von Elmar Große Ruse, Mitglied der Entwicklungsgemeinschaft für Lebensqualität Go&Change
„Nicht wegsehen, nicht schweigen, lasst uns Haltung zeigen!“ hallte es am Tag der Deutschen Einheit rhythmisch durch die Straßenschluchten von Downtown Frankfurt (Main). Auslöser war ein vom deutschen Verein HWPL (der unabhängige Frankfurter Zweig der NGO Heavenly Culture, World Peace, Restoration of Light, kurz HWPL) organisierter Friedensmarsch.

Unter den mehreren Hundert bunt und teilweise in Trachten ihrer Herkunftländer gekleideten friedlichen und erkennbar gut gelaunten Demonstranten fand sich auch ein Dutzend Mitglieder der Entwicklungsgemeinschaft für Lebensqualität Go&Change.
Abschluss-Flash-Mob
Für manche von uns war das vermutlich eine ungewöhnliche Erfahrung, konzentrieren wir uns bei unserem Engagement für Frieden doch meist mehr auf das konkrete Miteinander unter uns sowie mit den Menschen in unserem direkten Umfeld.
"Begeisterung um mich herum, die Teile in mir als weltfremde Naivität abtun wollten." - Elmar Große Ruse
Doch während des Demonstrationsmarsches realisierte ich, dass es hier letztlich auch genau darum ging: Zunächst fremdelte ich noch ein wenig mit der sicht- und hörbaren Begeisterung um mich herum, die Teile in mir als weltfremde Naivität abtun wollten.
Doch je länger wir Friedensparolen skandierend durch Frankfurt spazierten, desto mehr war ich berührt von der Verbundenheit, Offenheit und Herzlichkeit um mich herum. Weltfrieden fördert man auch, wenn fremde Menschen verschiedener Herkunft zusammenkommen, sich bei aller Verschiedenheit für ein gemeinsames konstruktives Ziel einsetzen und dabei Freude haben.
Aus Anlass dieses Besuches in Frankfurt trafen wir danach noch Menschen der christlichen Gemeinschaft Shincheonji, von denen wir einige bereits am Event am 22.08. kurz kennengelernt hatten.

In den Räumlichkeiten, in denen in Frankfurt normalerweise kostenlose Bibelkurse stattfinden, war ich beeindruckt von der Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit unserer Gastgeber.
In den Gesprächen wurde schnell deutlich, was uns bei aller Verschiedenheit der beiden Gemeinschaften verbindet: Vom Arbeitgeber entlassen oder weggemobbt, von der Familie enterbt – und das alles bloß wegen der angeblichen „Sektenmitgliedschaft“… die mir so vertrauten, schmerzhaften Geschichten bekam ich auch hier zu hören.
Shincheonji wird wie wir von Medien und Ehemaligen angegriffen und diffamiert.
Diese Parallele verwundert zunächst, denn vordergründig könnten wir kaum unterschiedlicher sein: hier eine kleine experimentelle Lebensgemeinschaft mit Wurzeln u. a. in der integralen Theorie und der europäischen Gemeinschaftsbewegung – da eine große bibeltreue Glaubensgemeinschaft mit koreanischem Hintergrund und weltweiter Verbreitung.
Warum Shincheonji genau wie wir bekämpft wird, wurde mir im Verlaufe der persönlichen Gespräche klar, die ich führen durfte:
Die Kirche besteht aus viel mehr als einem wöchentlichen Gottesdienst. Die Mitglieder von Shincheonji kommen nahezu täglich zusammen und verbringen viel Zeit miteinander. Sie unterstützen sich gegenseitig, wo es das braucht. Und ihnen geht es um ein wertorientiertes, bibeltreues Verhalten in allen Lebensbereichen .
Menschen, die gemeinsam leben, zusammenhalten und ihr Leben an Werten orientieren, sind weniger von Marketing, Mainstream-Medien und politischer Propaganda beeinflussbar und allein damit vielen ein Dorn in Auge – das kennen wir aus eigener Erfahrung nur zu gut. Wenn man dann noch erfolgreich ist und viele neue Mitglieder anzieht, dann wird man von den Staatskirchen und deren Weltanschauungsbeauftragten und Sektenberatungsstellen schnell als Bedrohung betrachtet.
Das Treffen der beiden Gemeinschaften klang aus mit einem gemeinsamen Essen und angeregten Gesprächen. Wir haben vereinbart, in Kontakt zu bleiben, einander weiter kennen zu lernen und gegenseitig zu unterstützen.
