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Niederschwellige Begegnungen: Die Jülicher Citypastoral bringt den Segen auf den Wochenmarkt

Die Jülicher Citypastoral bringt seelsorgerische Angebote direkt auf den Wochenmarkt. Wie mobile Initiativen niederschwellige Begegnungen und Religionsfreiheit im öffentlichen Raum fördern.

Niederschwellige Begegnungen: Die Jülicher Citypastoral bringt den Segen auf den Wochenmarkt
Symbolbild, KI generiert

In der Diskussion um die Rolle von Religion in modern geprägten Gesellschaften wird oft die Frage gestellt, wie Seelsorge und Glaube heute im öffentlichen Raum sichtbar und zugänglich gestaltet werden können. Ein praxisnahes Beispiel für gelebte Religionsausübung und niederschwellige Beziehungsarbeit zeigt die Jülicher Citypastoral mit ihrer neuen Initiative „Segen für dich“.

Mit mobilen Formaten verlagern das Gemeindeteam und die örtlichen Seelsorger seelsorgerische Angebote aus dem klassischen Kirchenraum direkt dorthin, wo Menschen ihren täglichen Verpflichtungen nachgehen. Der Auftakt findet im Rahmen der Wochenmarktzeit auf dem Jülicher Marktplatz statt.

Glaubenspraxis ohne Zugangshürden

Das Kernkonzept der Aktion „Segen für dich“ beruht auf Niederschwelligkeit und Freiwilligkeit. Gemeindereferentin Esther Fothen sowie die Pastoralreferenten Michael Loogen und Susanne Gerhards setzen dabei auf spontane, unverbindliche Kontaktaufnahmen im öffentlichen Raum.

Vorausgegangen waren positive Erfahrungen mit Formaten wie dem „Aschenkreuz to go“. Dabei zeigte sich, dass Passanten das Angebot keineswegs nur für traditionelle Riten nutzten, sondern häufig das Gespräch und den Austausch suchten.

Das aktuelle Konzept baut auf folgenden Elementen auf:

Sichtbarkeit im öffentlichen Raum: Ein eigens gestalteter Bogen signalisiert auf dem Marktplatz Ansprechbarkeit für Interessierte.

Keine formalen Voraussetzungen: Das Angebot richtet sich an alle Menschen – unabhängig von Vorkenntnissen, Religionszugehörigkeit oder rituellem Hintergrund.

Persönliche Ansprache und Ganzheitlichkeit: Neben einem individuell zugesprochenen Segen erhalten Teilnehmer passend zum Erntedankfest ein Symbol zum Mitnehmen.

Perspektiven für Sichtbarkeit und Religionsfreiheit

Aus der Perspektive des Schutzes und der Förderung der Religions- und Weltanschauungsfreiheit (Freedom of Religion or Belief, FORB) verdeutlicht die Initiative einen wesentlichen Aspekt der freien Religionsausübung: Das Recht, weltanschauliche und religiöse Überzeugungen nicht nur privat, sondern auch öffentlich und in Gemeinschaft mit anderen sichtbar zu leben.

Initiativen wie jene der Citypastoral Jülich zeigen, wie Religionsgemeinschaften durch zeitgemäße, dialogorientierte Ansätze zur Pluralität im öffentlichen Raum beitragen können. Indem religiöse Gesten aus starren institutionellen Rahmenbedingungen gelöst werden, entsteht ein geschützter Raum für spontane Begegnungen im Alltag.

Für die Zukunft plant die Jülicher Seelsorge weitere anlassbezogene Formate im öffentlichen Raum, darunter Segen-Aktionen zu Reisezeiten, Feiertagen oder im Rahmen lokaler Veranstaltungen.

Gleichzeitig bleibt zu hoffen, dass jedermann auch sieht, wer hier seinen Glauben anbietet. Fehlende Transparenz bei Werbung im öffentlichen Raum wird oft kritisiert.

Michael Langhans

Michael Langhans

Executive Director FOREF Deutschland, Volljurist, Familienrechtsexperte und Menschenrechtsaktivist.

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