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Leserbrief zu unserer Berichterstattung zu den Zeugen Jehovas

Leserbrief zu unserer Berichterstattung zu den Zeugen Jehovas
Leserbrief Symbolbild, KI erstellt

Uns erreichte gestern der folgende Leserbrief auf unsere Berichterstattung über den Spiegel und die Zeugen Jehovas, den ich hier veröffentlichen möchte:

Lieber Herr Langhans,
vielen Dank für Ihre ausgeglichene Sichtweise auf die ambivalente Berichterstattung der gängigen Medien (z.B. DER SPIEGEL) zum Thema Zeugen Jehovas. Wie Sie richtig feststellen tun sich Jehovas Zeugen schwer damit, mit wenig Sinn machenden Gegendarstellungen, weil ein menschliches Naturgesetz meist greift: "A man hears what he wants to hear and disregards the rest", so beschrieb es Paul Simon in "The Boxer". Aber lieben Dank, daß Sie objektiven Journalismus anders verstehen und Zeugen Jehovas einfach so sehen wie sie sind – eine kleine Minderheit von friedliebenden Menschen die von Tür zu Tür laufen und den Menschen erzählen, daß Gott Jehova heißt und daß er einmal auf dieser Erde ein Paradies errichten will und dadurch das Elend hier beendet wird. Eine häufige, irrige Beschreibung ist, daß wir einen Weltuntergang ankündigen. Genau das Gegenteil ist der Fall. 
Ich bin ein altes Möbel von inzwischen 76 Sommern und seit 1957 mit Jehovas Zeugen verbunden. Meine Mail ist recht umfangreich und ich riskiere einfach mal, daß Sie das Ganze auch lesen und vielleicht etwas aus meiner beschriebenen Erfahrung mitnehmen und vielleicht verwenden können. Meine gläubige Mutter hat uns in der damals stark katholisch geprägten Eifel versucht als "gute Katholiken" aufzuziehen. Vater stammte aus Ostpreußen und war glühender Anhänger des Mannes mit dem kurzen Schnautzer. Ernüchternd kehrte er von der Ostfront zurück und geriet in amerikanische Gefangenschaft. Großvater diente noch dem Kaiser und zog mit dem Spruch auf den Lippen "Süß ist der Tod fürs Vaterland" in die grausame Schlacht an der Somme. Mutter wurde damals von der Kanzel aufgefordert für den Führer zu stimmen, da man u. a. den bolschewistischen Einfluß Lenins fürchtete.
Im Jahre 1957 wurden wir dann von Missionaren der Zeugen Jehovas besucht und in einem Bibelstudium erfuhr Vater dann, daß Christen und Krieg miteinander nicht zu vereinbar sind. Das trifft besonders zu, wenn Christen gegen Christen das Schwert erheben und die etablierten großen Kirchen ihren dreieinigen Gott auffordern ihrem Land und ihrer Armee den Sieg zu geben. Zwangsläufig kamen wir alle dann auch in Kontakt mit Zeitzeugen der damaligen Bibelforscher, die über Jahre die Härten der damaligen Konzentrationslagern überlebt hatten. So wurden mein Bruder und ich schon sehr früh mit den Gräuel der Naziherrschaft konfrontiert und hatten keine Illusionen mehr da wir begriffen, wozu Menschen alles fähig sind. Wir fanden daher auch als Kinder schon die Lehren der Bibel attraktiv und freuten uns darauf, daß Gott, den die Bibel Jehova nannte, bald alles Elend auf dieser Welt beseiten würde durch das in der Bibel verheißene Paradies und einen Systemwechsel der politischen Mächte auf der Erde. Vater kämpfte ab jetzt für den Friedensfürsten Jesus Christus und wir glaubten einfach alle, daß das Vaterunser mal Wirklichkeit würde und eines Tages der "Wille Gottes so wie im Himmel auch auf der Erde geschehen" würde. Dieser Glaube machte uns jedoch zu Außenseitern in unserer katholisch geprägten Region. Wir waren damals "Aussätzige" und der Druck nahm zu. 
