In einer emotionalen Ansprache während eines Treffens der „Faith and Freedom Coalition“ äußerte sich der ehemalige US-Präsident Donald Trump jüngst drastisch zur Zukunft des Glaubens in einer sich verändernden politischen Landschaft:
“They will close your churches in this country, if they go communist, and they’re trying to. They will kill your people, and that’s what they’re about. They want to end religion, they have to end religion, because their ideology doesn’t work if you have strong religion.”
In Deutsch heißt das in etwa: "„Sie werden eure Kirchen in diesem Land schließen, wenn sie kommunistisch werden – und das versuchen sie. Sie werden eure Leute töten, und genau darum geht es ihnen. Sie wollen die Religion beenden, sie müssen die Religion beenden, weil ihre Ideologie nicht funktioniert, wenn man eine starke Religion hat.“"
Diese Warnung vor dem Kommunismus mag auf den ersten Blick wie klassische politische Rhetorik wirken und auf den zweiten Blick die Religionsfreiheit ins Auge fassen. Doch ein Blick in die Geschichte und die Gegenwart zeigt: Die Kernaussage über das Verhältnis von totalitären Ideologien und Religion ist historisch und systematisch korrekt, gleichzeitig beschränkt Trump seine Rede nur auf die "starken" = großen Glaubensgemeinschaften. Er schafft also gleichzeitig für und gegen Religionsfreiheit zu sein, denn seine Aussage greift zu kurz für die zugrundeliegende Perspektive, da sie die Realität kleinerer Religionsgemeinschaften und religiöser Minderheiten ausblendet.
Der historische Kern: Warum totalitäre Systeme Religion bekämpfen
Trumps Behauptung, dass eine (neo-)kommunistische oder totalitäre Ideologie Religionen beenden muss, weil sie sonst nicht funktioniert, deckt sich mit den Erkenntnissen der Politikwissenschaft und der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Ob man freilich den Kommunismus erwähnen muss, wenn in diesen Zeiten doch auch linke Regierungen recht glaubenslos daherkommen, müsste man hinterfragen. Dass er das amerikanische Feindbild Kommunismus beschwört, ist insoweit aber nachvollziehbar.
Totalitäre Systeme – ob der historische Sowjetkommunismus, das maoistische China oder andere autokratische Regime – dulden keine Loyalität, die über dem Staat oder der Partei steht. Dort ist der Staat die absolute Instanz. Starke Religionsgemeinschaften bieten ihren Mitgliedern ein moralisches und spirituelles Fundament, das unabhängig von staatlicher Ideologie ist. Sie bilden eine autonome Sphäre der Zivilgesellschaft und sind damit eine Gefahr. Denn ideologische Konkurrenz für einen totalitären Staat verlangt die vollständige Kontrolle über das Denken und Fühlen der Bürger. Da Religionen einen universellen Wahrheitsanspruch erheben, werden sie von solchen Systemen zwangsläufig als existenzielle Bedrohung eingestuft und folgerichtig bekämpft, infiltriert oder verboten.
Insofern beschreibt das Zitat präzise den inhärenten Konflikt zwischen absolutistischen Staatsideologien und der Religionsfreiheit.
Die Leerstelle: Warum die Fixierung auf Großkirchen zu kurz greift
Während Trumps Diagnose bezüglich der Unvereinbarkeit von starkem Glauben und Totalitarismus im Kern stimmt, offenbart seine Wortwahl ("close your churches", "your people") eine klassische Verengung des Blickwinkels. Sie fokussiert sich primär auf die etablierten christlichen Großkirchen und die religiöse Mehrheitsgesellschaft.
Für eine Organisation wie FOREF, die sich weltweit für die Rechte aller Glaubensgemeinschaften einsetzt, ist es entscheidend, die blinden Flecken dieser Rhetorik zu benennen:
1. Kleine Religionen sind die ersten Opfer
Wenn staatlicher Druck auf die Religionsfreiheit zunimmt, trifft es fast nie die großen, gesellschaftlich verankerten Kirchen zuerst. Das kann man an den vielfältigen Berichten hier auf FOREF erkennen und an den vielen Verfolgten kleinen Bewegungen. Die ersten Opfer repressiver Politik sind ausnahmslos religiöse Minderheiten, Sondergemeinschaften und kleinere Religionen. Sie verfügen weder über die politische Lobby noch über die finanziellen oder medialen Ressourcen, um sich effektiv zu wehren.
2. Das Paradoxon der Mehrheit
Etablierte Großkirchen werden von autoritären Regimen oft temporär geduldet oder sogar als Instrument der Machtstabilisierung instrumentalisiert (wie man es beispielsweise in Russland beobachten kann). Kleine Religionsgemeinschaften hingegen werden schnell als "ausländische Agenten", "Sekten" oder "staatsfeindliche Elemente" stigmatisiert, um Repressionen im Namen der Nationalen Sicherheit zu rechtfertigen.
3. Echte Religionsfreiheit ist unteilbar
Die Verteidigung der Religionsfreiheit darf sich nicht nur auf "unsere Kirchen" beschränken. Wenn die Rechte der kleinsten und unpopulärsten religiösen Minderheit beschnitten werden, ist das Fundament der Religionsfreiheit für alle beschädigt. Totalitäre Tendenzen beginnen im Kleinen – wer Minderheiten nicht schützt, ebnet den Weg für die spätere Schließung der großen Kirchen.
Fazit: Wachsamkeit ja, aber mit weitem Blick
Donald Trumps Zitat rüttelt an einer unbequemen Wahrheit: Freiheit – insbesondere die Religionsfreiheit – ist keine Selbstverständlichkeit und steht im direkten Widerspruch zu kollektivistischen und totalitären Ideologien.
Als Verfechter der Menschenrechte müssen wir diese Warnung ernst nehmen. Gleichzeitig müssen wir jedoch sicherstellen, dass unser Kampf für die Freiheit nicht exklusiv ist. Nur eine Religionsfreiheit, die auch die kleinsten und verletzlichsten Gemeinschaften miteinschließt wie Go&Change, den Orde der Transformanten oder die Zwölf Stämme, verdient ihren Namen und bietet einen wirksamen Schutzschild gegen jede Form des Totalitarismus.