Artikel zur Lage der Religionsfreiheit in Israel und dem nahen Osten
Israel heute startet einen Diskurs um christliche Symbole im öffentlichen oder halböffentlichen Raum. Ein Soldat hatte im Einsatz im Libanon eine Jesusstatue zerstört. Das berührt das spannungsreiche Feld zwischen dem jüdischen Charakter des Staates und dem westlich-demokratischen Prinzip der Religionsfreiheit. Die Frage, ob eine christliche Statue als „Götzenbild“ einzustufen ist und ob deren Ablehnung die Religionsfreiheit gefährdet, ist hochkomplex - zumal das Christentum ja seinen Ursprung in Israel hat, als Jude geboren wurde und im Islam als Isa ein Prophet ist.
Das theologische Dilemma: „Avodah Zarah“
Aus Sicht des orthodoxen Judentums unterliegen Bildnisse einer strengen Prüfung. Das biblische Bilderverbot („Du sollst dir kein Gottesbild machen“) ist ein Kernbestandteil der Halacha (des jüdischen Gesetzes).
In der jüdischen Tradition wird die Verehrung von Figuren oft als Avodah Zarah (fremder Kult) klassifiziert. Besonders Skulpturen, die göttliche Wesen oder Heilige darstellen, werden von streng religiösen Kreisen als unvereinbar mit der Heiligkeit des Landes Israel betrachtet.
Historisch gab es unter jüdischen Gelehrten Debatten, ob das Christentum als Götzendienst (Avodah Zarah) oder als Schituf (Glaube an den Gott Israels in Verbindung mit anderen Elementen) einzustufen sei. Letzteres ist für Nichtjuden akzeptabel, rechtfertigt aber aus Sicht strenger Kreise dennoch keine Statuen.
Die rechtliche Lage: Religionsfreiheit vs. Status Quo
Israel hat keine schriftliche Verfassung, garantiert aber in seiner Unabhängigkeitserklärung die volle soziale und politische Gleichberechtigung sowie die Freiheit der Religionsausübung.
Die Verwaltung der heiligen Stätten folgt weitgehend dem „Status Quo“ aus der osmanischen Zeit. Christliche Institutionen haben innerhalb ihrer Kirchen und Klöster weitgehende Autonomie. Dort sind Statuen und Ikonen fester Bestandteil der Liturgie und rechtlich geschützt.
Problematisch wird es oft dort, wo christliche Präsenz auf jüdisch-religiöse Empfindlichkeiten trifft. Ein bekanntes Beispiel war der Streit um die Skulptur „McJesus“ im Haifa Museum of Art (2019), die zwar von Christen als blasphemisch empfunden wurde, aber auch eine Debatte darüber auslöste, wie viel „Provokation“ durch religiöse Symbole der Staat zulassen muss. Unlängst hatte im Südlibanon ein israelischer Soldat mit einem Hammer auf eine Statue eingeschlagen.
Am Sonntag hatte die Armee ein Foto veröffentlicht, das zeigt, wie ein Mann in israelischer Armeeuniform mit einem Hammer auf eine von einem Holzkreuz gefallene Figur von Jesus Christus einschlägt. Die Armee teilte mit, es sei nach einer ersten Untersuchung festgestellt worden, dass das Bild einen Soldaten im Südlibanon zeige.
Stellt das Judentum die Religionsfreiheit infrage?
Kritiker argumentieren, dass radikale religiöse Gruppen in Israel versuchen, den öffentlichen Raum rein jüdisch zu halten, was den Pluralismus bedrohe.
Das führte in den letzten Jahren zu Angriffen auf christliche Friedhöfe oder die Beschädigung von Statuen (z. B. in der Geißelungskirche in Jerusalem). Diese Taten werden meist von extremistischen Randgruppen begangen, die sich auf das Verbot von „Götzenbildern“ berufen. Die offizielle Politik Israels verurteilt diese Akte scharf. Dennoch werfen Kirchenvertreter den Behörden oft vor, nicht konsequent genug gegen religiös motivierte Kriminalität vorzugehen. Die Herausforderung besteht darin, dass Israel sich als „jüdisch und demokratisch“ definiert. Während „demokratisch“ die Religionsfreiheit für alle fordert, verlangt „jüdisch“ den Schutz der jüdischen Identität des Landes.
Fazit
Eine christliche Statue ist in Israel innerhalb kirchlicher Räume rechtlich kein Problem, wird aber von Teilen der jüdisch-orthodoxen Gesellschaft theologisch als Götzenbild abgelehnt. Die Religionsfreiheit wird weniger durch das Judentum als Religion an sich infrage gestellt, sondern durch eine radikale Auslegung, die religiöse Exklusivität über das staatliche Recht auf freie Religionsausübung stellt. Für den sozialen Frieden bleibt der Schutz christlicher Symbole ein Gradmesser für die demokratische Reife des Landes. Allerdings sind solche Situationen wie Soldaten, die Statuen zerstören, in der ohnehin angespannten Nahost-Lage keine guten Nachrichten.