Im polnischen Dorf Konotopie ragt ein neues Monument in den Himmel: Eine über 55 Meter hohe Marienstatue stellt sogar das Christus-Monument in Rio de Janeiro in den Schatten. Während Gläubige den Bau feiern, wirft das sakrale Großprojekt gesellschaftliche Fragen auf – insbesondere mit Blick auf die negative Religionsfreiheit.
Ein Sakralbau der Superlative
Gestiftet vom Multimillionär Roman Karkosik und geschätzt 23 Millionen Euro teuer, ist das „Denkmal der Muttergottes“ in Konotopie ein Bauwerk der Extreme. Mit einer Gesamthöhe von über 55 Metern gilt die Figur als größte Marienstatue Europas. Ziel des gigantischen Projekts ist es, konservative Pilgerströme anzulocken und ein unübersehbares Zeichen des Glaubens im öffentlichen Raum zu setzen.
Was bedeutet das für die negative Religionsfreiheit?
Während die positive Religionsfreiheit das Recht schützt, einen Glauben frei auszuüben und zu bekunden, garantiert die negative Religionsfreiheit das ebenso fundamentale Recht, nicht mit religiösen Symbolen oder Praktiken konfrontiert zu werden sowie frei von religiöser Bedrängnis zu leben.
In einem säkularen Rechtsstaat führt der Bau extremer Monumente im öffentlichen Raum zu Spannungen:
Dominanz im öffentlichen Raum
Durch ihre schiere Größe ist die Statue über Kilometer hinweg unübersehbar. Anwohner und Passanten können sich dem religiösen Symbol im Alltag nicht mehr entziehen – ein Eingriff in die visuelle Freiheit all derer, die einer anderen oder keiner Religion angehören.
Auch Polen erlebt einen gesellschaftlichen Wandel. Während ältere Generationen und eine konservative Jugend den Bau begrüßen, distanzieren sich immer mehr Menschen von der Kirche. Für Nicht-Gläubige oder Andersgläubige wirkt der sakrale Gigantismus wie ein Symbol gesellschaftlicher Vereinnahmung.
Auch wenn das Denkmal von einem privaten Stifter finanziert wurde, entfaltet es im öffentlichen Raum eine distributive Wirkung. Es drängt religiöse Symbolik in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens und verhindert die notwendige Wahrung einer weltanschaulichen Neutralität im Umfeld.
Fazit
Das Marien-Monument in Konotopie zeigt das Spannungsfeld moderner Demokratien: Wie weit reicht die Freiheit, den eigenen Glauben im monumentalen Maßstab zur Schau zu stellen – und ab wann beeinträchtigt diese Sichtbarkeit das Recht anderer, von religiöser Manifestation im öffentlichen Raum verschont zu bleiben? Für uns als FOREF ist insbesondere das unnötige Streben nach Gigantismus hier ein Problem, wie diese sicherlich interessante Idee anderen aufgezwungen wird und das gilt es zu vermeiden - oder wie würde man vor Ort reagieren, wenn andere Religionen nachziehen?