"Diskriminierung von Scientology in Deutschland
Mein Name ist Michaela Gross, und ich habe das Amt der Präsidentin der Scientology Kirche Frankfurt inne. Ich freue mich sehr, als Vertreterin der Scientology Kirchen von Deutschland hier vor diesem Forum sprechen zu können, und bedanke mich sehr herzlich für die Einladung von FOREF und HWPL zu dieser sehr wichtigen Veranstaltung.
Ich selbst lernte Scientology vor ca 30 Jahren kennen durch Einladung zu einem Vortrag. Ich nahm danach an einigen Kursen in der religiösen Lehre teil und stellte für mich fest, dass dieses Wissen in meinem Leben einen Platz einnahm und ich dadurch das Leben besser verstehen und ändern konnte. Durch Scientology konnte ich mein spirituelles Selbst finden und ich bin zu einem besseren Menschen geworden.
Was ist nun Scientology? Der Begriff Scientology wurde vom Gründer der Religion, L. Ron Hubbard, geschaffen; er setzt sich zusammen aus dem lateinischen Wort „scio“, was „Wissen“ in der vollsten Bedeutung des Wortes meint, und dem griechischen Wort „logos“ „die Lehre von“. Er bedeutet, „Wissen, wie man weiß“ oder „Lehre vom Wissen“. Scientology ist weiter definiert als „das Studium und der Umgang mit der Seele in Beziehung zu sich selbst, Universen und anderem Leben.“ Sie versteht sich deshalb als eine „gnostische Religion“.
Scientology ist eine Religion, die einen exakten Weg bietet – und dieser führt zu einem vollständigen und sicheren Verstehen über die Beziehung zu sich selbst, zur Familie, zu Gruppen, zur Menschheit, zu allen Lebensformen, zum materiellen Universum, zum geistigen Universum und dem höchsten Wesen.
Scientology spricht das geistige Wesen an. Scientology umfasst Wissen, das von bestimmten grundlegenden Wahrheiten ausgeht und vorrangig sind die folgenden:
Der Mensch ist ein unsterbliches geistiges Wesen.
Seine Erfahrung geht weit über ein einziges Leben hinaus.
Seine Fähigkeiten sind unbegrenzt, auch wenn er sie gegenwärtig nicht verwirklicht.
Des Weiteren glaubt Scientology, dass der Mensch im Grunde gut ist und dass seine Erlösung von ihm selbst und seinen Mitmenschen abhängt und davon, dass er ein brüderliches Verhältnis mit dem Universum erreicht.
Nun möchte ich gerne zum Tag des Gedenkens an die Opfer von Gewalthandlungen aufgrund der Religion oder Weltanschauung kommen, und dem Motto – „ungehörte Stimmen“. Denn tatsächlich ist dies heute Abend eine der ganz wenigen Veranstaltungen, an der wir als Vertreter der Scientology Religion in Deutschland tatsächlich eine neutrale Basis vorfinden, wo wir unsere Seite, wie mit Scientology in Deutschland umgegangen wird, darstellen können.
Zuallererst ist der wichtigste Punkt, den man nie vergessen darf, wenn ich Ihnen über die Diskriminierung von Scientologen in Deutschland berichte, dass dies in der Öffentlichkeit kaum Beachtung findet. Es handelt sich um wirkliche, lebendige Menschen, die sich alleine wegen ihrer Wahl der Religion diskriminieren lassen müssen.
Wir kennen den Grund der Angriffe, die schon in den 70ern begannen, kaum dass Scientology in Deutschland Fuß gefasst hatte. Denn von Beginn an, wurde von Scientologen über menschenrechtsverletzende Praktiken des psychiatrischen Systems samt seiner faschistischen Vergangenheit (von der psychiatrischen „Rassenlehre“ und ihren Folgen von der Euthanasie bis zu den KZs) in Deutschland berichtet und Missstände aufgedeckt. Von dort an begannen die Angriffe gegen die Scientology Organisationen und ihre Mitglieder und es wurde ein bösartiges Klima geschaffen, welches es gefährlich machte, sich als Scientologe erkennen zu geben. Dies steigerte sich zu einer regelrechten Hetzkampagne, die am Ende noch in der Beobachtung durch den Verfassungsschutz gipfelte.
Die Hauptwege der Diskriminierung waren seit 1995 die sogenannten Sektenfilter, die Verbreitung von Gerüchten, Halbwahrheiten und Unwahrheiten über die Medien, und die sogenannten Sektenbeauftragten.

