In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung scheint der Ton rauer zu werden. Ein aktueller Bericht der Frankfurter Neuen Presse vom 22.04.2026 macht auf eine besorgniserregende Entwicklung aufmerksam: Muslime sehen sich vermehrt mit Pauschalurteilen konfrontiert, die an einen modernen „Pranger“ erinnern. Inmitten dieser Debatte um Vorurteile, Ängste und das Feindbild „Islam“ gewinnt ein Berliner Projekt weltweit an Bedeutung: das House of One.
Ein Novum in der Architektur des Glaubens
Während klassische Religionsgebäude – ob Dom, Moschee oder Synagoge – oft als steinerne Manifestationen einer einzelnen Wahrheit fungieren, bricht das House of One am Petriplatz in Berlin mit dieser Exklusivität. Es ist das weltweit erste Sakralgebäude, das Kirche, Moschee und Synagoge unter einem einzigen Dach vereint.

Doch was sind die konkreten Vorteile gegenüber konventionellen Sakralbauten?
1. Die Architektur der Begegnung
In einem herkömmlichen Gotteshaus bleibt die Gemeinschaft meist unter sich. Das House of One hingegen ist so konzipiert, dass man sich begegnen muss. Es gibt drei separate Gebetsräume für Juden, Christen und Muslime, doch diese sind durch einen zentralen, gemeinsamen Begegnungsraum miteinander verbunden. Dieser vierte Raum ist das Herzstück: Er dient dem Dialog, der Bildung und dem gegenseitigen Kennenlernen.
2. Schutzraum gegen Vorurteile
Wie der Artikel der FNP nahelegt, entstehen Feindbilder oft aus Unwissenheit und Isolation. Das Konzept des Mehrreligionenhauses wirkt dem entgegen. Wer hier betet, tut dies in dem Bewusstsein, dass Wand an Wand Menschen eines anderen Glaubens dasselbe tun. Dies fördert eine „Normalisierung“ des Anderen und entzieht Pauschalisierungen den Nährboden.
3. Ein Symbol der Gleichberechtigung
In vielen Städten weltweit ringen religiöse Minderheiten um die Sichtbarkeit ihrer Gotteshäuser. Das House of One setzt ein radikales Zeichen der Gleichwertigkeit. Keine Religion ist dem Gastrecht der anderen unterworfen; alle drei Glaubensrichtungen sind gleichberechtigte Bauherren und Hausherren.
Nicht jeder findet Einzug: Die Grenzen der Gemeinschaft
Trotz der radikalen Offenheit des Projekts ist das House of One kein beliebiges „Haus für alle“. Es gibt klare Kriterien dafür, wer Teil dieser Gemeinschaft sein kann. Dies ist notwendig, um den Kern des interreligiösen Friedensprojekts zu schützen.
Bekenntnis zum friedlichen Dialog: Gruppen, die Extremismus predigen oder die Existenzberechtigung anderer Religionen leugnen, haben hier keinen Platz.
Theologische Basis: Das Projekt basiert primär auf den drei abrahamitischen Weltreligionen. Auch wenn der zentrale Raum für Menschen ohne Glauben oder andere Gemeinschaften offensteht, ist das Fundament des Hauses fest in der jüdischen, christlichen und islamischen Tradition verwurzelt.
Abkehr vom Missionseifer: Einzug halten kann nur, wer bereit ist, auf die Missionierung der jeweils anderen Partner zu verzichten. Es geht um das Zeugnis des eigenen Glaubens, nicht um die Überredung des Gegenübers.
Fazit: Mut und Neugierde als Gegenmittel
Der FNP-Bericht schließt mit der Feststellung, dass „Mut und Neugierde schön wären“, um verkrustete Feindbilder aufzubrechen. Das House of One ist die bauliche Antwort auf diesen Wunsch. Es ersetzt die Angst vor dem Fremden durch die Neugierde auf den Nachbarn.
Indem es die räumliche Trennung aufhebt, ohne die religiöse Identität zu verwässern, bietet es ein Modell für das Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft. Es zeigt, dass Religion kein Grund für einen „Pranger“ sein muss, sondern das Fundament für ein gemeinsames Dach sein kann.
Gleichzeitig wäre es wünschenswert, wenn das Konzept eben nicht so auf die abrahamitischen Weltreligionen fixiert wäre. Zwar soll der Gemeinschaftsraum auch anderen offen stehen, aber es ist eben eigentlich gegen das wunderbare Konzept der Gleichberechtigung für alle Religionen, Hand in Hand, Tür an Tür.
Grundsätzlich finden wir von FOREF die Idee aber sinnvoll und unterstüteznswert.
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