toru Goto / Tokyo Fact-Finding Delegation – Human Rights Without Frontiers
- Peter Zoehrer: 4,536 Days: The Man Who Refused to Surrender His Faith – Substack
- CESNUR – Center for Studies on New Religions
- The Journal of CESNUR
- Bitter Winter – Freedom of Religion and Belief
- Human Rights Without Frontiers
- The Washington Times
- Dr. Ján Figeľ – offizielle Website
Redaktioneller Hinweis zur Übersetzung: Diese deutsche Fassung folgt Inhalt, Aufbau und Argumentationslinie des englischen FOREF-Europe-Originals. Formulierungen wurden für ein professionelles deutschsprachiges Publikum idiomatisch angepasst. Prozentangaben im Abschnitt zu den Umfragedaten wurden entsprechend den im Original genannten absoluten Fallzahlen wiedergegeben.