Hier nun für Sie ein paar persönliche Erfahrungen und Beispiele:
Als ich 29 war und es bekannt wurde in meiner Familie, dass ich Scientologin bin, wurde ich über Nacht zum Feind, dem schwarzen Schaf der Familie, und zwar tatsächlich über Nacht. Mir wurde verboten, bei meiner Oma im Haus zu übernachten, wenn ich sie besuchte. Man vertraute mir von heute auf morgen überhaupt nicht mehr – NUR wenn ich Scientology wieder verlasse, würde sich das wieder ändern. Ich erkannte meine eigene Familie nicht mehr.
Es hat Jahre gedauert, dies wieder in Ordnung zu bringen.
Bei einem Mitglied und guten Bekannten von mir, wurden Schmierereien an seine Hauswand geschrieben wie „Scientology-Schwein“, „Sekte“.
In den Schulen wurde viele Jahre beinahe ausschließlich negativ über Scientology unterrichtet – teilweise bis heute. Und die Kinder von Scientologen (auch wenn sie selbst noch keine Scientologen sind), haben große Probleme damit – denn wenn sie sagen, dass sie zu einer Scientology-Familie gehören, haben sie immer noch Angst davor, diskriminiert zu werden. Wenn Eltern mit dem Problem damit zu den Lehrern oder Schuldirektoren gehen, wird es heute von einigen sachlicher behandelt, aber immer noch werden teilweise keine Fakten oder Dokumente, die die Wahrheit aufzeigen, akzeptiert und verwendet. Was denken Sie, was das mit Kindern macht, deren Eltern oder Verwandte Scientologen sind? Dies verunsichert ein Kind, macht ihm Angst, das Kind zieht sich zurück… und vieles mehr.
Ein Ehepaar hatte bis vor kurzem mit seiner Firma den lokalen Fußballverein unterstützt mit einem Fußballcup und Spenden von Shirts. Sie waren dafür sehr bekannt und jahrelang sehr geschätzt. Dann wurde bekannt, dass sie Scientologen sind; es gab einen riesengroßen Aufruhr in dem Verein und in der Kleinstadt und der Verein wurde unter Druck gesetzt, dass dieser von anderen keine Unterstützung mehr bekommt, wenn man sich nicht von den „bösen Scientologen“ trennt. Der Verein wusste sich nicht weiter zu helfen, als dem Druck am Ende nachzugeben – obwohl der Vereinsvorstand selbst über die Bösartigkeit entsetzt war.
Es gibt Mitglieder, die haben ihre Jobs verloren, weil bekannt wurde, dass sie Scientologen sind. Ein Mitglied hatte auf einem Formular angegeben, dass es Scientologe ist; es wurde aus der Firma DIREKT von Mitarbeitern hinausgebracht und das war das Ende seiner Tätigkeit für die Firma. In ähnlicher Form verlor es ein zweites Mal seine Arbeit.
Davon gibt es unzählige Erlebnisse, um nur zwei bis drei Beispiele genannt zu haben.
Dann haben wir sogenannte SEKTENFILTER – „Schutzerklärungen“ genannt - die in Firmen, Behörden und Schulen bis heute benutzt werden, um Scientologen auszugrenzen und auszuschließen, d.h. sie müssen erklären , dass sie kein Scientologe sind und auch nicht die Lehren von L. Ron Hubbard studieren und Scientology sogar ablehnen. Das bedeutet, sie bekommen als Scientologe Arbeitsstellen nicht, keine Plätze für ihre Kinder in einigen Schulen, sie bekommen als Selbständiger keine Aufträge von staatlicher oder behördlicher Seite und ähnliches – sie werden völlig ausgegrenzt.
Ein weiteres Beispiel von Diskriminierungen betrifft Scientologen, die eigene Firmen haben und auch Mitarbeiter ausbilden. Auch dort – es wurde über den Verfassungsschutz bekannt, dass die Inhaber einer Firma Scientologen sind - wurde ihnen sofort untersagt, Lehrlinge auszubilden. Die Eltern und Azubis wurden negativ unterrichtet. Obwohl die Auszubildenden nichts Negatives berichten konnten und ihre Ausbildung gerne in der Firma weiter gemacht hätten – wurde es ihnen und den Scientologen-Inhabern untersagt. Sie haben bis heute keine Berechtigung mehr Lehrlinge auszubilden und haben nie ihr Recht bekommen.
Ein weiteres Beispiel ist der sogenannte E-Bike Fall aus München. … eine Scientologin beantragte eine Förderung für ein E-Bike, das zur Förderung des Umweltschutzes von der Stadt herausgegeben wurde. Dafür sollte sie einen Sektenfilter ausfüllen. Sie weigerte sich und obwohl sie dafür qualifizierte, wurde die Förderung allein aufgrund ihrer Scientology-Zugehörigkeit abgelehnt. Sie musste vor Gericht gehen und es durchfechten – um am Ende nach 4 Jahren ihr Recht zu bekommen, weil die Praxis nicht nur gegen den Schutz der Religionsfreiheit gemäß Art. 4 GG sondern auch gegen das Gleichbehandlungsgebot von Art. 3 Abs. 1 GG und das Diskriminierungsverbot von Art. 3 Abs. 3 GG verstößt.
