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Orwellsches Wahrheitsministerium auf Steuergeld

Orwellsches Wahrheitsministerium auf Steuergeld
Photo: Verlag Frank & Frei
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Bundesstelle für Sektenfragen schwingt die „Sekten“-Keule gegen konservative Eltern – und verprasst Millionen für Google-Journalismus

Wien/Berlin, 10. April 2026 (FOREF) – Eine Behörde, die eigentlich Jugendliche vor realen Gefahren schützen sollte, hat sich in ein teures Instrument ideologischer Gesinnungskontrolle verwandelt. Die Nationalratsdebatte vom 25. März 2026 und der Fall „Go&Change“ enthüllen schonungslos: Die Bundesstelle für Sektenfragen hat ihren gesetzlichen Auftrag verraten und betreibt mit Millionen Steuergeldern systematische Hetze gegen Andersdenkende.

Am 25. März 2026 geriet die Bundesstelle für Sektenfragen im österreichischen Nationalrat ins grelle Scheinwerferlicht. FPÖ-Abgeordneter Maximilian Weinzierl sezierte die einstige „Informationsstelle“ mit chirurgischer Präzision. Gegründet 1998 mit dem klaren Auftrag, konkrete Gefährdungen für Gesundheit und Entwicklung von Jugendlichen zu dokumentieren, sei sie heute zu einer „linken Überwachungspraxis mit Steuergeld“ verkommen. Weinzierl brachte es ungeschminkt auf den Punkt:

„Eine staatliche Behörde, die Jugendliche schützen soll, erklärt, dass sie für radikalen islamistischen Fanatismus nicht zuständig sei. Gleichzeitig wird ein Vater, der sein kleines Kind vor Frühsexualisierung im Kindergarten oder vor Transgender-Ideologien schützen will, als Gefahr verunglimpft. Genau diese absurde und verdrehte Schauspielerei liefert uns diese Bundesstelle für Sektenfragen.“

Der Begriff „Sekte“ – einst ein ernster Fachausdruck für reale Manipulation und Zwang – ist zur politischen Keule mutiert. Wer „es gibt nur zwei Geschlechter“ sagt, wer Regenbogenpropaganda in Kindergärten kritisiert oder ein klassisches Familienbild verteidigt, wird als „sektenähnlich“, „frauenfeindlich“ oder „demokratiegefährdend“ gebrandmarkt. Konservative Telegram-Kanäle? Sofort als „verschwörungstheoretische Netzwerke“ abgestempelt. Weinzierl weiter:

 „Statt realer Gefahren behandelt man nun politisch unliebsame Meinungen. Das ist für mich keine Behörde zum Schutz der Jugend und der Familie.“

Seine Schlussforderung war unmissverständlich: Die Bundesstelle hat ihren Auftrag verraten – sie muss vollständig abgeschafft werden. SPÖ und ÖVP blockierten den Antrag erfolgreich. Offenbar ist das „Google-Ministerium“ wichtiger als die Beseitigung des Lehrermangels. Allein die jährlichen 700.000 Euro entsprechen etwa 14 Lehrerstellen an Hauptschulen – Stellen, die frühzeitig Probleme bei Kindern und Jugendlichen erkennen könnten.

Die nackten Zahlen machen den Skandal greifbar: Sieben Mitarbeiter kassieren im Schnitt 82.000 Euro Jahresgehalt. In der letzten Legislaturperiode flossen fast drei Millionen Euro Steuergeld – zusätzlich 60.000 Euro pro Jahr allein für Aufträge an das umstrittene DÖW, das gerichtlich sogar als „kommunistische Tarnorganisation“ bezeichnet werden durfte. Viele Assistenzärzte, Lehrer oder Fachärzte verdienen in Österreich weniger als diese selbsternannten „Sekten-Experten“.

FOREF Europe hat die Vorwürfe seit über 15 Jahren akribisch, neutral und nachprüfbar dokumentiert. Das Ergebnis ist vernichtend: Die Behörde arbeitet dilettantisch, einseitig und oft rechtswidrig. Sie missbraucht den Sektenbegriff als systematische Waffe gegen Andersdenkende.

Im krassen Gegensatz dazu steht die brillante wissenschaftliche Arbeit des britischen INFORM-Zentrums unter Leitung von Professorin Eileen Barker. INFORM gilt international als Goldstandard für ausgewogene, empirische Religionsforschung: Es bezieht aktiv Mitglieder, Aussteiger und neutrale Beobachter ein, vermeidet jede Stigmatisierung und liefert faktenbasierte Analysen – genau das, was eine staatlich finanzierte Stelle eigentlich leisten sollte.

Stattdessen pflegt die Bundesstelle enge Verbindungen zur umstrittenen europäischen Anti-Kult-Dachorganisation FECRIS. Ihr früherer Leiter Dr. German Müller war zuvor bei der österreichischen FECRIS-Mitgliedsorganisation GSK (Gesellschaft gegen Sekten und Kultgefahren) tätig, deren Mitbegründer Friedrich Griess zugleich FECRIS-Co-Founder ist. Regelmäßige Treffen mit FECRIS gehören zur gängigen Praxis der Stelle – ein Netzwerk, das weltweit für die Stigmatisierung religiöser und weltanschaulicher Minderheiten kritisiert wird.

Besonders heikel: Trotz gesetzlicher Verpflichtung zur weltanschaulichen Neutralität pflegte die Bundesstelle über Jahre periodische Konsultierungen und Fachgespräche mit kirchlichen Sektenstellen der katholischen und evangelischen Kirche – Einrichtungen, die mit apologetischen Instrumentarien arbeiten und klare konfessionelle Interessen vertreten. Verfassungsrechtler Christian Brünner und Menschenrechtsaktivist Willy Fautré (HRWF) haben diese Praxis als hochproblematisch, ja verfassungswidrig eingestuft, weil sie die gebotene staatliche Neutralität in Religionsfragen massiv untergräbt.

