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„Der Krieg beginnt mit Worten.“

„Der Krieg beginnt mit Worten.“
FOREF Präsident Dr. Ján Figel' während CeFoRB#3 in Bratislava
Veröffentlicht:

Rede von Dr. Ján Figel', Präsident von FOREF, auf der CEFoRB #3 in Bratislava

"In einer Zeit, die von sich überschneidenden Krisen geprägt ist – von bewaffneten Konflikten und ideologischem Extremismus bis hin zum ethischen Verfall im öffentlichen Diskurs –, ist die Notwendigkeit, zur Essenz der Worte und ihrer Bedeutung zurückzukehren, dringender denn je. Worte sind keine bloßen Werkzeuge des Ausdrucks; sie sind oft Funken, die Feuer entfachen oder löschen. Genau davor warnt Scheich Abdallah bin Bayyah, Präsident des Forums zur Förderung des Friedens in muslimischen Gesellschaften, in seiner tiefgründigen Botschaft: „Der Krieg beginnt mit Worten.“

„Der Frieden wird im Herzen gebaut.“ – Papst Leo XIV.
Ján Figel' im Vatican bei Papst Leo XIV. (30.05.2026)
„Der Krieg beginnt mit Worten.“ – Scheich Abdallah bin Bayyah

Mit dieser Aussage bringt er eine ganze Philosophie auf den Punkt: Jedem physischen Krieg geht ein Krieg der Worte voraus, und jede Gewalttat ist in einem vorherigen Akt verbaler Aggression verwurzelt. Wenn die Sprache nicht gezügelt, vom Hass gereinigt und auf gegenseitigem Respekt begründet wird, wird der Weg zum Frieden niemals beginnen.

Worte: Instrumente, die aufbauen, oder Waffen, die zerstören

Die Menschheitsgeschichte ist voller Beispiele dafür, wie Worte lange und blutige Konflikte entfacht haben. Von hasserfüllten Reden, die den Weg für den Holocaust ebneten, bis hin zu Medienpropaganda, die die ethnische Gewalt in Ruanda oder Bosnien anheizte – diese Tragödien beweisen, dass Worte nicht neutral sind. Worte können Ängste verstärken, Wahrnehmungen verzerrt darstellen und gewöhnliche Menschen in Feinde verwandeln.

Auf der anderen Seite können Worte aber auch heilen, versöhnen und Brücken zwischen den Herzen bauen. Daher betont eine wirksame Friedensarbeit, dass der wahre Kampf nicht nur gegen Waffen geführt werden muss, sondern gegen den Diskurs, der ihren Einsatz rechtfertigt.

Hassrede: Eine globale und lokale Bedrohung

Hassrede beschränkt sich nicht mehr nur auf Randgruppen oder isolierte Kontexte. Sie ist zu einem globalen Phänomen geworden – verstärkt durch digitale Plattformen und genährt durch Fehlinformationen, religiösen Fanatismus und Xenophobie (Fremdenfeindlichkeit). Schlimmer noch: Einige Formen von Hassrede werden unter dem Deckmantel der „Meinungsfreiheit“ getarnt, was genau die ethischen Prinzipien untergräbt, die eben diese Freiheit leiten sollten.

Die jüngste Welle von hasserfüllten Angriffen auf Kirchen, Moscheen, Synagogen – und sogar auf Schulen und Märkte – erinnert uns daran, dass hinter jeder Gewalttat eine Flut von Worten, Beiträgen, Videos, Slogans und Reden stand, die den Hass legitimierten.

Vision: Von der Wahrnehmung zum Schutz

Für eine echte Heilung brauchen wir nicht nur die richtige Diagnostik, sondern auch eine klare Vision und zutiefst weisende Anstrengungen. Religion darf nicht als Problem gesehen werden, sondern als ein wesentlicher Teil der Lösung. Jede Freiheit ist ein Ruf nach Verantwortung. Dies ist auch ein Schlüssel im Umgang mit Religionen. Führer und glaubensbasierte Gemeinschaften müssen ihre religiöse soziale Verantwortung pflegen und teilen. Ein Kernbereich dabei ist der Aufruf, die menschliche Würde durch religiösen Diskurs und Bildung zu fördern. Die Aufklärung über die gleiche Würde aller Menschen ist eine Quelle des friedlichen Zusammenlebens und eine moralische Festung gegen den Hass.

