MSN hat ein Interview mit Susanne Schaaf, der Leiterin der Schweizer Sektenberatungsstelle InfoSekta, über ICF veröffentlicht:
Was ist die ICF?
Was ist die ICF? Die ICF (International Christian Fellowship) ist eine moderne, stark wachsende christliche Freikirche (neocharismatische Bewegung), die 1996 in Zürich gegründet wurde. Sie richtet sich mit poppigen, emotionalen Gottesdiensten, moderner Musik und einer Event-Atmosphäre gezielt an junge Menschen. Abseits der Großveranstaltungen organisieren sich die Mitglieder in engen Kleingruppen, sogenannten „Small Groups“.
Welche Vorwürfe gegen ICF werden erhoben?
Im Interview äußert die Expertin Susanne Schaaf deutliche Kritik an den internen Dynamiken der ICF.
Es werde eine strikte Trennung zwischen „Gut“ (gläubig, in der Gemeinde) und „Böse“ (die ungläubige Welt außerhalb) vermittelt.
Es liege psychischer Druck und Tabuisierung von Zweifeln vor. Kritisches Hinterfragen oder Zweifel am Glauben und der Gemeindeleitung haben kaum Platz. Wer zweifelt, bei dem wird die Schuld oft beim eigenen mangelnden Glauben gesucht, was zu psychischem Druck führen kann.
Mitglieder werden stark dazu ermutigt, den „Zehnten“ – also zehn Prozent ihres Einkommens – an die Gemeinde zu spenden.
Durch die extrem engen sozialen Bindungen in den Kleingruppen wird Kritik oder ein Verlassen der Gemeinde emotional sehr schwierig gemacht.
Sind die Vorwürfe belegt?
Die Einordnung der ICF ist differenziert zu betrachten:
Keine „Sekte“ im klassischen Sinne: Die Expertin vermeidet bewusst den plakativen Begriff „Sekte“, da dieser oft zu kurz greift. Die ICF gilt theologisch und rechtlich als evangelikale Freikirche.
Strukturelle Missstände sind dokumentiert: Die Vorwürfe basieren auf den langjährigen Beobachtungen und Beratungsfällen von Fachstellen wie InfoSekta sowie den Berichten von Aussteigern. Die „problematischen Strukturen und Dynamiken“ – insbesondere der psychologische Druck und das dogmatische Weltbild – gelten aus Sicht von InfoSecta durch diese Praxisberichte als real existierend und belegt. Eine tatsächliche "Feldforschung" mit Befragung von neutralen Nachbaren und Amtspersonen sowie Mitgliedern scheint nicht stattzufinden. Das von Barker vorgeschlagene Vorgehen -
- Teilnehmende Beobachtung: Sie lebte zeitweise in den Gemeinschaften.
- Tiefeninterviews: Sowohl mit aktiven Mitgliedern als auch mit Aussteigern.
- Kontrollgruppen: Sie verglich die Mitglieder mit Menschen ähnlichen Alters und Hintergrunds, die keine „Moonies“ waren -
verfeinert um neutrale Dritte nach Palmer, fand nicht statt, was ein klassisches "Sektenberatungsproblem" ist. Dabei wird verkannt, dass statistisch kaum jemand in der Lage ist, Wahrheit von der Lüge zu unterscheiden:
"So ergab eine Meta-Studie aus dem Jahr 2008, dass professionelle Aussagebeurteiler wie Polizeibeamte, Staatsanwälte und Richter Trefferquoten zwischen lediglich 45 und 60 Prozent im Erkennen von Lügen anhand eigener Erfahrung erzielen können. (...) Das entspricht etwa der Zahl, die Bond und DePaulo für nicht-professionelle Aussagebeurteiler ermitteln konnten. Der für Vrij nennenswerte Unterschied zwischen Fachleuten und Laien: Erstere neigen dazu, sich maßlos zu überschätzen."
zitiert nach Makepeace, Der Polygraf als Entlastungsbeweis 2023, S. 177
Zusammenfassend:
Während die ICF nach außen hin modern, tolerant und hip auftritt, verbergen sich dahinter laut sogenannten Experten tief konservative Rollenbilder, ein dogmatisches Glaubensverständnis und ein System, das Konformität einfordert und Individualität einschränkt.
Eine wissenschaftlich nachprüfbare Situation hingegen gibt es nicht.
Es handelt sich also um einen von vielen belanglosen Artikeln zum Sektennarrativ.
Übliche Aspekte wie "Kirchensteuer" werden negativ dargestellt, obwohl in den großen Religionen üblich. Konkrete, einzelfallbezogene Beispiele, die nachprüfbar sind, werden nicht genannt.