"Mutter des Friedens" oder Angeklagte? Ein US-Podcast nimmt die Verurteilung von Hak Ja Han vorweg
Ein Gespräch im Podcast "Newt's World" zeichnet ein durchweg wohlwollendes Bild der Leiterin der Familienförderation für Weltfrieden und Vereinigung, Dr. Hak Ja Han Moon – kurz bevor ein Gericht in Seoul sie tatsächlich verurteilt hat.
In einer aktuellen Folge seines Podcasts Newt's World (iHeart Podcast Network) spricht der frühere US-Repräsentantenhaus-Sprecher Newt Gingrich mit Dr. Damian Dunkley, Präsident der Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung USA – besser bekannt als Vereinigungskirche oder "Moon-Sekte". Dunkley tritt als Fürsprecher von Dr. Hak Ja Han auf, der 83-jährigen Mitbegründerin und heutigen Leiterin der Kirche, die zum Zeitpunkt der Aufnahme in Südkorea in Untersuchungshaft saß.
Eine Lebensgeschichte als Legende
Dunkley erzählt von Han´s Kindheit: Geboren 1943 im heutigen Nordkorea, floh sie im Alter von sechs Jahren mit Mutter und Großmutter zu Fuß über hunderte Kilometer in den Süden. Ein südkoreanischer Grenzsoldat habe die Gruppe verschont, weil das singende Kind ihn habe innehalten lassen – eine Anekdote, die Dunkley als frühen Beleg für Han´s "Beziehung zu Gott" schildert.
Gemeinsam mit ihrem 2012 verstorbenen Ehemann, dem Kirchengründer Sun Myung Moon, habe Han die Vereinigungskirche aufgebaut, 1982 die konservative Tageszeitung Washington Times gegründet und in den 1990er-Jahren Gespräche mit Michail Gorbatschow und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Il-sung geführt. Später gründete sie eigenständig die Women's Federation for World Peace (1992) und die Universal Peace Federation (2005), die heute in rund 170 Ländern aktiv sein soll.
Dunkley zeichnet zudem ein intimes Porträt: eine Frau mit außergewöhnlicher Disziplin, die mit wenigen Stunden Schlaf auskomme und sich – so eine im Podcast wiedergegebene Anekdote eines Mitarbeiters – nachts im Gebet für die Menschheit aufreibe.
Jeder auf dem Planeten, dem die Religionsfreiheit am Herzen liegt, sollte sich um Dr. Han sorgen und darum kümmern, was die südkoreanische Regierung tut, indem sie im Grunde eine antireligiöse Diktatur bildet - Newst Gingerich
Die Vorwürfe der Anklage
Was im Podcast selbst nur knapp und aus der Verteidigerperspektive erwähnt wird: Südkoreanische Sonderermittler warfen Han Bestechung, Verstöße gegen das Politische-Fonds-Gesetz, Veruntreuung von Kirchengeldern und die Anordnung zur Vernichtung von Beweismitteln vor. Konkret soll sie über einen früheren Kirchenfunktionär umgerechnet rund 72.000 Dollar an einen Abgeordneten der damaligen Regierungspartei gezahlt sowie der früheren First Lady Kim Keon-hee Luxusartikel – darunter eine Designer-Handtasche und eine Diamantenkette – zukommen haben lassen, um politischen Einfluss für die Kirche zu sichern. Die Sonderstaatsanwaltschaft forderte 13 Jahre Haft. Das Urteil wurde heute verkündet, unsere Bedenken haben wir dabei auch wiederholt mitgeteilt.
