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Chinas Kampf gegen den 14. Dalai Lama - Gedanken zum 91. Geburtstag von Tenzin Gyatso

Zum 91. Geburtstag des Dalai Lama fordern wir Schutz für Tibets Religionsfreiheit. Warum Chinas Pläne zur Nachfolge illegal sind. Jetzt lesen!

Chinas Kampf gegen den 14. Dalai Lama - Gedanken zum 91. Geburtstag von Tenzin Gyatso
KI Symbolbild des Dalai Lama mit einem möglichen Nachfolger unter Einfluss Chinas

Warum die Religionsfreiheit in Tibet nach wie vor akut bedroht ist

Der 6. Juli markiert ein bedeutendes Datum für Millionen von Menschen weltweit: den 91. Geburtstag des 14. Dalai Lama. Doch das feierliche Jubiläum des geistlichen Oberhaupts wird von einem harten politischen Machtkampf überschattet. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt eindringlich davor, dass die Kommunistische Partei Chinas (im Artikel KP) plant, die Kontrolle über die Reinkarnation und Nachfolge des Dalai Lama an sich zu reißen, was an sich keine neue Nachricht ist, mit fortschreitendem Alter des Dalai Lama aber an Bedeutung gewinnt. Daher schließen wir uns dieser Einschätzung an. Die Religionsfreiheit in Tibet steht vor einer existenziellen Zerreißprobe.

Peking untergräbt die spirituellen Traditionen, weshalb wir auch das Schweigen der Bundesregierung kritisieren. Auch das von uns bereits erwähnte neue Gesetz zur „ethnischen Einheit“ hat auf Tibet und die Tibeter Auswirkung.

Die strategische Manipulation der Dalai Lama Nachfolge

Im tibetischen Buddhismus ist die Nachfolge der höchsten geistlichen Führer (Lamas) ein rein spiritueller Prozess. Nach dem Tod eines Lamas wird dessen bewusste Wiedergeburt in einem Kind gesucht und anerkannt. So wurde auch der heutige 14. Dalai Lama bereits im Alter von zwei Jahren als Reinkarnation identifiziert.

Genau diesen jahrhundertealten, heiligen Vorgang versucht die chinesische Zentralregierung seit Jahren zu politisieren und per Staatsdekret zu kontrollieren.

Staatliche Genehmigungspflicht für Wiedergeburten

Bereits seit dem Jahr 2007 unterwirft die Volksrepublik China die Anerkennung sämtlicher Reinkarnationen per Verwaltungsdekret einer staatlichen Genehmigungspflicht. Mehr noch: Wiedergeburten von Lamas außerhalb des chinesischen Staatsgebiets wurden schlicht für unzulässig erklärt.

Die Absicht hinter dieser repressiven Politik liegt auf der Hand:

Kontrolle über die Religion

Wer bestimmt, wer der nächste Dalai Lama wird, kontrolliert die spirituelle Institution als Ganzes.

Erzwungene Anpassung

Der tibetische Buddhismus soll gezielt dem ideologischen Einheitsverständnis Pekings unterworfen werden.

Das Schicksal des Panchen Lama als düsteres Vorzeichen

Dass die KP in China vor radikalen Maßnahmen nicht zurückschreckt, zeigt der Blick in die Vergangenheit. Als der Dalai Lama im Jahr 1995 den damals sechsjährigen Gedhun Choekyi Nyima als Panchen Lama (die zweithöchste Instanz im tibetischen Buddhismus) anerkannte, ließ Peking den Jungen umgehend entführen. Stattdessen setzte die chinesische Regierung einen eigenen, linientreuen Kandidaten ein.

Der echte Panchen Lama ist seit mittlerweile über drei Jahrzehnten spurlos verschwunden. Menschenrechtler befürchten, dass die chinesische Führung bei der Nachfolge des Dalai Lama exakt dasselbe Szenario plant.

Kritik an der Bundesregierung: Wirtschaft vor Menschenrechten?

