Zum Inhalt springen

Go&Change Vorwürfe - Manipulation und Psychische Einflussnahme

Go&Change Vorwürfe - Manipulation und Psychische Einflussnahme
Symbolbild "keine Manipulation" bei Go&Change, Lülsfeld, KI generiertes Bild

Dossierunterseite 15 zu Go&Change

Hier finden sich alle Vorwürfe aus dem Bereich "Gemeinschaftsstruktur und Guru-System" aus Presse und Verfahren (Stand 21.06.2026)

Go&Change Presseberichte - Dossierunterseite
Wir haben die folgende Presseberichterstattung (Stand 15.06.2026, 1.080 ausgedruckte DIN A4-Seiten) gesammelt, systematisiert und in unsere Auswertung mit einbezogen: Liste der von uns untersuchten Presseberichte über Go&Change (15.06.2026) * Die Kitzinger: May 26, 2020 – Bürgermeister zu „Go& Change“: Vorwürfe aufklären * Die Kitzinger: Jun 02,

Bewertung von Manipulation und Psychische Einflussnahme bei Go&Change

Die vorliegenden Vorwürfe sind in verschiedene Gruppen einzuteilen; solche, die nur typische Sektennarrative wiederholen, ohne dass es Belege für ein Vorhandensein derselben gibt; allgemeine und unbestimmte Begriffe wie "gewisser Druck"; das verwenden fachpsychiatrischer "Diagnosen" nach ICD-10, ohne die Merkmale zu benennen und ähnliches.

Gleichzeitig muss ich bei einer fairen Bewertung mitteilen, dass ich natürlich nur Aussagen von damals bis heute bewerten und meine eigenen Erfahrungen seit 2025 einbringen kann, was zu einer gewissen Unschärfe ex ante, nicht aber ex nunc führt.

Teilweise sind die Schilderungen schlicht objektiv unrichtig, ggf. aber subjektiv so empfunden. In der Bewertung muss aber auf objektive Aspekte Stellung genommen werden.

Verlust der Intimsphäre ist solch ein Aspekt. Jeder Bewohner hat seine eigenen Räume; das Gelände ist ohnehin umfangreich genug und verwinkelt, dass von "Verlust der Intimsphäre" nicht gesprochen werden kann. Natürlich gelten hier alle Grundsätze, wie in jeder Familie und Wohngemeinschaft. Man erfährt, wie es dem anderen geht, man tauscht sich aus, man bekommt mit.

Dies wäre aber kein "sektiererisches Verhalten", sondern normale Gruppendynamik

Eingeforderter Kontaktabbruch zur Familie ist ein weiterer solcher Aspekt. Mir sind verschiedene Mitglieder mit Kontakten bekannt oder Aussagen von Mitgliedern, die sich mehr Besuche wünschen, die aber am Verhalten der Familie scheitern. Kontaktabbruch, das ist der aktuelle Stand der Ermittlungen, ist keine Voraussetzung oder Forderung bei Go&Change. Mangels konkreter Informationen kann aber auch nicht bewertet werden, ob eine Lüge oder ein Missverständnis vorliegt. Darüber hinaus bergen geänderte Wohn- und Arbeitssituationen per se in allen Familien Änderungen, für die die Last nicht bei der Gemeinschaft liegen muss.

"Durch Druck und Angst zu Foltersex" ist eine andere solche Einschätzung. Allgemein genug, um eine Emotion beim Leser zu erzeugen, aber auch unbestimmt genug, um eine Widerlegung zu verhindern. Welcher Druck ist gemeint, durch wen, wie hat es sich herausgestellt und warum trägt die Gemeinschaft hier die Verantwortung? Gerade betreffend Kai K. sind die Vorwürfe durch die psychische Situation der Person ohnehin anders zu bewerten, nicht Gemeinschaftsbezogen.

"Manipulation, Druck und Gruppenzwang" sind genau solche unbestimmten Begriffe, die ich nicht prüfen kann. Nicht alles ist Manipulation, was gern als solche behauptet wird; gleichzeitig ist jede Form von Erziehung "Manipulation" (siehe Lempp 1983 und Köster 1997, zitiert nach Dettenborn 2021).Köster wird vor allem so zitiert, dass jede liebevolle Zuwendung Beeinflussung ist, so dass unter diese Prämisse natürlich alles an Go und Change "Beeinflussung" und "Manipulation" wäre. Oft wird, vor allem bei Kinder oder jungen Menschen, beobachtet, dass eine abweichende Meinung (aus Sicht des Umfelds) als manipuliert beschrieben wird, alleine weil die Meinungen divergieren (Dettenborn 2021). Da vorliegend Konkretisierungen fehlen und die Definitionen (oder die Begriffsverwendung ohne Definition) unbekannt sind, ist es kaum möglich, hierzu Stellung zu nehmen.