Wir wechselten damals zwangsläufig, weil Gewalt ins Spiel kam von der katholischen in die evangelische Grundschule, da der Druck der Lehrer, die damals noch stark von der Naziideologie und vom Katholizismus geprägt waren spürbar war. Die Protestanten waren uns gegenüber etwas liberaler. Aber zugegeben, es war für uns Heranwachsende nicht immer leicht, nun den strengeren Regeln der Bibel zu folgen, wir waren jung und die neue Freiheit der Nachkriegsjahre und des aufkommenden Wirtschaftswunders gingen an uns nicht vorbei. Wir hatten zwar die großartigen Vorbilder der Zeitzeugen, den Standhaften der Nazidiktatur, die auch unsere Freunde wurden, aber die Verlockungen dieser Welt waren nicht ohne. Und nicht immer hatten wir gesiegt. Die ganze westliche Zivilisation wurde immer säkularer und religiös sein war alles andere als "en vogue". Ja auf das Weihnachtsfest zu verzichten, das hatte mich als Kind getroffen. Ich liebte den Tannenbaum, die Geschenke und die Krippe mit dem Jesuskind. Das hatte seine eigene Faszination, seinen eigenen Reitz. Auch der hohe moralische Maßstab der Bibel hatte seine Hürden, als wir dann Teenies wurden.
Anders sein hieß, gegen den Strom zu schwimmen und der Gruppenzwang und die Leichtigkeit des Seins waren mit ständigem Kampf verbunden. Bei Kontakten mit Zeitzeugen der Nazizeit wurden wir jedoch immer wieder daran erinnert, was die damals jungen Männer und Frauen ihre Jugend unter den schwersten Misshandlungen durchlebten. Das half uns dann wieder selbst standzuhalten. 
Nun haben wir einige Kilometer auf dem Lebenstacho drauf und schauen zurück. Hat sich das Anderssein gelohnt? Altkanzler Kohl glaubte, daß unsere Generation, die "Gnade der späten Geburt" erlebt hat, da uns die großen Kriege erspart geblieben sind. Aber ist dem wirklich so? Was zeigt uns der Kompass im Status quo unserer Gesellschaft? Generalsekretär Antonio Guterres glaubt, daß wir mit Blick auf den Raubbau unserer Erde "mit beiden Füßen auf dem Gaspedal stehen, auf dem "Highway to Hell"....wir behandeln die Erde wie eine Toilette. Mit unserem grenzenlosen Appetit auf ungebremstes Wachstum, ist die Menschheit zu einer Massenvernichtungswaffe geworden". so Guterres
Der Klimaaktivist Dr. Eckart von Hirschhausen ist überzeugt davon, daß die ganze Erde bereits "auf der Intensivstation liegt". Ernstzunehmende Klimaexperten wie bspw. Prof. Mojib Latif stimmen diesen Einschätzungen zu. Es scheint, daß die gesamte Menschheit in einem Rettugsboot sitzt, in das immer mehr Löcher in den Bootsboden gedrillt werden. Besorgte Klimaaktivisten versuchen nun die Löcher im Boden mit dem Daumen wieder zuzudrücken, aber die mit dem Bohrer sind schneller.
Es ist richtig, Jehovas Zeugen werden nicht müde, darauf hinzuweisen, daß Verhältnisse, wie wir diese heute haben schon vor 2000 Jahren in jeder Bibel vorhergesagt wurden. Es ist jedem jedoch überlassen das, was in ihrer eigenen Bibel steht zu glauben, oder nicht. Dafür riskieren  Jehovas Zeugen heute auch noch in Gefängnisse oder wie es derzeit in Russland passiert, in Arbeitslager verschleppt zu werden. Dort betrachtet man sie als Extremisten und die alte Feindseligkeit der Stalinzeit hat wieder Hochkonjungtur.
Man kann uns Tagträumer oder religiös "Entrückte" nennen, aber wir tun niemandem weh, wenn wir einfach besorgten Menschen etwas aus der Bibel erzählen, wo gesagt wird, daß unser aller Urheber verspricht, daß er in die Angelegenheiten der Menschen eingreifen wird, bevor wir unseren tollen Heimatplaneten völlig in den Abgrund fahren werden. Ich stehe in Kontakt mit einigen Klimapsychologen, die ehrlich zugeben, daß ihnen so langsam die Antworten ausgehen,wenn junge Leute gerne wissen möchten was die Zukunft für sie noch bereit hält. Professor Reese von der Uni Landau glaubt, "daß wir unseren Planeten an die Wand fahren werden. Die Erde wird sich jedoch wieder erhohlen, so Reese, dann aber eben ohne und Menschen."
