Frankfurt am Main / Wien – Die Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main K.d.o.R. richtet eine deutliche Forderung an den Hessischen Rundfunk (hr): Der öffentlich-rechtliche Sender soll seinen Umgang mit dem ehemaligen Grundstück der B'nai-B'rith-Loge sowie die eigene Geschichte in Bezug auf jüdisches Eigentum aus der NS- und unmittelbaren Nachkriegszeit umfassend und lückenlos aufarbeiten.
In einer Pressemitteilung vom 25. September 2026 betont der Vorstand der Gemeinde, dass es dabei um eine grundsätzliche Haltung des Senders zu seiner historischen Verantwortung geht.
Schweigen und Verweis auf Fristen nicht akzeptabel
Nach Ansicht der Jüdischen Gemeinde Frankfurt darf Fehlverhalten aus der Vergangenheit nicht schweigend oder durch das Berufen auf juristische Verjährungsfristen übergangen werden.
„Wir erwarten vollständige Transparenz und eine akribische Aufarbeitung des konkreten Falls. Der Hessische Rundfunk muss zeigen, dass er sich mit seiner eigenen Geschichte aufrichtig auseinandersetzt und seiner historischen Verantwortung nachkommt“, erklärt der Vorstand der Gemeinde.
Besonders beim Thema NS-Raubgut und „Arisierung“ trage eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt mit Bildungsauftrag eine besondere ethische Pflicht.
Klare Absage an Verzögerungstaktiken
Die Gemeindeführung stellt klar, dass Aufarbeitung zeitnah geschehen muss. Der Prozess dürfe nicht durch jahrelang angelegte neue Studien verzögert werden:
„Wenn Unrecht geschehen ist und bis heute Fragen offen sind, muss gerade eine Institution wie der Hessische Rundfunk bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und nach einer gerechten Lösung zu suchen. […] Jetzt muss der hr handeln, nur dann behält er seine moralische Glaubwürdigkeit.“
Mögliche Konsequenzen im hr-Rundfunkrat
Die Verfehlungen und der künftige Kurs des Senders in dieser Angelegenheit könnten direkte personelle Konsequenzen im Aufsichtsgremium nach sich ziehen. Das Vorstandsmitglied der Gemeinde, Dr. Rachel Heuberger, vertritt die Jüdische Gemeinde im hr-Rundfunkrat. Vom weiteren Verhalten des Hessischen Rundfunks im konkreten Fall werde abhängen, wie Dr. Heuberger ihre Mitgliedschaft in diesem Gremium künftig wahrnehmen wird.
Hintergrund: Foref Europe Blickwinkel
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die anhaltenden Herausforderungen bei der Restitution von Raubgut und der Einhaltung von Eigentumsrechten sowie Religions- und Gewissensfreiheit im Umgang mit historischem Unrecht in Europa. Institutionalisiertes Schweigen oder bürokratische Verzögerungen beschädigen das Vertrauen in öffentlich-rechtliche Strukturen nachhaltig.
Quelle: Pressemitteilung der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main K.d.o.R. vom 25.09.2026.