Angesichts dieser massiven Übergriffe auf die Religionsfreiheit in Tibet wächst der Druck auf die internationale Gemeinschaft. Besonders die deutsche Bundesregierung steht in der Kritik.

Wir bemängeln das anhaltende Schweigen der deutschen Politik zur Nachfolgefrage, die immer drängender wird. Weder bei den jüngsten China-Reisen von Bundeskanzler Friedrich Merz noch bei den Besuchen von Wirtschaftsministerin Katharina Reiche wurden die gravierenden Menschenrechtsverletzungen in Tibet und die Eingriffe in die Religionsfreiheit im nötigen Maße öffentlich thematisiert.

„Wer den Austausch mit Peking auf Handel und Marktzugänge verengt und fundamentale Rechte wie die Religionsfreiheit der Tibeter ausblendet, überlässt der Kommunistischen Partei das Feld und akzeptiert ihre Spielregeln“, warnt Mirjam Kobold, GfbV-Referentin für Asien.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die Forderungen an die deutsche Außenpolitik sind daher klar formulierbar: Es bedarf einer unmissverständlichen diplomatischen Ansage, dass ein von der Kommunistischen Partei Chinas installierter Marionetten-Dalai-Lama international niemals anerkannt wird.

UN-Experten warnen vor Verlust der Authentizität

Nicht nur Nichtregierungsorganisationen schlagen Alarm. Auch auf höchster internationaler Ebene wird das Vorgehen Pekings scharf verurteilt. Fünf UN-Sonderberichterstatter kritisierten die chinesischen Pläne und das zugrundeliegende Regelwerk offiziell als klaren Verstoß gegen die universelle Religionsfreiheit.

Die UN-Experten stellten unmissverständlich klar: Ein Nachfolger, der gegen die traditionellen tibetischen Bräuche und ohne den Willen der religiösen Gemeinschaft eingesetzt wird, besitzt keinerlei kulturelle, religiöse oder gemeinschaftliche Authentizität.

„Sinisierung“ und kultureller Völkermord in Tibet

Die versuchte Kontrolle über die Reinkarnation des Dalai Lama ist kein isolierter Vorfall, sondern Teil einer groß angelegten Strategie zur Auslöschung der tibetischen Identität. Am 1. Juli trat in China ein neues Gesetz zur „ethnischen Einheit“ in Kraft. Dieses verpflichtet alle Religionsgemeinschaften im Land zur sogenannten „Sinisierung“ – also der Anpassung an die Kultur der Han-Chinesen und die Ideologie der KP.

Für die Menschen in Tibet bedeutet dies:

Viele Tibeterinnen und Tibeter im Exil sprechen angesichts dieser Entwicklungen längst von einem schleichenden, systematischen kulturellen Völkermord.

Fazit: Die Religionsfreiheit der Tibeter braucht eine Stimme

Der 91. Geburtstag des Dalai Lama sollte ein Moment des Respekts und der Würdigung sein. Stattdessen zeigt er auf schmerzhafte Weise, wie gefährdet die Religionsfreiheit in Tibet aktuell ist. Wenn die Weltgemeinschaft und die Bundesregierung weiterhin wirtschaftliche Interessen vor universelle Menschenrechte stellen, droht eine der ältesten und friedlichsten spirituellen Kulturen der Welt endgültig unterzugehen.

Was denken Sie? Sollte sich die Bundesregierung deutlicher gegenüber China positionieren und die Anerkennung eines staatlich eingesetzten Dalai Lama im Vorfeld ausschließen? Diskutieren Sie mit uns in den Kommentaren oder teilen Sie diesen Artikel, um auf die Lage in Tibet aufmerksam zu machen!

Quellen

Dalai Lama Foundation

Tibetisches Zentrum

Michael Langhans

Michael Langhans

Executive Director FOREF Deutschland, Volljurist, Familienrechtsexperte und Menschenrechtsaktivist.

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