Newt Gingrich: Nun befindet man sich da, wo wir heute sind: Hier ist eine Frau, die 65 Jahre damit verbracht hat, eine Bewegung für den Frieden aufzubauen, und dennoch endet sie als Angeklagte in einem Strafverfahren. Und das Ganze ist – das muss ich als Außenstehender sagen – für mich nicht begreiflich, wie Korea mit einer 83-jährigen religiösen Führungspersönlichkeit mitten in einer südkoreanischen Verfassungskrise enden konnte. Können Sie uns erklären, wie wir an diesen schrecklichen Punkt gelangt sind
Dunkley beschreibt im Interview eine Razzia im Juli auf dem zentralen Kirchengelände in Gapyeong, an der laut seiner Schilderung Dutzende Polizeibusse und rund tausend Ermittler beteiligt gewesen seien – für ihn ein beispielloser und unverhältnismäßiger Eingriff. Er verweist zudem auf Han´s gesundheitlichen Zustand, der unbestritten besorgniserregend ist: nahezu erblindet, eingeschränkte Mobilität, Vorhofflimmern, eine Schulteroperation während der Haft - und bedenkliche Haftbedingungen im "Detention Center".
Newt Gingrich: Ich erinnere mich lebhaft an meinen Besuch dort. Lassen Sie mich nur zwei andere kurze Dinge sagen, da uns die Zeit davonläuft und dies extrem wichtig ist: Es ist wichtig sich daran zu erinnern, dass Charlie Kirks letzte große Anstrengung, bevor er getötet wurde, mit religiöser Verfolgung in Korea zu tun hatte. Und er war sehr direkt besorgt um Dr. Han und um das, was er als eine zunehmend antireligiöse und pro-kommunistische Regierung in Südkorea sah. Und ich denke, es ist auch wichtig für die Menschen zu erkennen, dass dies Teil einer weltweiten Anstrengung ist, die religiöse Freiheit zu zerstören, das Christentum zu zerstören, und dass die Verfolgung von Dr. Han für jeden Amerikaner, jeden Nigerianer oder jeden Westdeutschen – nennen Sie irgendeine Gruppe – von Bedeutung ist. Sie ist ein Symbol des Glaubens, ein Symbol für ein Leben voller Hingabe, und ihre Verfolgung ist symbolisch die Verfolgung der Religionsfreiheit. Jeder auf dem Planeten, dem die Religionsfreiheit am Herzen liegt, sollte sich um Dr. Han sorgen und darum kümmern, was die südkoreanische Regierung tut, indem sie im Grunde eine antireligiöse Diktatur bildet.
Wiederholt fällt im Gespräch der Begriff "religiöse Verfolgung"; Dunkley bringt den Fall in einen größeren Kontext weltweit zunehmenden Drucks auf Christen, unter anderem mit Verweis auf den kurz zuvor getöteten Aktivisten Charlie Kirk sowie auf getötete Geistliche in Nigeria.
Das Urteil, das der Podcast noch nicht kannte
Der Podcast wurde erkennbar vor dem Prozessausgang aufgezeichnet – Gingrich spricht von einem Urteil, das "in wenigen Tagen" erwartet werde. Inzwischen liegt dieses Urteil vor: Das Seoul Central District Court verurteilte Hak Ja Han am 31. August 2026 wegen Bestechung und Verstoßes gegen das Parteien-Gesetz zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt – deutlich weniger als die von der Staatsanwaltschaft geforderten 13 Jahre. Objektive Belege für eine Verantwortung Han`s sind gleichwohl nicht bekannt.
Einordnung
Der Podcast bietet keine Gegenstimme aus der südkoreanischen Justiz, er ist aber eine wichtige westliche (!) Plattform für die Sichtweise der Kirche und ihrer Unterstützer, vorallem aber jedes religiösen Menschen. Newt Gingrich ist kein unbekannter: Jahrelang Sprecher des Repräsentantenhauses hat der Republikaner nicht unerheblich Einfluss.
Daher liegen die Stärke dieses Podcasts nicht in Aussagen über das Verfahren, sondern über das große Ganze, oder wie es Gingrich ausdürckt:
Jeder auf dem Planeten, dem die Religionsfreiheit am Herzen liegt, sollte sich um Dr. Han sorgen und darum kümmern, was die südkoreanische Regierung tut, indem sie im Grunde eine antireligiöse Diktatur bildet.