Und obwohl Gerichtsverfahren durchgefochten wurden und werden, welche die illegale Praxis dieses Sektenfilters eindeutig belegen – findet dieser nach wie vor Anwendung.
Nicht zu vergessen, die Medien. Die Presse ist dafür ausgelegt, schlechte Nachrichten und Kontroversen zu verbreiten. Seit 28 Jahren bin ich z.B. für die Pressearbeit zuständig. Der Ablauf ist in der Regel folgendermaßen – irgendwelche Gerüchte und Unwahrheiten werden einfach abgedruckt – wir selbst erfahren dann nur aus der Presse davon; wir werden nicht im Voraus nach einer Stellungnahme gefragt. Wenn dann ein Journalist von sich sagen möchte, er hat sich eine Stellungnahme eingeholt, besteht der journalistische Beitrag zu 95 oder 99% aus Gerüchten und Unwahrheiten und evtl. aus einem einzigen Satz vom Pressesprecher von Scientology.
Unsere eigenen Pressemitteilungen werden überhaupt nicht verwendet und landen vermutlich im Schredder oder gleich im Spam.
Bezüglich Talkshows weiß ich von Religionswissenschaftlern, die zu solchen Talkshows eingeladen wurden, dass sie wieder ausgeladen wurden, wenn sie sich nicht mit negativen Ansichten äußern wollten, da dies nicht zu dem passte, was vorgegeben war – nämlich zu hetzen – und manch einer wurde BEZAHLT, um Negatives zu berichten.
Auf diese Art wird NUR ein einseitiges, negatives Bild in der Öffentlichkeit geschaffen.
Die Sektenexperten möchte ich nicht außen vor lassen. Wenn Sie mit einem sogenannten Sekten-Experten sprechen, wird er ihnen klar sagen, dass er andere Gruppierungen aus seinem christlichen Kontext betrachtet. Da für ihn tatsächlich nur das Christentum die wahre Religion ist – und er diese Sicht vertritt – wie will er andere Gruppierungen bewerten können? Und wie steht es ihm überhaupt zu, zu beurteilen und zu entscheiden, was eine Religion ist, und was nicht? Und wie kann er ein Experte für eine andere Religion sein? Weder lebt er diese, noch hat er ihre Originalschriften studiert und sie sich aus einem neutralen Gesichtspunkt angeschaut (wie es die Religionswissenschaftler tun); er ist also KEIN EXPERTE.
Aber er wagt sich zu urteilen – und auch hier wohlgemerkt – die „angeblichen Experten“, die ich kennengelernt habe – dienten nur dem Interesse, andere mit Schmutz zu bewerfen. Und selbst wenn wir anboten, falls es einmal ein Problem mit Scientology gäbe – dass sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen können und wir helfen, das Problem zu lösen, denn auch wir sind nicht frei von Fehlern – es wurde mir KEIN EINZIGER FALL ZUR KENNTNIS gebracht.
WIR haben Dokumente zur Hand, die beweisen, dass von Anfang an nichts gegen Scientology vorlag; dass keinerlei Beweise gefunden wurden für kriminelles oder verfassungswidriges gegen die Demokratie gerichtetes Handeln und es nichts zu finden gab, weil ein solches Verhalten nicht existiert.
Diese Ungerechtigkeit muss Gehör finden und den Scientologen und ihren Kirchen muss Gerechtigkeit widerfahren.
Wir möchten gern folgende Punkte einfordern:
Dass der Staat sein Fehlverhalten eingesteht und Maßnahmen ergreift, dass solche Hetzkampagnen nicht mehr vorkommen.
Dass der Staat die Trennung von Kirche und Staat wirklich vollzieht und aufrechterhält, seine Neutralität bewahrt und sich nicht in religiöse Belange einmischt.
Dass der Staat die Aufgabe der Religionen, den Menschen eine Stütze zu geben, den Menschen zu helfen, ein moralisches Leben zu führen und die wirklich ethischen Werte aufrechtzuerhalten und den Menschen einen geistigen Halt zu geben, anerkennt und dies fördert.
Wir fordern von den Medien, ihre eigentliche Aufgabe zu erfüllen, gemäß ihrer eigenen ethischen Standards laut Pressekodex, wonach „Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit ihr oberstes Gebot sind.“
Wir fordern für alle Religionen, Weltanschauungen und Philosophien in Deutschland eine sachliche, wertschätzende Behandlung, und einen WIRKLICHEN TATSÄCHLICHEN EHRLICHEN DIALOG."