Ein geplantes Bildungssymposium in Landau wurde kurzfristig abgesagt, nachdem investigative Recherchen die angebliche Verstrickungen der Initiatoren in die rechtsextreme, esoterische Anastasia-Bewegung und die Verschwörerszene aufdeckt habe. Dass man Teilnahme an Veranstaltungen erst zusagt und dann absagt, halte ich hingegegen für wenig zielführend. Entweder man informiert sich vorab oder diskutiert dann bedenken vor Ort.
Während die Stadt Landau eine Zusammenarbeit strikt ablehnt , wirft der Fall ein Schlaglicht auf alternative Schulprojekte, aber auch Kommunikationsprobleme.
Der Fall Landau: Wenn aus einer „Freien Schule“ ein Verdachtsfall wird
Die Idee einer neuen „Freien Schule“ klingt für viele Eltern in Landau in der Pfalz zunächst attraktiv. Über 25 Jahre nach der Etablierung der dortigen Montessori-Schule versprach eine neue Initiative alternative pädagogische Wege. Unzufriedenheit mit staatlichen Schulen, mangelhafte individuelle Förderung und mehr - die Kritikpunkte am deutschen Schulsystem sind lang.
Doch hinter der Fassade des Reformeifers verbirgt sich ein Netzwerk, das die Sicherheitsbehörden und die Wissenschaft in Alarmbereitschaft versetzt.
Die Recherchen einer investigativen Journalistin (unter dem Pseudonym Kim Pflanzer) wurde öffentlich, wer tatsächlich die Fäden im Hintergrund zieht: die Organisation „Campus Neuland“ mit Sitz im Landauer Lazarettgarten.
Das pseudowissenschaftliche und ideologische Fundament
Der „Campus Neuland“ ist personell und räumlich eng mit dem Gesundheitszentrum Panakeia verflochten. Ein Blick auf die dort angebotenen Inhalte offenbart alternative Ansätze und Esoterik:
Es werden Seminare wie „Morphokybernetik“ beworben, bei denen Kunden lernen sollen, durch „Energiefelder“ zentnerschwere Lasten mit einer Hand zu heben. Auch Kurse zum „Sehen ohne Augen“ standen auf dem Programm.
Als Inspirationsquellen soll unter anderem der bekannte Verschwörungsdoktrinär Daniele Ganser dienen sowie die Kinderprophetin Christina von Dreien, die den Aufstieg in „höhere Existenzformen“ durch sogenannte „Lichtarbeit“ predigt.
Weiter soll die Betreiberin des Panakeia-Blogs Inhalte verbreiten, die dem „Manifest der Neuen Erde“ der sogenannten Anastasia-Bewegung zuzuordnen sein sollen. Über Anastasia haben wir schon berichtet, ebenfalls über ein ähnliches Schulprojekt.
Domino-Effekt: Absage des Bildungssymposiums
Wie tief das Misstrauen sitzt, zeigte sich am geplanten „Bildungssymposium“ in Godramstein, das als Plattform für das Schulprojekt dienen sollte.
Nach Medienanfragen zogen die Referenten kurzfristig ihre Zusage zurück. Problematisch dabei: Dass man erst auf Medienanfragen agiert und Zusagen zurückzieht, ist wenig seriös. Bei aller berechtigter oder unberechtigter Kritik muss eine Prüfung, wo man teilnimmt, vorab erfolgen. Alles andere wären Eingriffe in die Religions- und Weltanschauungsfreiheit, die man auf Zuruf der Medien verletzt. Ob dies
FOREF-Kommentar: Wachsamkeit bei alternativen Schulprojekten
Der Fall in Landau zeigt einmal mehr eine gefährliche Entwicklung, die wir als Forum für Religionsfreiheit kritisch beobachten:
Es ist richtig, dass im deutschen Schulwesen kein Platz für Schulen ist, die gefährliches Halbwissen verbreiten oder ideologisch verpestet sind. Aber: Genau das zu prüfen ist Aufgabe der Schulbehörden, die solche Schulkonzepte zulassen, nicht der Medien.
Problematisch ist nicht nur, wenn man Begriffe wie Kinderprophetin in "Anführungszeichen" setzt, weil hierin eine Bewertung liegt, sondern wenn der Einfluss oder die Angst vor negativer Publicity dazu führt, dass Zusagen zurückgezogen werden - ohne dass das Schulkonzept in irgendeiner Weise inhaltlich gewürdigt wäre. Hier werden Menschen und Ideologien, daher Glauben, hinter dem Menschen gewürdigt, ohne dass es einen zwingenden Einfluss auf die Schulkonzeption gibt. Und dieses Selektionsrecht steht den Medien nicht zu.
Ob dieselben Recherchen bei anderen Konzepten erfolgen, ist ebenfalls offen.