Napoleon soll mal gesagt haben: "Die Menschen glauben alles, es darf nur nicht in der Bibel stehen." Dr. Hirschhausen meint: "Viele moderne Menschen glauben nicht mehr an einen Gott – ich hoffe, daß dies nicht auf Gegenseitigkeit beruht."
Als Jesus vor 2000 Jahren auf der Erde lebte, kündigte er zukünftige Zustände an, die er wie folgt beschrieb: "Es wird eine große Drangsal über die Menschheit kommen, wie es eine solche seit Anbeginn nicht gegeben hat, noch wieder geben wird. Die Menschen werden ohnmächtig werden vor Angst und Bangen der Dinge, die über die bewohnte Erde zukommen, denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden...... doch wenn das alles anfängt, dann richtet euch auf und hebt den Kopf, denn eure Befreiung naht." (Luk. 21:26-28) (Matth.24:21)
Lieber Herr Langhans, schon vor 90 Jahren glaubten die Bibelforscher, daß das was in der Bibel steht, eintreffen wird und ich glaube das heute auch, heute mehr denn je. Ich hoffe, daß ich mal genauso mutig sein werde wie Simone Liebster, Ihre Eltern, und ihr lieber Mann Max. Für die Hoffnung auf  eine bessere Welt und für Jehova Gott sein Leben zu lassen, ist eine Ehre, da sanftmütige und friedliebende Menschen dies nur als eine Unterbrechung ihres derzeitigen Daseins sehen. (Psalm 37:10,11) 
Wir erwarten nicht, daß manche Journalisten das auch so glauben und verstehen. Sensationsnachrichten unter Schlagworten wie SEKTE, RELIGION, oder HEXEN (Ihr Zitat) die dadurch nur gezielt Leser oder Einschaltquoten steigern wollen, sind vergleichsweise sehr vergänglich und qualitativ recht dünn im Vergleich zu dem, was bald Realität sein wird. Die Doomsday Clock steht inzwischen auf 85 Sek. vor 12 H, und niemand ist in der Lage den Zeiger nochmal zurückzudrehen. Wir beschränken uns daher nicht darauf "Experten" davon zu überzeugen, daß die "Titanic" den Eisberg längst gerammt hat. Der Kampagnenjournalismus wird weiter seine Bluthunde, wie Sie es nennen, anlocken um Einschaltquoten zu generieren. Das beliebte Thema Jehovas Zeugen und Umgang mit ehemaligen Mitgliedern ist einfach sehr dankbar und kann reißerisch unter der Headline "gefährliche Sekte" in die Arena der Medienwelt geworfen werden. Das will man sich nicht entgehen lassen, zumal man weiß, daß Jehovas Zeugen sich hier nicht auf Detaildiskussionen über Internas in der Öffentlichkeit einlassen. Jesus hatte sich zu seiner Zeit auch nicht auf jede Diskussion mit seinen Widersachern eingelassen. In der feste Hoffnung auf eine Auferstehung hat er sogar seine brutale Ermordung in Kauf genommen.
Als vor 3 Jahren ein Amokläufer 7 Zeugen Jehovas erchoss, beschränkten sich einige Nachrichtensender nicht nur auf das traumatische Erlebnis der Betroffenen, sondern nutzten Ihre Medienplatform noch am gleichen Tag um eine vergiftete Medienberichterstattung über Jehovas Zeugen allgemein zu lancieren.
Ich möchte Ihnen persönlich herzlich danken, daß Sie dagegen, Ihrem edlen journalistischem Auftrag nachkommen, und Unrecht in dieser Welt beim Namen nennen. GANZ TOLLE ARBEIT DIE SIE GELEISTET HABEN – CHAPEAU!
Liebe Grüße aus der Eifel 

Vielen Dank für die freundlichen Worte. Wir wollen alle Leser mobilisieren, aktiv in die Diskussionen einzusteigen. Dies funktioniert entweder unter den Artikeln über die Kommentarfunktion oder eben per Leserbriefe an mich (langhans@foref.info)

Michael Langhans

Michael Langhans

Executive Director FOREF Deutschland, Volljurist, Familienrechtsexperte und Menschenrechtsaktivist.

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