Auf der Ministerkonferenz zur Förderung der Religionsfreiheit (Washington DC, 2019) forderte Scheich bin Bayyah politische und religiöse Führer auf, „Konzepte neu zu gestalten“ – wie etwa Loyalität, Dschihad und den „Anderen“ –, um sie mit den höheren Zielen des Glaubens und den universellen Werten der Menschenrechte in Einklang zu bringen. Die Würde des Menschen ist unteilbar, und Frieden kann nicht in einem Klima gedeihen, das durch spaltende Sprache vergiftet ist. Echter Frieden wird erreicht, wenn Menschen gesehen, gehört und respektiert werden – unabhängig von Glauben, Ethnizität oder Herkunft.

Hass, Intoleranz, Gewalt und Krieg sind die hässlichen Gesichter des Bösen. Und jedes Böse ist stark, weil es viele einflussreiche Verbündete hat. Die bedeutendsten sind drei Geschwister: Gleichgültigkeit, Unwissenheit und Angst. Wenn uns die Anderen egal sind, weil es nicht unser Problem ist, weil es weit weg ist oder es sich um ein kompliziertes Thema handelt. Wenn wir weder wissen noch verstehen, was lokal oder global vor sich geht. Und wenn wir Angst haben, unsere Stimme im Namen der Wehrlosen oder derer zu erheben, die keine Stimme haben. Die besten Gegenmittel gegen diese Verbündeten des Bösen sind das Engagement für das Gemeinwohl, Bildung und das Erkennen der Wahrheit sowie der Mut, für Gerechtigkeit und die gleiche Würde aller Menschen einzustehen.

Figel' während seiner Rede auf CEFoRB#3 in Bratislava, 01.06.2026

Verantwortung: Von Worten zu Taten und Handeln

Die Bekämpfung von Hassrede liegt nicht allein in der Verantwortung von Regierungen. Es ist eine gemeinsame Pflicht, die religiöse Führer, Pädagogen, Medienbeauftragte, Gesetzgeber und sogar die Nutzer sozialer Medien einschließt. Jedes Wort, das wir schreiben, teilen oder verbreiten, kann entweder zur Heilung oder zum Schaden beitragen.

Der Kampf gegen Hassrede muss in der Bildung beginnen, im Gesetz verankert und durch verantwortungsvolle Medien verstärkt werden. Plattformen müssen zur Rechenschaft gezogen werden, und es müssen klare Gesetze erlassen werden, die Aufhetzung unter Strafe stellen, während gleichzeitig die Meinungsfreiheit innerhalb ethischer Grenzen geschützt wird. Bildung ist nicht bloß die Vorbereitung auf das Leben. Sie ist das Leben selbst. Lebenslang müssen wir uns anpassen, lernen, wie wir im Dialog, in der Zusammenarbeit und in geteilter Nachbarschaft zusammenleben. Leben bedeutet mehr als nur zu existieren.

Vor allem müssen wir die Kraft der Wahrheit und der gütigen Sprache wiederbeleben. Die Wahrheit macht uns frei und zeigt, dass wir vielfältige Geschwister in einer universellen menschlichen Familie sind. Der Diskurs ist der Schlüssel zu Verständnis und Frieden in und zwischen unseren Gemeinschaften.

Lasst Worte Brücken sein, keine Barrieren

Papst Leo XIV. wurde am 80. Jahrestag des Kriegsendes in Europa, dem 8. Mai 2025, gewählt. Er betont oft, dass Frieden im Herzen und durch aktive Teilnahme aufgebaut wird, was das Entwurzeln von Stolz und Groll, achtsame Kommunikation und das Knüpfen von Beziehungen der Einheit und Brüderlichkeit erfordert – selbst in schwierigen Zeiten. Er verknüpft das Konzept des Friedens häufig mit dem Herzen und plädiert für einen tieferen, persönlicheren und relationalen (beziehungsorientierten) Ansatz der Friedenssicherung.

Frieden beginnt weder mit der Unterzeichnung von Verträgen noch mit dem Schweigen der Waffen. Er beginnt in den menschlichen Herzen und mit Worten. Er beginnt, wenn wir uns dafür entscheiden, mit anderen zu sprechen statt über sie, wenn wir den Dialog statt der Dämonisierung wählen und wenn wir zuhören, statt zu urteilen.

Die Pflege einer Ethik und einer Kultur, die auf der Würde des Menschen und kluger Zurückhaltung gründet, ist der einzig wahre Weg zu einer Welt mit mehr Frieden und Gerechtigkeit. Denn in der Tat: Der Krieg beginnt mit Worten. Lasst unsere Worte also immer mit Frieden beginnen.

Dr. Ján Figeľ war Sonderbeauftragter der EU für Religions- und Weltanschauungsfreiheit (2016–2019), Europäischer Kommissar (2004–2009), danach slowakischer Verkehrsminister (2010–2012) und ist aktuell Präsident von FOREF Europe.

Original auf English veröffentlicht auf HRWF

übersetzt von Michael Langhans, Executive Director FOREF Deutschland

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