Zum Inhalt springen

Open Doors kritisiert Christenverfolgung weltweit - und wir kritisieren den Focus auf "Christenverfolgung"

Open Doors kritisiert Christenverfolgung weltweit - und wir kritisieren den Focus auf "Christenverfolgung"
Symbolbild, KI generiert, für Verfolgung

Der Leiter des Hilfswerks „Open Doors“, Markus Rode, warnt vor einem massiven Ausmaß an Gewalt gegen Christen: Weltweit sind über 388 Millionen Menschen wegen ihres christlichen Glaubens intensiver Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. Besonders prekär ist die Lage in Subsahara-Afrika durch islamistischen Terror sowie für Konvertiten, die oft durch das eigene soziale Umfeld bedroht werden.

Rode kritisiert, dass das Thema in Deutschland und Europa kaum wahrgenommen wird, da Religionsfreiheit hier als zu selbstverständlich gelte. Er fordert die Bundesregierung auf, den Schutz der Religionsfreiheit stärker in der Außen- und Entwicklungspolitik zu verankern und diplomatischen sowie wirtschaftlichen Druck auf Verfolgerstaaten auszuüben. Ein Kongress in Karlsruhe (14.–16. Mai) soll zudem Betroffenen eine Bühne bieten.

Kritische Betrachtung: Die Einseitigkeit der Debatte

Während die Zahlen von „Open Doors“ ein erschreckendes Ausmaß an Gewalt gegen Christen dokumentieren, lässt sich die Einseitigkeit der öffentlichen und politischen Debatte in Deutschland kritisch hinterfragen.

1. Die Exklusivität der christlichen Opferrolle

Die Fokussierung auf den „Weltverfolgungsindex“ von Organisationen wie „Open Doors“ führt oft dazu, dass religiöse Verfolgung fast ausschließlich als „Christenverfolgung“ gerahmt wird. Dabei werden andere verfolgte Minderheiten – wie die Uiguren in China, die Rohingya in Myanmar, die Ahmadiyya in Pakistan oder die Jesiden im Irak – in der medialen Berichterstattung häufiger als politische oder ethnische Randnotiz behandelt, statt sie unter dem universellen Banner der Religionsfreiheit zu verteidigen. Eine Hierarchisierung von Opfern nach Religionszugehörigkeit ist jedoch menschenrechtlich problematisch.

2. Verdrängung nichtchristlicher Verfolgung in Deutschland

Auch innerhalb Deutschlands scheint die Sensibilität für die Verfolgung nichtchristlicher Gruppen unterentwickelt zu sein. Während die Diskriminierung von Christen (etwa in Flüchtlingsunterkünften) punktuell thematisiert wird, findet die strukturelle Diskriminierung oder Bedrohung von Muslimen, Juden, Sikhs oder Bahai oft nur dann Beachtung, wenn es zu extremen Gewalttaten kommt. Kleinere Gemeinschaften wie Go&Change oder das Wera-Forum sind dabei nur in der regionalen Presse präsent. Erst unlängst hatte HRWF die Vergabepraxis mit Sektenfilter kritisiert, die vorallem Scientology betrifft.

Aber auch Islamfeindlichkeit und Antisemitismus werden oft als gesellschaftliche Randphänomene abgetan, statt sie als Teil eines globalen Musters religiöser Intoleranz zu begreifen.

Dass religiöse Verfolgung „auch in Deutschland kein Thema zu sein scheint“, wie in Ihrer Anfrage angemerkt, trifft besonders jene, deren Glaube nicht zur Mehrheitskultur gehört. Ihre Ausgrenzung wird oft nicht als Verletzung der Religionsfreiheit, sondern als „Integrationsproblem“ missverstanden oder mit dem Sektenbegriff abgestraft.

3. Politische Instrumentalisierung

Es besteht die Gefahr, dass die Kritik an Christenverfolgung politisch instrumentalisiert wird, um ein Narrativ vom „Kampf der Kulturen“ (insbesondere gegen den Islam) zu füttern, während die Unterdrückung von religiösen Minderheiten in Ländern, die enge Wirtschaftspartner Deutschlands sind (z. B. Indien oder Saudi-Arabien), oder innerhalb von Deutschland oft leiser kritisiert wird.

Fazit: Religionsfreiheit ist ein unteilbares Menschenrecht. Eine Kritik, die sich nur auf eine Glaubensgemeinschaft beschränkt, läuft Gefahr, das universelle Leid anderer zu ignorieren und die Debatte moralisch zu verengen. Eine echte menschenrechtliche Außenpolitik müsste die Freiheit aller Gläubigen und Ungläubigen gleichermaßen schützen.

Termin: Open Doors Tage 14.05.-16.05.26, Karlsruhe
„Open Doors“ veranstaltet vom 14. bis 16. Mai in der dm-Arena in Karlsruhe einen Kongress zum Thema Christenverfolgung, bei dem auch Betroffene aus verschiedenen Ländern berichten werden. Nach Einschätzung des missionarisch ausgerichteten Hilfswerks sind weltweit mehr als 388 Millionen Christen wegen ihres Glaubens intensiver Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. Die Daten
Michael Langhans

Michael Langhans

Executive Director FOREF Deutschland, Volljurist, Familienrechtsexperte und Menschenrechtsaktivist.

Alle Artikel

Weitere in Deutschland

Alle anzeigen

Weitere von Michael Langhans

Alle anzeigen