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Shincheonji-Gründer Man-Hee Lee für 10 Stunden aus Haft entlassen: Medizinische Notwendigkeit oder rechtliche Farce?

Shincheonji-Gründer Man-Hee Lee wurde aus medizinischen Gründen für nur 10 Stunden aus der Untersuchungshaft entlassen. FOREF Info analysiert den Fall und hinterfragt den Nutzen einer extrem kurzen Haftaussetzung

Shincheonji-Gründer Man-Hee Lee für 10 Stunden aus Haft entlassen: Medizinische Notwendigkeit oder rechtliche Farce?
KI Symbolbild

Seoul / Uiwang – Der Gründer der südkoreanischen Glaubensgemeinschaft Shincheonji Church of Jesus, Man-Hee Lee (94), hat das Uiwang-Untersuchungsgefängnis in der Provinz Gyeonggi am 17. September 2026 vorübergehend im Rollstuhl verlassen. Das Bezirksgericht Seoul Zentral (Strafkammer 27) hatte am Vortag einer zehnstündigen Aussetzung des Vollzugs zugestimmt.

Die Unterbrechung galt exakt von 08:00 Uhr morgens bis 18:00 Uhr abends und wurde offiziell mit gesundheitlichen Gründen begründet. Lee steht derzeit wegen des Vorwurfs unter Anklage, Sektenmitglieder dazu gedrängt zu haben, der konservativen People Power Party (PPP) beizutreten, um Einfluss auf Vorwahlen zu nehmen.

Was steckt hinter der 10-Stunden-Entlassung?

Gegenstände von Haftaussetzungen aus gesundheitlichen Gründen sind im südkoreanischen Rechtssystem nicht ungewöhnlich, wenn akute medizinische Untersuchungen oder Behandlungen anstehen. Die extrem kurze Zeitspanne von lediglich zehn Stunden wirft jedoch grundlegende verfahrensrechtliche und humanitäre Fragen auf.

Nach Gerichtsangaben diente die Maßnahme der Durchführung dringender medizinischer Checks in einer externen Klinik, die innerhalb der Haftanstalt nicht adäquat durchgeführt werden konnten.

Kritische Anmerkung: Was bringt eine Haftaussetzung von 10 Stunden?

Aus Sicht des Menschenrechtsschutzes und der medizinischen Vorsorge muss eine Haftunterbrechung von nur zehn Stunden für einen 94-jährigen Häftling kritisch hinterfragt werden:

Keine nachhaltige medizinische Versorgung:

Eine Zeitspanne von zehn Stunden – inklusive Transport hin und zurück, bürokratischen Übergaben und Sicherheitsvorkehrungen – reicht bestenfalls für oberflächliche diagnostische Tests. Eine fundierte Therapie, regenerative Beobachtung oder eine komplexe Behandlung lässt sich in einem solchen Zeitfenster kaum realisieren.

Körperliche Belastung durch den Transport:

Für einen hochbetagten Menschen im Rollstuhl bedeutet der Transport aus dem Gefängnis, die logistische Abwicklung und die Rückkehr unter Zeitdruck eine erhebliche physische und psychische Belastung. Der Stress des Transports kann den potenziellen Nutzen einer kurzen Untersuchung rasch zunichtemachen.

Frage der Verhältnismäßigkeit:

Wenn der Gesundheitszustand eines Angeklagten eine Entlassung erfordert, muss gewährleistet sein, dass eine medizinische Behandlung auch tatsächlich zum Erfolg führen kann. Eine stundenweise Freilassung wirkt eher wie ein formaler Kompromiss zwischen Justiz und Verteidigung als wie eine wirksame gesundheitliche Maßnahme.

Fazit & Ausblick

Der Fall verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen justiziellem Strafverfolgungsanspruch und der Gewährleistung angemessener gesundheitlicher Versorgung hochbetagter Untersuchungshäftlinge. FOREF Info wird die weiteren Entwicklungen rund um das Gerichtsverfahren und die Haftbedingungen im Fall Shincheonji weiterhin beobachten.

Michael Langhans

Michael Langhans

Executive Director FOREF Deutschland, Volljurist, Familienrechtsexperte und Menschenrechtsaktivist.

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