"Vielen, vielen Dank.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Sprecherinnen und Sprecher – auch diejenigen, die bereits gesprochen haben. Heute bietet sich uns eine wirklich gute Gelegenheit, den Geist des Friedens und der Wahrheit aufzugreifen. Damit möchte ich Sie heute Abend begrüßen.
Ich vertrete heute die Shincheonji-Kirche und möchte zugleich auf einen besonderen Fall eingehen, der uns derzeit beschäftigt. Zunächst möchte ich Ihnen erläutern, wer wir sind, welches Ziel wir verfolgen und welche Vision uns leitet.
Ich denke, dass wir im Grunde eines Geistes sind: Wir alle glauben an Freiheit, haben ein Recht auf Frieden und ein Recht darauf, Liebe zu empfangen und zu geben. Für diese Werte stehen wir als Kirche. Deshalb möchte ich unsere Kirche kurz vorstellen und zugleich einen proaktiven, handlungsorientierten Beitrag leisten.
Die Shincheonji-Kirche und ihre Vision
Die Shincheonji-Kirche wurde 1984 vom Vorsitzenden Lee gegründet. Wir verstehen uns als christliche Kirche und glauben, dass sie unter der Führung Gottes und Jesu gegründet wurde. Wir bekennen uns zum Christentum. Unsere Heilige Schrift umfasst die 66 Bücher der Bibel; das Wort und das Ziel Gottes haben für uns höchste Priorität.
Eng damit verbunden ist unsere Vision. Sie prägt den Vorsitzenden Lee, unsere Lehre und unsere Verkündigung: Wir wollen eine Zukunft schaffen, die von Freiheit, Frieden und Liebe geprägt ist.
Sie merken schon: Ich halte mich gerade nicht an mein Skript und muss kurz nach hinten schauen, wo wir sind. Diese Vision ist unsere Grundlage und zugleich der Grund, weshalb wir uns hier im FOREF-Forum einbringen möchten. Wir glauben, damit dazu beitragen zu können, dass der in der Bibel beschriebene Wunsch Gottes erfüllt wird. Für uns als Christen ist das sehr wichtig; darin sehen wir unseren Auftrag.
Vorsitzender Lee: Hintergrund
Zunächst möchte ich etwas zum Gründer und Vorsitzenden Lee sagen. Er gilt als umstrittene Persönlichkeit; insbesondere aus dem asiatischen Raum hat sich um ihn ein starkes Sektennarrativ gebildet. Ich möchte seinen Hintergrund erläutern, damit wir seine Person, unseren Ansatz und unsere Zukunftsvision besser verstehen.

Der Vorsitzende Lee wurde 1931 in Südkorea geboren. Seine Kindheit war von Armut, sein späteres Leben vom Krieg geprägt. Diese Erfahrungen und sein Wunsch, dem Krieg etwas entgegenzusetzen – nämlich Frieden –, haben ihn stark geprägt. Wir glauben, dass Gott in jedem Leben wirkt und Menschen durch ihre Erfahrungen formt.
Vorsitzender Lee war in seinen Zwanzigern an der Front und sah viele junge Menschen sterben. Millionen Menschen kamen damals in diesem Krieg ums Leben. Dadurch wuchs sein Anliegen für die Friedensarbeit.
Später gründete er die Kirche, anschließend ein theologisches Lehrinstitut und 2013 die Friedensorganisation HWPL. Kirche und HWPL sind zwei separate Organisationen; das möchte ich ausdrücklich betonen. Entscheidend sind jedoch der Ansatz, das Ziel und der Wunsch, die davon ausgehen.
Frieden und die Arbeit von HWPL
Frieden ist etwas, das jedem Menschen kraft seiner Würde sowie seiner Menschen- und Grundrechte zusteht. Jeder Mensch hat Anspruch auf ein friedliches Umfeld. Dafür setzt sich HWPL – Heavenly Culture, World Peace, Restoration of Light – ein.
Der Vorsitzende erlebte das Leid und den Wiederaufbau seines Landes. Er brachte sich dabei unter großen persönlichen Opfern ein, ohne dafür bezahlt zu werden. Ähnliches kennen wir teilweise auch aus Deutschland: In Zeiten des Wiederaufbaus gab es für diese Arbeit nicht immer eine Vergütung. Er hat mit seinem Leben dem Land und den Menschen gedient – aus einem allgemeinen Friedensverständnis heraus und als Mensch christlichen Glaubens.
HWPL setzt sich dafür ein, dass jedem Menschen Frieden und Menschenrechte zuteilwerden. Die Organisation ist mit den Vereinten Nationen verbunden und verfügt über einen ECOSOC-Beraterstatus. Viele von uns kennen ihre Arbeit: HWPL engagiert sich dafür, dass Menschen ihre Rechte und Frieden erlangen und lokale Initiativen umgesetzt werden können.
Verfolgung und gesellschaftlicher Druck
Nun komme ich zu den kritischen Punkten, die den Vorsitzenden Lee, die Kirche und auch HWPL seit Jahrzehnten belasten. Im Zuge der Verfolgung der Kirche wurde wegen Glaubensunterschieden das Narrativ aufgebaut, sie sei eine Sekte. Was ein Mensch glaubt, ist seine persönliche Angelegenheit. Problematisch wird es, wenn verschiedene Formen der Unterdrückung ausgeübt werden.
Auch in der Shincheonji-Kirche ist es nach unserer Darstellung über die Jahrzehnte zu Tausenden Fällen von Zwangskonvertierungen gegen den Willen der Mitglieder gekommen, besonders bei jüngeren Menschen, die sich weniger gut wehren können. Es gab auch einige Tötungsfälle, bei denen Mitglieder aufgrund ihres Glaubens ihr Leben verloren. Im Ausland erleben Mitglieder zudem den Ausschluss aus der Familie und dem sozialen Umfeld sowie weitere Beeinträchtigungen, etwa die Verweigerung medizinischer Hilfe. Diese Erfahrungen machen die Kirche und die Menschen, die diesen Glauben leben. Niemand sollte so etwas durchstehen müssen.
