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42% Muslime an Wiener Schulen: Wieso erhebt man diese Daten

42% Muslime an Wiener Schulen: Wieso erhebt man diese Daten
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Der Gastkommentar von Hans Winkler thematisiert den demografischen und kulturellen Wandel an Wiener Schulen sowie die Frage nach der Integrationsfähigkeit des Islams in westlich-pluralistischen Gesellschaften.

An den öffentlichen Wiener Pflichtschulen stellen muslimische Schülerinnen und Schüler mit durchschnittlich 42 Prozent (in Mittelschulen 46 Prozent) mittlerweile die größte religiöse Gruppe dar, während der Anteil christlicher Kinder bei 36 Prozent liegt und rund ein Viertel keinem Bekenntnis angehört.

Winkler verweist auf eine aktuelle Studie des Soziologen Kenan Güngör. Durch die verstärkte Zuwanderung aus arabischsprachigen Ländern wie Syrien, Afghanistan und dem Irak seit 2015/16 habe sich der bis dahin von Türken und Bosniaken geprägte Islam in Österreich verändert. Güngör attestiert vielen jungen Muslimen ein „koranfixierteres, rigoroseres, salafistisches“ Verständnis. Demnach gaben 65 Prozent der Befragten an, islamische Vorschriften müssten für alle Alltagsbereiche gelten.

Der Autor teilt Befürchtungen von Experten wie Ahmad Mansour, dass ein radikalerer Islam zu einer lokalen Unterwanderung und zur Entstehung von Parallelwelten führen könnte, in denen die Gesetze des Rechtsstaates an Geltung verlieren – ähnlich den Entwicklungen in Teilen Frankreichs, Großbritanniens oder Deutschlands. Zudem wird auf das Problem von im Ausland arrangierten Ehen in migrantischen Gemeinschaften verwiesen.

Winkler kritisiert die Hilf- und Ratlosigkeit der christlichen Kirchen, die sich hinter der Formel des interreligiösen Dialogs verschanzten, anstatt alltägliche Konflikte an Schulen offen anzusprechen. Er positioniert sich gegen die Forderung, den konfessionellen Religionsunterricht aus den Schulen zu verdrängen. Stattdessen plädiert er dafür, diesen unter staatlicher Kontrolle beizubehalten, um religiöse Identität im geschützten Rahmen kritisch zu hinterfragen.

Der Text schließt mit der Feststellung, dass das Grundproblem der Vereinbarkeit des Islams (der historisch keine Trennung von Staat und Religion kennt) mit dem modernen Rechtsstaat ungelöst bleibe und sich ein reformierter „Euro-Islam“ derzeit nicht abzeichne.

Bewertung: Warum solche Statistiken Ängste schüren und unnötig sind

Betrachtet man den Artikel und die darin zitierten Studien kritisch, wird deutlich, dass die fortlaufende Erhebung und öffentliche Inszenierung solcher religiöser Schülerstatistiken keinem konstruktiven Zweck dienen. Im Gegenteil: Sie führen primär dazu, dass gesellschaftliche Ängste geschürt und Gräben vertieft werden.

In einer modernen, säkularen Gesellschaft, die auf dem Fundament echter Religionsfreiheit ruht, sollte der Glaube eines Menschen eine reine Privatsache sein. Wo die Freiheit des Gewissens vollumfänglich respektiert wird, darf der Staat überhaupt keine Notwendigkeit darin sehen, statistische Daten über das religiöse Bekenntnis seiner Bürger – und erst recht nicht von Schulkindern – zu erheben, zu kategorisieren und miteinander zu vergleichen.

Die Reduzierung von Kindern auf ihre (oder die von den Eltern übernommene) Religionszugehörigkeit fördert ein gefährliches „Wir gegen Die“-Denken. Statt die individuellen Bedürfnisse, Talente oder sozialen Herausforderungen von Schülern in den Vordergrund zu stellen, werden sie durch solche Zahlenkolonnen vorab politisiert und als demografische „Bedrohung“ oder „Herausforderung“ markiert. Eine liberale Demokratie sollte sich über gemeinsame Werte wie Grundrechte, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit definieren, anstatt die Gesellschaft entlang religiöser Demarkationslinien zu vermessen. Daten dieser Art sind für ein friedliches Zusammenleben nicht nur unbrauchbar, sondern erweisen sich im integrationspolitischen Diskurs allzu oft als Brandbeschleuniger für gegenseitiges Misstrauen.

Michael Langhans

Michael Langhans

Executive Director FOREF Deutschland, Volljurist, Familienrechtsexperte und Menschenrechtsaktivist.

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