Den Eindruck kann man gewinnen, wenn man den Artikel zu Jugend-, Familien-, Europa-, Integrations- und Kultusministerin Bauer auf Kathpress.at liest. Wörtlich wird sie dort neben ihrer Meinung zu christlicher Politik und der Behauptung, sie könne wenig damit anfangen, wenn man durch mediale Zuschreibungen in eine Kategorie gesteckt wird - sei es links, rechts oder nach Religion, zitiert wie folgt:
"Dazu gehört der Dialog, den wir proaktiv mit den anerkannten Kirchen- und Religionsgemeinschaften in Österreich führen".
Das österreichische Recht unterscheidet zwischen
- anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften,
- eingetragenen religiösen Bekenntnisgemeinschaften
- und bloßen Vereinen.
Nur erstere (wie die Katholische Kirche, die Islamische Glaubensgemeinschaft oder die Evangelische Kirche) genießen bestimmte Sonderrechte wie das Recht, eigenen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen abzuhalten.
Dass man allerdings den Dialog nur mit den "anerkannten Kirchen- und Religionsgemeinschaften führen will, ist eine Einschränkung der Religionsfreiheit.
Die folgenden Religionen sind aktuell anerkannt in Österreich:
- levitische Glaubensgemeinschaft in Österreich ( ALEVI)
- Altkatholische Kirche Österreichs
- Armenisch-apostolische Kirche in Österreich
- Evangelische Kirche A.B. und H.B.
- Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich ( EmK)
- Freikirchen in Österreich mit verschiedenen Kirchengemeinden
- Griechisch-orientalische (= orthodoxe) Kirche in Österreich
- Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich
- Israelitische Religionsgesellschaft
- Jehovas Zeugen in Österreich
- Katholische Kirche
- Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) in Österreich
- Koptisch-orthodoxe Kirche in Österreich
- Neuapostolische Kirche in Österreich
- Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft
- Syrisch-orthodoxe Kirche in Österreich
Eingetragen sind die folgenden Religionsgemeinschaften:
- Alt-Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich (AAGÖ)
- Assyrische Kirche des Ostens in Österreich
- Bahá'í ─ Religionsgemeinschaft Österreich (Bahai)
- Die Christengemeinschaft – Bewegung für religiöse Erneuerung in Österreich (Christengemeinschaft)
- Frei-Aleviten Österreich (FAGÖ)
- Hinduistische Religionsgesellschaft in Österreich (HRÖ)
- Islamische-Schiitische Glaubensgemeinschaft in Österreich (Schia)
- Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Österreich (Kirche der STA)
- Pfingstkirche Gemeinde Gottes in Österreich (Pfk Gem. Gottes iÖ)
- Sikh Glaubensgemeinschaft in Österreich (ÖSG)
- Vereinigungskirche in Österreich (VKÖ)
- Vereinigte Pfingstkirche Österreichs (VPKÖ)
Würde die Ministerin diese Aussage ernst nehmen, hiese das, mit den unteren 12 und den vielen nicht genannten Religions- und Weltanschauungsformen nicht zu reden. Das wäre für mich eine äußerst bedenkliche Einstellung für eine Bundesministerin.
Und dass sie es ernst meint, liest man im folgenden weiteren Zitat:
"Politik und Kirchen sollten angesichts zahlreicher Konflikte in der Welt "als Verbündete auftreten, indem sie die Sorgen der Menschen ernst nehmen, die Hand ausstrecken und vorleben, wie ein gutes Miteinander in der Gesellschaft funktionieren kann. Da trifft uns alle eine gewisse Vorbildfunktion."
Hier spricht sie nicht einmal mehr von Religionen, sondern nur noch von den Kirchen. Hat eine solche Ministerin Ihren Job noch verdient?