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Leserbrief II zu unserer Berichterstattung zu den Zeugen Jehovas

Leserbrief II zu unserer Berichterstattung zu den Zeugen Jehovas
Leserbrief Symbolbild, KI erstellt

Uns erreicht ein weiterer Leserbrief (nach diesem) auf unsere Berichterstattung über den Spiegel und die Zeugen Jehovas, den ich hier veröffentlichen möchte:

Guten Abend,

es ist mal wieder soweit beim Spiegel.

Wir hatten uns vor drei Jahren schon einmal geschrieben (mit dem Spiegel, Anm. d. Red.) wegen ihrer Berichterstattung rund um den Amoklauf in Hamburg, bei dem 7 Menschen nach einem Gottesdienst von Jehovas Zeugen ermordet wurden. Schon damals ist der Spiegel durch eine mehr als merkwürdige Berichterstattung und besonders durch ein Leserforum aufgefallen, das Hetze, übler Nachrede, Faktenverdrehung und blankem Hass unzensiert freien Lauf gelassen hat. 

Dass sie nun den Umstand, dass Zeugen Jehovas als fünfter Opfergruppe ein Mahnmal in Berlin verliehen wird, um an ihre Opfer im Nationalsozialismus zu erinnern, nutzen, um 45 Minuten, bevor dieses Denkmal von der Bundestagspräsidentin eingeweiht wird, genau diese Opfergruppe zu Tätern umzuschwadronieren, passt ins Bild und zeigt, dass sie aus den Vorgängen in Hamburg nichts gelernt haben, sondern mit der gleichen Borniertheit weitermachen. 

Wolfram Weimar erwähnte in seiner Rede als Kultur Staatsminister, dass die Frage erlaubt sei, welches Problem die Nazis mit Gläubigen Menschen hatten.

Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass auch DER SPIEGEL ein Problem mit Menschen hat, die ihren Glauben ernst nehmen. Es passt nicht, ins Narrativ oder Weltbild der Spiegel Ideologie. 

Vielleicht sollten Sie einmal ernsthaft ihre Weltoffenheit und Toleranz hinterfragen, die von Ihnen eingefordert wird?
Jehovas Zeugen hatten den Ruf in den Konzentrationslager nicht nur ihren Glaubensgenossen zur Seite zu stehen, sondern allen Gefangenengruppen Nächstenliebe entgegenzubringen, weil es genau das ist, was die Bibel lehrt, jeden Menschen so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte (nennt man auch die sog. "Goldene Regel").

Und genau aus diesem Grund haben sie auch den Kriegsdienst verweigert, weil sie andere Menschen, egal für welches Narrativ, NICHT umbringen.

Ich habe den Artikel von Frau V. nicht gekauft und werde es auch nicht tun. Ich sehe nicht ein, dafür auch noch Geld auszugeben (Bezahlschranke).

Allein die Überschrift zeigt, in welche Richtung der Artikel geht. Wenn ich richtig recherchiert habe, hat der Spiegel außer diesen Aufsatz von Frau V. nichts sinnvolles journalistisch einordnendes zum Mahnmal geschrieben.

Frau Klöckner als Bundestagspräsidentin hat ganz klar erläutert:
Es ist kein Mahnmal für die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas, sondern für die Opfergruppe, die im dritten Reich massiv verfolgt wurden und etliche dies mit Ihrem Leben bezahlen mussten. 

Mit diesem Artikel treten Sie auch gewaltig den Bundestag vor das Bein, der scheinbar zu naiv ist, zu erkennen, wer hier geehrt wird. Der Bundestagsbeschluss zum Mahnmal für Zeugen Jehovas war einstimmig, was im Bundestag nicht so oft vorkommt.
Hören Sie sich die Reden bei der Sitzung, als das Mahnmal beschlossen wurde, sowie die Ausschusssitzung des Kulturausschusses an, und wägen Sie die Argumente ab, die besonders die Sachverständigen vorgetragen haben. Sie lassen ihre gesamte Argumentation und Herangehensweise als Redaktion bei diesem Thema in einem sehr fragwürdigen Licht erscheinen. Sie kommen aus der Zeugen Jehovas "Sekten-Verortung" überhaupt nicht heraus.
Scheinbar haben sie nicht realisiert, dass das Bundesverfassungsgericht vor langer Zeit geurteilt haben, dass Jehovas Zeugen eine Körperschaft des öffentlichen Recht sind, weil sie rechtstreu sind und alle Voraussetzungen erfüllen.

Jehovas Zeugen immer noch als Sekte zu titulieren, ist Geschichtsvergessen und obendrein ehrabschneidend. Dass Frau V. bei dem Thema keine objektive und wertfreie Einordnung abliefern kann sollte ihnen eigentlich klar sein, aufgrund ihrer Biografie. Darf beim nächsten Mahnmal ein traumatisierter deutscher Urlauber, der die Polen nicht mag, weil sein Urlaub nicht seinen Erwartungen entsprach, resümieren, ein Mahnmal für die Polen, von den Nazis ermordet und drangsaliert, sei bedenklich, weil die Polen heute ihm unsympathisch sind, und mit dem Mahnmal eine Nation aufgewertet wird, die ihm sein Urlaubsvergnügen verdorben habe?

Ja ich weiß, dass ist jetzt sehr polemisch. Aber ich bin sicher, Sie ahnen worauf ich mit dieser Analogie heraus möchte.

Ich hatte zu diesem Vorgang heute beim Spiegel angerufen und mit dem Leserservice gesprochen. Eine Mitarbeiterin hat meinen Namen E-Mail-Adresse und Telefonnummer notiert und in Aussicht gestellt, aber natürlich nicht garantiert, dass sich der oder die zuständige Redakteurin für diesen Artikel bei mir meldet.

Würde dies geschehen, würde mich das positiv überraschen. Ich bin durchaus an einem Gespräch zu diesem Thema bereit und offen.

Eins zur Klarstellung: Natürlich weiß ich nicht, ob sie (die angeschriebene Person, Anm. d. Red.) mit diesem Artikel irgendetwas zu tun haben oder überhaupt noch beim Spiegel mit dem Thema Zeugen Jehovas befasst sind.

Fühlen Sie sich deshalb bitte nicht persönlich angegriffen.

Ich bin nur menschlich massiv enttäuscht, dass ein solcher Tag missbraucht wird, um Jehovas Zeugen in eine ganz fragwürdige  Ecke zu rücken - von den immer gleichen Leuten, die scheinbar ein Riesenproblem mit diesem Mahnmal haben und es auch am liebsten verhindert hätten und nun ihre Wunden damit lecken, indem sie versuchen, die Mahnmal Legende salonfähig zu machen. Hier erwarte ich nichts anderes.

Vom Spiegel, als Sturmgeschütz der Demokratie und Verfechter pointierter und abwägender Debatten, erwarte ich mehr, als einseitigen Stigmatisierungen eine Internetplattform zu bieten.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Vielen Dank für diesen pointierten Kommentar an den Spiegel in Form eines Leserbriefes.

Wir wollen alle Leser mobilisieren, aktiv in die Diskussionen einzusteigen. Dies funktioniert entweder unter den Artikeln über die Kommentarfunktion oder eben per Leserbriefe an uns (langhans@foref.info)

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Michael Langhans

Michael Langhans

Executive Director FOREF Deutschland, Volljurist, Familienrechtsexperte und Menschenrechtsaktivist.

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