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Sekte zum "nachspielen"?

Sekte zum "nachspielen"?
Screenshot aus dem Trailer zu "Join us"

Ich falle eben über die Ankündigung und das Spieldesign des Sekten-Simulators „Join Us“, der offenbar ein "Ballerspiel" sein wird. Ist dies ein ethisch verantwortungsvolles Spieleprojekt?

Kritik der Darstellung

Natürlich kann ich ein unfertiges Spiel nicht bewerten. Doch nach allem was ich sehe ist „Join Us“ ein Spiel, das nur hochgradig destruktive Phänome von Sekten (psychischer Missbrauch, totale Isolation, Entzug der persönlichen Freiheit) zu einer spaßigen Gameplay-Mechanik im Koop-Survival-Shooter-Gewand deklassiert. "Normale" religiöse Gemeinschaften kommen nicht vor.

Menschen werden hierbei zur reinen Ressource, während das „Ausschalten“ von Kritikern, Rivalen oder der Polizei als amüsanter Sandbox-Spaß inszeniert wird.

Damit erhalten Hass und Hetze eine neue Dimension. Unreflektierte Täterperspektive und Mechanismen von totalitärer Kontrolle und Gewalt gegen Andersdenkende werden verharmlost und "Sekten" zum "Spaß" als was negatives dargestellt, auch wenn es vielleicht "cool" sein mag. Echte Sekten, also destruktiv-negativ-kriminelle Vereinigungen sind aber kein Spass, sondern für Betroffene bitterer Ernst. Anstatt aufzuklären, bedient das Spiel Sensationslust und riskiert die Normalisierung gefährlicher Dynamiken für den schnellen Spielspaß.

Gegenentwurf durch „The Darkest Files“

Als positives Gegenbeispiel wird die Arbeit von Paintbucket Games angeführt. Ihr Projekt "The Darkest Files" zeigt, wie historische und psychologische Traumata durch eine ernsthafte, tiefgründige Ermittler-Perspektive respektvoll aufgearbeitet werden können. Eine solche Herangehensweise fördert Empathie und gesellschaftliche Aufklärung, anstatt ernste Themen für Klickzahlen und Unterhaltungswerte zu banalisieren.

Fazit

In diesem offiziellen Ankündigungstrailer zu Join Us wird der humorvolle, aber zugleich verstörende Tonfall des Spiels deutlich, in dem die Rekrutierung für einen Weltuntergangskult als unbeschwertes Sandbox-Erlebnis voller Gewalt präsentiert wird.

Neue religiöse Bewegungen, die vom "Sekten" Labeling wegkommen wollen, werden hierdurch zurück in der Zeit gestoßen.

Wie sehen Sie das? Kann und darf man so "Sekten" darstellen?

Michael Langhans

Michael Langhans

Executive Director FOREF Deutschland, Volljurist, Familienrechtsexperte und Menschenrechtsaktivist.

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