Bereits 2010 fragte FOREF in dem Grundsatzbeitrag „Wer braucht die Bundesstelle für Sektenfragen?“:

„Von einer öffentlichen, mit Steuergeld finanzierten Stelle mit einem Jahresetat von über 400.000 Euro dürften die Steuerzahler mehr erwarten. Der bloße Verweis, Informationen über sogenannte Sekten zu sammeln, rechtfertigt nicht den Aufwand von sieben Mitarbeitern.“

2015 warnte FOREF vor der gefährlichen Vermischung von staatlicher Informationsarbeit mit ideologischem Antisekten-Aktivismus. Und 2020, gemeinsam mit Human Rights Without Frontiers, hieß es:

„Die Zielscheibe der staatlichen Anti-Sekten-Einrichtungen in Westeuropa verlagert sich von religiösen ‚Häretikern‘ zu ideologischen Nonkonformisten. Die Bundesstelle betrachtet Kritiker der COVID-19-Maßnahmen als ‚Verschwörungstheoretiker‘ – auf einer Wellenlänge mit der Kommunistischen Partei Chinas.“

Managing Director of the Federal Sect Agency Ulrike Schiesser -Screenshot / Sect Observatory Special Report / Corrigenda Collage

Selbst der unabhängige Rechnungshof kritisierte die Stelle bereits 2017 scharf: mangelnde Transparenz bei Methoden und Ergebnissen, fehlende strategische Ziele, kaum sichtbare Aufklärungsarbeit über echte Sektengefahren und unklare Ressourcenzuordnung.

Der Fall „Go&Change“– der Beweis für systematischen Google-Journalismus

Im BMI-Magazin „Öffentliche Sicherheit 3-4/2026“ und im Tätigkeitsbericht 2024 wird die deutsche Entwicklungsgruppe „Go&Change“ aus Lülsfeld als „aktuelles Beispiel für eine sektenartige Gemeinschaft mit Parallelen zur Mühl-Kommune“ hingestellt. Geschäftsführerin Ulrike Schiesser zitiert schwere Vorwürfe: Vergewaltigung, Psychoterror, Sex-Exzesse, Drogen.

Die schockierende Realität: Die gesamte Darstellung basiert auf zwei gegoogelten Medienartikeln. Kein Kontakt zu betroffenen Eltern, kein Gespräch mit dem Trägerverein, keine Anfrage beim Vorstand. Zwei betroffene Eltern haben FOREF schriftlich bestätigt: Weder Schiesser noch ihr Team haben sie je befragt.

Das ist kein Einzelfall. Mitglieder religiöser und weltanschaulicher Minderheiten berichten FOREF seit Jahren: Die Bundesstelle holt sich ihre „Fakten“ bevorzugt aus tendenziösen Medien und von Apostaten – aktive Mitglieder werden kaum kontaktiert. Wissenschaftliche Standards, wie sie Eileen Barker und Susan J. Palmer fordern (ausgewogene Quellen aus allen Lagern), werden schlicht ignoriert.

Dabei liegen klare Primärquellen vor, die die Bundesstelle geflissentlich übergeht:

Keine rechtskräftige Feststellung einer Kindeswohlgefährdung – und dennoch der Stempel „sektenartig“.

Ulrike Schiesser forderte bei einer ORF-Veranstaltung sogar offen Debanking und steuerliche Schikanen gegen „Gegner der Demokratie“. Das ist keine neutrale Information mehr. Das ist Orwellsches Wahrheitsministerium.

Wer braucht dieses „Google-Ministerium“ noch?

In Zeiten leerer Staatskassen lautet die brutale Frage: Will sich Österreich wirklich ein staatliches Wahrheitsministerium für drei Millionen Euro leisten, dessen Kernkompetenz darin besteht, deutsche Medien ungeprüft abzuschreiben? Oder sollte die Stelle endlich wieder neutrale Primärquellen prüfen und Grund- und Menschenrechte in jede Richtung verteidigen – auch für konservative Eltern und nonkonforme Gruppen?

FOREF Deutschland hat der Bundesstelle mit Schreiben vom 8. April 2026 (Az. 2603) die sofortige Korrektur des unwahren Eintrags zu „Go&Change“ sowie eine ausführliche Stellungnahme gefordert. Wir sind zur sachlichen Diskussion bereit. Aber eines ist klar: Wer echte Gefahren für Kinder und Jugendliche bekämpfen will, muss bei realem Missbrauch, Zwang und Gewalt ansetzen – nicht bei Eltern, die ihr Kind vor ideologischer Frühsexualisierung schützen wollen.

Die Debatte im Nationalrat war überfällig. Nun muss Konsequenz folgen: Transparenz, wissenschaftliche Standards und eine ehrliche Diskussion über die Zukunft – oder die Abschaffung – dieser einseitig agierenden Stelle. Der Sektenbegriff darf nicht länger als Freibrief für staatliche Hetze gegen Andersdenkende missbraucht werden.

Religions- und Weltanschauungsfreiheit gelten für alle – nicht nur für die, die gerade politisch opportun sind. FOREF Europe wird den Prozess weiter kritisch begleiten.

Michael Langhans (FOREF Deutschland) 

Peter Zoehrer (FOREF Europe)

 

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Peter Zöhrer

Journalist & Blogger | Advocate for Human Rights & World Peace | Fluent in English & German | Executive Director at @FOREF_EU | Seeking truth, driving change

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