Insoweit verweise ich auf die wissenschaftliche Arbeiten von Barker und Introvigne, die "Brainwashing"/"Gehirnwäsche" ablehnen als unwissenschaftlich und die auch nicht durch geänderte Begrifflichkeiten ersetzt werden können. Dass die "Süddeutsche" dann Gehirnwäsche erwähnt, muss man hinnehmen, spricht aber auch für die fehlende Qualität der Ermittlungen. Würde, in Anlehnung an Barkers Arbeit, Brainwashing so sehr funktionieren, hätte es keinen Skandal um Kai K. und Go&Change gegeben, weil es dann kein Opfer gäbe, das anzeigen könnte oder mit der Presse sprechen würde - zeitnah zu den Vorwürfen.

Soweit ich "Schattenarbeit" verstehe, ist die Freiwilligkeit der Erkenntnis Voraussetzung der Entwicklung. Damit wäre jede "Manipulation" kontraproduktiv, da sie nicht zu einer andauernden Verhaltensänderung führen würde. Ich habe auch nur wenige Momente erlebt, die man (wie auch auf Arbeit oder in einer Wohngemeinschaft) als psychischen Druck umschreiben könnte. Dies wird aber, soweit ersichtlich, von Freiwilligkeit übertüncht. Wer räumt ab? Es melden sich Mitbewohner.

Die Reflexionsgespräche waren in einem zwanglosen Rahmen, wenn auch ehrlich geführt. Jeder hatte die Zeit, die er benötigte, um zu antworten. Druck a la "wenn nicht - dann" war nicht zu erkennen.

Jeder war erkennbar bemüht, ehrlich und umfassend zu antworten. Daran ändern auch wertende Begriffe der Journalisten wie "Tribunale" nichts, denn diese sind erstens unspezifisch, zweitens subjektiv und drittens nicht meiner Erfahrung entsprechend. "Verhandlungen" im Sinne eines "außerordentlichen" Gerichts sind in meinem Beisein nicht erfolgt und werden durch Mitglieder auch nicht geschildert. Was ich erlebe sind Gespräche beim Abendessen oder während Gemeinschaftsevents.

Teils werden schlicht ohne Begründung Sekten-Narrative genannt: Psychokult, alles kontrollierende Anführer, neue Familie, Freiheit eingeschränkt, Reflexion eingeschränkt usw.

Ich gehe davon aus, dass Experten wie Dr. Pöhlmann konkrete Kenntnisse mit allgemeinem Tratsch verwechseln. Gerade Schattenarbeit gebietet kritische Reflexion und schränkt diese nicht ein. Erstaunlich ist dann, dass im selben Kontext auch das Gegenteil ("Rausschmiss angedroht") geschildert wird. Das Sekten-Narrativ gebietet ja dass man nicht mehr herauskommt.

Schlafentzug, also angeordnet, erlebe ich nicht und lässt sich nicht ermitteln, sehr wohl aber motivierte Mitglieder, die je nach Projekt von freiwillig langen Wachzeiten berichten.

Ferngesteuerte Personen erlebe ich nicht.

Das Problem bei solchen subjektiven psychischen Empfindungen ist nicht nur die fehlende psychologisch-psychiatrische Expertise, um den Verdachtsmomenten nachzugehen, sondern auch dass das Ergebnis bekanntlich im Auge des Betrachters liegt.

Nach alledem kann ich im Moment noch keinen psychischen Druck bestätigen, der über den üblichen Konventionen liegt. Gemeinschaft bedingt immer auch Rechte und Pflichten, die nicht zu erfüllen Probleme oder inneren Druck nach sich führen können. Für ein abschließendes Statement fehlen mir daher aktuell noch weitere Informationen, im Moment deutet hier aber vieles auf ein non liquet hin.

Die Befragungen von Mitglieder, neutralen Personen und die Auswertung von Presseberichten wie Akteninhalten konnte den Vorwurf Manipulation und psychischer Einflussnahme nicht bestätigen.

Kein bestätigtes Guru-System

Weitere Artikel und Hinweise

Diese Seite ist eine Dossierunterseite zum Dossier über die Entwicklungsgemeinschaft für Lebensqualität Go&Change in Lülsfeld.

Entwicklungsgemeinschaft für Lebensqualität Go&Change
Dossier über die “Entwicklungsgemeinschaft für Lebensqualität Go&Change” und die Vorwürfe rund um diese Gemeinschaft sowie die subjektive Einschätzung von FOREF anhand objektiver Kriterien.

Weitere Infos zu Go&Change finden Sie über den Tag.

Michael Langhans

Michael Langhans

Executive Director FOREF Deutschland, Volljurist, Familienrechtsexperte und Menschenrechtsaktivist.

Alle Artikel

Weitere in Dossier

Alle anzeigen
Go&Change Presseberichte

Go&Change Presseberichte

/

Weitere von Michael Langhans

Alle anzeigen