Nach gut zwei Jahrzehnten der Planung und einer von Verzögerungen geprägten Bauzeit ist in Berlin-Neukölln einer der größten Hindu-Tempel Europas eingeweiht worden. Die feierliche Zeremonie des „Sri Ganesha Hindu Temple“ am Rande des Volksparks Hasenheide gilt als bedeutendes Signal für das friedliche Zusammenleben und die Sichtbarkeit religiöser Minderheiten in Deutschland.

Der Höhepunkt der feierlichen Einweihung spiegelte die gelungene Synthese aus Herkunft und neuer Heimat wider: Mithilfe eines Krans wurde rituelles Wasser über die Spitze des farbenfrohen, detailreich verzierten Tempelturms (Königsturm) gegossen. Dabei handelte es sich um eine symbolträchtige Mischung aus dem heiligen indischen Fluss Ganges und der Berliner Spree (die bekanntlich weniger heilig ist). Der Einweihung am Sonntag war bereits eine mehrtägige Reihe religiöser Rituale vorausgegangen.
Ein langer Weg zur Vollendung
Die Geschichte des Tempels zeigt, wie viel Ausdauer Religionsgemeinschaften oft aufbringen müssen, um ihre Kultstätten im europäischen Raum zu realisieren. Erste Planungen des Trägervereins starteten bereits im Jahr 2005. Das rund 5.000 Quadratmeter große Areal im Bezirk Neukölln wurde für 85 Jahre gepachtet.
Obwohl der Bau im Jahr 2010 begann, verzögerte sich die Fertigstellung durch zahlreiche Baustopps und finanzielle wie bürokratische Hürden um mehr als 15 Jahre. Die Fassade des imposanten Turms wird von mehr als 200 kunstvollen Skulpturen geziert; im Inneren der Tempelhalle befinden sich neben dem Hauptaltar mehrere Nebenaltäre mit Götterstatuen (Murtis), darunter die zentrale, aus schwarzem Granit in Südindien gefertigte Figur des elefantenköpfigen Gottes Ganesha, dem der Tempel gewidmet ist.
Symbol des Dialogs und der Offenheit
Für die hinduistische Gemeinschaft in Deutschland, die schätzungsweise rund 100.000 Mitglieder zählt, besitzt das neue Heiligtum einen unschätzbaren Wert. Der Hinduismus stellt weltweit mit rund 1,2 Milliarden Anhängern die drittgrößte Weltreligion dar, ist jedoch in der architektonischen Landschaft Deutschlands bisher selten repräsentiert. Der bekannteste Großtempel dieser Art steht im nordrhein-westfälischen Hamm (der Sri-Kamadchi-Ampal-Tempel).
Der Trägerverein betont ausdrücklich, dass das neue Bauwerk kein exklusiver Ort für Gläubige des Hinduismus ist. Zu den regulären Öffnungszeiten steht der Tempel allen Besucherinnen und Besuchern – unabhängig von Herkunft oder Glaubensrichtung – offen und versteht sich als Ort des interreligiösen Dialogs, der Begegnung und des kulturellen Austauschs.
Aus Sicht der Religionsfreiheit ist das gelungene Projekt in der Bundeshauptstadt ein wichtiges Zeichen: Es demonstriert, dass religiöse Minderheiten das Recht und die Möglichkeit haben, ihren Glauben im öffentlichen Raum sichtbar zu leben und zu manifestieren.
Ob allerdings die geladenen Politiker auch zu weniger genehmen Religionsgemeinschaften kommen würden, darf getrost bezweifelt werden.