Ein neuer Bericht des renommierten US-Forschungsinstituts Pew Research Center zeichnet ein düsteres Bild für die globale Religionsfreiheit: Sowohl staatliche Repressionen als auch gesellschaftliche Feindseligkeiten gegenüber religiösen Gruppen haben weltweit ein besorgniserregendes Niveau erreicht. Mittlerweile leben fast vier von fünf Menschen in Ländern, in denen die freie Ausübung des Glaubens massiv behindert oder gewaltsam unterdrückt wird. Für Menschenrechtsorganisationen wie FOREF ist dies ein unüberhörbarer Weckruf.
Der alle zwei Jahre erscheinende, umfassende globale Bericht des Pew Research Center analysiert die Entwicklung der Religionsfreiheit in 198 Ländern und Territorien. Die neuesten Daten zeigen, dass der Trend der zunehmenden Einschränkung von Glaubensrechten ungebrochen anhält. Besonders alarmierend ist dabei das synchrone Ansteigen von zwei zentralen Messgrößen: dem Government Restrictions Index (GRI) für staatliche Repressionen und dem Social Hostilities Index (SHI) für gesellschaftliche Gewaltakte.
Staatliche Repression auf Rekordniveau
Laut den Studienergebnissen verharren die staatlichen Einschränkungen der Religionsfreiheit nahe ihrem historischen Höchststand. In insgesamt 55 von 198 Ländern dokumentierten die Forscher ein „hohes“ oder „sehr hohes“ Ausmaß an staatlicher Einmischung. Vorher lag dieser Wert bei "nur" 45 Staaten.
Zu den repressivsten Regimen gehören unverändert China, der Iran, Afghanistan, Syrien und Usbekistan.
Besonders perfide: Die staatliche Drangsalierung geschieht selten im Verborgenen, sondern ist in den meisten Fällen systemischer Natur.
- Systematische Schikane: In sage und schreibe 185 der untersuchten Länder (93 %) griffen staatliche Akteure zu direkten Schikanen oder Einschüchterungen gegenüber religiösen Gemeinschaften.
- Eingriffe in den Gottesdienst: Ein neuer Höchststand wurde bei der Behinderung der religiösen Praxis registriert. In 175 Ländern (88 %) intervenierten Behörden direkt in Gottesdienste, verboten religiöse Kleidung oder schnitten Gemeinschaften von finanziellen Mitteln ab.
- Willkürliche Inhaftierungen: In 89 Ländern kam es zu Verhaftungen, Entführungen oder physischen Internierungen aufgrund der religiösen Identität. Am stärksten betroffen ist hierbei die MENA-Region (Naher Osten und Nordafrika), in der in 85 % aller Staaten Menschen wegen ihres Glaubens hinter Gittern sitzen.
Gesellschaftlicher Hass bricht sich Bahn
Parallel zur staatlichen Gesetzgebung explodiert die gesellschaftliche Feindseligkeit. Angetrieben von religiös motiviertem Extremismus, politischer Polarisierung und geopolitischen Konflikten stieg die Zahl der Länder mit hoher gesellschaftlicher Feindseligkeit das dritte Jahr in Folge an.
Vandalismus an Gotteshäusern, physische Angriffe auf Gläubige und die Hetze gegen Konvertiten gehören in Ländern wie Nigeria, Indien, Pakistan, Bangladesch und Syrien zum Alltag. Auch im Nahen Osten führte die Eskalation der Gewalt nach den Terrorangriffen vom 7. Oktober zu einem drastischen Ausschlag des Feindseligkeitsindexes, was sich unter anderem in rasant ansteigenden Angriffen auf christliche Geistliche und religiöse Stätten im Heiligen Land äußerte.
FOREF-Kommentar: Wenn der Staat die Religionsfreiheit opfert
Aus Sicht des Forums für Religionsfreiheit Europa (FOREF) verdeutlichen die Daten des Pew Research Centers eine gefährliche Wechselwirkung: Wo der Staat beginnt, religiöse Minderheiten zu stigmatisieren, zu registrieren oder mittels bürokratischer Hürden zu kriminalisieren, sinkt auch in der Zivilgesellschaft die Hemmschwelle für Gewalt. Staatliche Intoleranz legitimiert gesellschaftlichen Hass.
Besonders besorgniserregend ist, dass die überwältigende Mehrheit der Weltbevölkerung (78 %) – bedingt durch die restriktive Politik in bevölkerungsreichen Ländern wie China und Indien – keine echte Religionsfreiheit erfährt. Das Grundrecht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit, wie es in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert ist, verkommt global gesehen immer mehr zum Privileg einer Minderheit.
FOREF fordert die europäische Politik und die internationalen Staatengemeinschaften auf, Wirtschafts- und Außenbeziehungen schärfer an die Einhaltung von Religions- und Weltanschauungsfreiheit zu knüpfen und in Europa mit gutem Beispiel voranzugehen. Die Normalisierung religiöser Verfolgung darf nicht schweigend hingenommen werden.