Ich habs getan, mir den Fakebusters Podcast mit dem Titel "Anastasia: Rechte Sekte mit Glauben an Naturwesen" angehört. Mit dabei Ulrike Schiesser von der Bundesstelle für Sektenfragen in Wien.
Der Teasertext lautet:
"Gesunde, glückliche Menschen, die im Einklang mit der Natur leben. So verkaufen sich Anastasia-Anhänger in ihren Videos, um neue Mitglieder zu werben. Tatsächlich sind die Ideale dieser Menschen aber antisemititisch, sie sind verschwörungsgläubig, esoterisch und rassistisch. Die Anastasia-Bewegung findet dennoch immer mehr Sympathisanten. In Deutschland und Österreich gibt es schon mehrere Standorte, wo sich die Bewegung angesiedelt hat. Wie gefährlich ist sie und an was glauben diese Menschen? Die Fake Busters fragen heute nach… Bleibt skeptisch, aber hört uns gut zu…"
Für einen Podcast ist das Thema Sekte erstaunlich neutral geschildert. Natürlich, aber das scheint dem Wesen des Podcast geschuldet, liegt es daran, dass man in Podcasts nur behauptet und nie begründet.
"Verbieten können Sie nur etwas, das staatsfeindlich auftritt (...) und das ist ganz selten und das ist bei sektenähnlichen Gemeinschaften sehr selten. (...) Sie treten nicht gewaltbereit auf."
Das sagt Ulrike Schiesser, Leitung der Bundesstelle für Sektenfragen. Immerhin.
Dann aber fällt man in die alten narrative zurück (ab Minute 23 ff.):
"Mehr so zwischen den Zeilen"
Damit liegt das Verstandene im Auge des (Sekten)Aufklärers, was alles andere als neutral ist.
"Es könnte ja sein, dass sie ein gewalttätiges Umfeld als normal empfinden, weil sie keinen Vergleich haben"
Dass Schulen und Brennpunkte ein Hort der Gewalt sind, ohne Abschottung, wird außer acht gelassen. Und: Eine Vermutung ("es könnte sein") ersetzt keine Begründung.
"Da liegt der Verdacht nahe, dass sie sich mit Waffen ausrüsten"
(weil sie der Prepperszene nahestehen, Anmerkung Langhans).
Und da haben wir wieder die überflüssige Bundesstelle für Sektenfragen, das Orwellsche Wahrheitsministerium, wie wir es betitelt haben, wie es leibt und lebt: Vermutungen ersetzen Fakten, der eigene Glaube an die Richtigkeit ersetzt die Argumentation und Sektenaufklärung wird damit zur sektenähnlichen Vereinigung, die sich an der Aufmerksamkeit der Leser/Zuhörer misst.
Spannend ist dann aber, dass sie im Umgang mit Betroffenen das als nicht sinnvoll betrachtet, was Kern ihrer Arbeit ist (ab Minute 26):
Man soll nicht mit Vorwürfen und Beschimpfungen arbeiten, nicht Gehirnwäsche vorhalten, man soll nicht sagen "ihr seid ja eine Sekte", das alles wäre "nicht hilfreich. Stattdessen solle man seine andere Sichtweise und Sorge kundtun.
Vielleicht sollte sich die Bundesstelle für Sektenfragen einmal von Ulrike Schiesser coachen lassen. Die sinnvolle Vorgehensweise scheint ja bekannt. Sie wird nur viel zu selten angewandt, wie gerade dieser Podcast zeigt.
Ich hab jetzt nur ein Paar der Aussagen herausgezogen. Hört euch den Podcast an, da sind insbesondere für Ulrike Schiesser erstaunliche Aussagen drin - neben den vielen Vermutungen.
Welche Aussagen findet ihr am wichtigsten?