Während europäische Rechtegruppen auf einer internationalen Pressekonferenz in Seoul Alarm schlagen, bleibt die Reaktion in Deutschland und Europa aus — trotz steuerzahlender Gemeindemitglieder vor Ort und unverständlicher Zweiklassengesellschaft bei christlichen Gemeinschaften.
SEOUL / BERLIN / WIEN / BRÜSSEL — Am 7. August 2026 schlugen führende europäische Menschenrechtsorganisationen auf einer aufsehenerregenden Pressekonferenz im Seoul Foreign Correspondents' Club Alarm: In Südkorea verschlechtert sich die Lage der Religions-, Glaubens- und Meinungsfreiheit drastisch. Trotz schwerer Verstöße gegen internationale Menschenrechtstandards herrscht in den europäischen Medien und der Politik eine erstaunliche und weitgehende Stille. Weder die gravierenden Vorfälle in Asien rund um Shincheonji, die Vereinigungskirche (wir berichteten jeweils mehrfach hierüber) noch die Initiativen europäischer Nichtregierungsorganisationen finden in der hiesigen Berichterstattung angemessenen Widerhall — eine Haltung, die angesichts steuerzahlender Gläubiger in Deutschland auch der oben genannten christlichen Kirchen und einer unbegründeten Ungleichbehandlung dieser auf Unverständnis stößt.
Internationale Menschenrechtsorganisationen schlagen Alarm in Seoul
Auf der Pressekonferenz am 7. August traten renommierte europäische Nichtregierungsorganisationen gemeinsam an die Öffentlichkeit, darunter Human Rights Without Frontiers (HRWF), CAP Liberté de Conscience (mit UN-ECOSOC-Sonderstatus), das Forum für Religionsfreiheit Europa (FOREF) sowie das Zentrum für Studien über neue Religionen (CESNUR / Bitter Winter).
Im Zentrum der Kritik steht das behördliche Vorgehen Südkoreas gegen religiöse Minderheiten und der systemische Missbrauch von Untersuchungshaft und Justizmitteln:
Untersuchungshaft gegen hochbetagte religiöse Führer:
Die Inhaftierung des 95-jährigen Shincheonji-Vorsitzenden Lee Man-hee sowie das Vorgehen gegen die 83-jährige Hak-ja Han Moon (Familienföderation/Vereinigungskirche) verstoßen eklatant gegen das Verhältnismäßigkeitsprinzip, die UN-Mandela-Regeln für die Behandlung von Gefangenen sowie die UN-Zivilpakt-Verpflichtungen (ICCPR).
Systematische Schikane und Diskriminierung:
Die Beobachter dokumentierten fortgesetzte Repressalien gegen die Segero-Kirche in Busan (trotz Freilassung von Pastor Son Hyun-bo), anhaltende gesellschaftliche Anfeindungen gegen das Moscheebau-Projekt in Daegu sowie die strafende Ausgestaltung des 36-monatigen Ersatzdienstes für Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen (insbesondere Zeugen Jehovas).
Stigmatisierung mit globalen Folgen:
Wissenschaftliche Untersuchungen in Europa, Argentinien und Australien belegen, dass die staatlich geschürte Stigmatisierung in Südkorea direkte negative Auswirkungen auf das Leben und die Sicherheitslage von Gemeindemitgliedern im Ausland hat.

„Grundrechte gelten für alle Menschen gleichermaßen. Wenn religiöse Gemeinschaften stigmatisiert, friedliche Versammlungen eingeschränkt und abweichende Meinungen als Gefahr behandelt werden, reichen die Konsequenzen weit über die einzelne Gruppe hinaus.“
— Hans Noot, Associate Director von Human Rights Without Frontiers (HRWF)
Verwunderliche Untätigkeit: Europas Medien und Politik schauen weg
Besonders auffällig und kritisch zu hinterfragen ist das eklatante Schweigen der europäischen – und insbesondere der deutschen – Medienlandschaft sowie der politischen Institutionen´oder den Beauftragten der Bundesregierung. Während Vorfälle in China sonst schnell politische Reaktionen oder ausführliche Berichterstattungen auslösen, wird die internationale Pressekonferenz vom 7. August und die akute Notlage religiöser Minderheiten in Südkorea nahezu vollständig totgeschwiegen.