Der aktuelle Fall in Südkorea
Vor Kurzem waren Herr Langhans und ich in Korea, um uns den aktuell vorherrschenden Fall genauer anzusehen. Dem Vorsitzenden wird vorgeworfen, gegen das Parteiengesetz verstoßen zu haben, indem er Mitglieder gezwungen habe, eine bestimmte Partei zu wählen. Alle Mitglieder können selbst bezeugen, dass dies nicht der Fall sei. Hunderte Mitglieder wurden befragt und bestätigten dies. Trotzdem wurde ihnen nach unserer Wahrnehmung kein Gehör geschenkt.
In Interviews, an denen Herr Langhans und ich teilnehmen durften, wurde mehrfach erklärt, dass die Behörden die Aussagen der Mitglieder der Shincheonji-Kirche nicht berücksichtigt hätten. Die Aussagen seien vielmehr in Richtung des Narrativs umgedeutet worden, das der Staat hören wollte. Das ist etwas sehr Schlimmes, denn jeder Mensch sollte angehört werden. Herr Langhans betont immer wieder, dass man wirklich zuhören muss, wenn jemand spricht. Genau das geschieht hier nach unserer Wahrnehmung nicht.
Gerichtsverfahren und Untersuchungshaft
Gestern wurde der Vorsitzende vor Gericht geführt; es fand der erste Gerichtstermin statt. Dabei wurde noch kein Beschluss getroffen. Nach dem gesamten Beweiserhebungsverfahren sagt auch das bereits einiges aus.
Seit mehr als einem halben Jahr wurden durch eine Sonderermittlungsgruppe Beweise gesammelt. Mehr als 70 Personen führten Untersuchungen, Beschlagnahmungen und weitere Maßnahmen zur Beweissicherung durch. Dennoch wurden keine schwerwiegenden oder belastbaren Beweise gefunden. Trotzdem wurde der Vorsitzende unter sehr schwierigen Bedingungen in Untersuchungshaft genommen – insbesondere angesichts seines hohen Alters von 95 Jahren.
Das ist aus unserer Sicht eine schwere Menschenrechtsverletzung, die niemandem widerfahren sollte. Wir möchten uns dafür einsetzen, dass der Vorsitzende so schnell wie möglich freikommt. Zugleich wollen wir verhindern, dass einem anderen Menschen auf dieser Erde ein vergleichbares Unrecht widerfährt.
Rückblick auf den COVID-19-Fall
Vielleicht kennen Sie noch einen früheren Fall: den COVID-19-Fall vor fünf oder sechs Jahren. Damals wurde insbesondere der Shincheonji-Kirche und dem Vorsitzenden vorgeworfen, für die Verbreitung des Coronavirus verantwortlich zu sein. Ein Jahr später erfolgte ein Freispruch. Dennoch saß der Vorsitzende bereits 104 Tage in Untersuchungshaft – nach unserer Auffassung zu Unrecht und trotz seines damaligen Alters von 88 Jahren.
Aus unserer Sicht ging es dabei nicht um Wahrheitsfindung, sondern um Unterdrückung und die Einschränkung des Glaubens. Ein Expertenteam – darunter auch Herr Langhans, unser heutiger Gastgeber – hat den aktuellen Fall aus religiöser, soziologischer und juristischer Perspektive analysiert und die Ergebnisse auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Das Thema hat in den vergangenen zwei Wochen eine große mediale Präsenz gewonnen.
Wir wünschen uns, dass jeder Mensch eine Stimme erhält. Wir möchten alle unterstützen, damit niemand in eine solche Form der Unterdrückung gerät. Wir wollen uns nicht nur als Opfer sehen, obwohl wir in verschiedenen Bereichen – in Südkorea und in anderen Ländern, in denen die Shincheonji-Kirche vertreten ist – Grund dazu hätten. Stattdessen sollten wir uns zusammenschließen, eine Einheit bilden, für Frieden eintreten, darum kämpfen, angehört zu werden, und in einer Welt der Freiheit, des Friedens und der Liebe leben.
Unsere Forderungen
Zum Schluss möchte ich unsere Forderungen formulieren:
1. Sofortige Freilassung: Wir bitten um die sofortige Freilassung des Vorsitzenden Lee aus der Untersuchungshaft oder zumindest um eine unverzügliche Prüfung einer Freilassung gegen Kaution. Das Verfahren kann fortgesetzt werden, jedoch unter menschenwürdigen Bedingungen und in einem rechtsstaatlich ordnungsgemäßen Verfahren.
2. Internationale Begleitung: Wir bitten die Vereinten Nationen, internationale Menschenrechtsorganisationen, Religionsgemeinschaften und unabhängige Beobachter, den Fall aufmerksam zu begleiten.
3. Sachliche Richtigstellung: Wir fordern, nachweislich falsche Behauptungen über Shincheonji, ihre Angehörigen und die Arbeit von HWPL sachlich richtigzustellen. Aufklärung und Korrektur sind notwendig, um weiteres Leid zu verhindern.
4. Freie Glaubensausübung: Wir fordern echte Freiheit der Religionsausübung.
Mit diesen Forderungen möchten wir zugleich alle Menschen vertreten. Gemeinsam wollen wir Einheit und Freiheit fördern. Wir wünschen allen Betroffenen Segen und Erfolg, damit wir am Ende gemeinsam in einer Welt der Freiheit und der Liebe leben können.
Gott segne euch. Vielen Dank."