Diese Passivität steht in starkem Widerspruch zu den Grundsätzen einer wertegeleiteten Außen- und Menschenrechtspolitik, die Europa stets für sich beansprucht. Wenn europäische Rechtsexperten und UN-akkreditierte Organisationen vor Ort in Seoul Rechtsbrüche anprangern, darf dies in Berlin, Brüssel oder Paris nicht einfach ignoriert werden.
Zweierlei Maß & Steuerzahler in Deutschland
Diese Gleichgültigkeit ist aus zwei zentralen Gründen nicht nachvollziehbar:
Steuerzahlende Gemeindemitglieder auch in Deutschland und Europa:
Die in Asien von Repressalien betroffenen Gemeinschaften – wie Shincheonji oder die Familienföderation – sind keine isolierten regionalen Phänomene, sondern weltweite Glaubensgemeinschaften. Zahlreiche Mitglieder dieser Kirchen leben, arbeiten und bezahlen regulär Steuern in Deutschland und Europa. Der deutsche Staat nimmt die Pflichten und Steuerleistungen dieser Bürger vollumfänglich in Anspruch, lässt sie jedoch im Stich, wenn deren Glaubensbrüder und Stammkirchen im Ausland Opfer von Menschenrechtsverletzungen werden.
Unverständlicher Unterschied bei christlichen Gemeinschaften:
Es ist politisch wie publizistisch nicht nachvollziehbar, warum bei christlichen und religiösen Gruppierungen mit zweierlei Maß gemessen wird. Während traditionelle Großkirchen bei kleinsten Vorfällen im Ausland auf diplomatische Schützenhilfe oder mediale Solidarität bauen können, werden christliche Minderheitsgemeinschaften und Sondergemeinschaften rasch mit vorschnellen Etikettierungen („Sekte“, „Kult“) entwertet und ihrem Schicksal überlassen. Michael Langhans (FOREF Deutschland) betonte hierzu, dass rechtsstaatliche Verfahren neutral sein müssen und nicht durch vorverurteilende Narrative ersetzt werden dürfen.
Aufforderung an Politik, Medien und die internationale Gemeinschaft
Die unterzeichnenden Organisationen verlangten am Ende der Pressekonferenz in einem offiziellen Schreiben an die südkoreanische Regierung die sofortige Freilassung von Lee Man-hee aus der Untersuchungshaft und die Einhaltung internationaler Menschenrechtsstandards.
Gleichzeitig richten europäische Beobachter nun einen dringenden Appell an die deutschen und europäischen Medien sowie die Politik:
Ende der Doppelstandards:
Die Verteidigung der Religions- und Meinungsfreiheit darf nicht davon abhängen, wie bekannt oder etabliert eine Kirche ist. Der Schutz der Menschenrechte gilt universell (Art. 18 & 19 ICCPR). Dazu gehört auch, dass Gläubige auch politisch zu beteiligen sind, um Wertungswidersprüche zu vermeiden und Diskriminierung zu verhindern.
Journalistische Sorgfaltspflicht:
Europäische Medien müssen objektiv auch über die Vorgänge in Asien berichten und dürfen die fundierten Warnungen europäischer Menschenrechtler nicht übergehen. Zudem steht ohnehin zu befürchten, dass sich die Entwicklungen in Japan und Südkorea nach Westen hin verschieben.
Verantwortung gegenüber Bürgern:
Die Bundesregierung und das EU-Parlament müssen sich für den Schutz internationaler Glaubensgemeinschaften einsetzen, deren Mitglieder auch in Europa als gesetzstreue Bürger und Steuerzahler einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten. Insbesondere die Friedensarbeit von Vereinigungskirche und Shincheonji kann nicht ignoriert werden.
Zudem sollte man sich dem Ruf der Experten auf eine Entlassung der Religionsstifter aus der U-Haft anschließen.