Der „Volksverpetzers“ mischt nun auch im Sektennarrativ mit und befasst sich im Kontext der „Ostdeutschen Allgemeinen“ intensiv mit der Anastasia-Bewegung.
Wie von uns an der Bundesstelle für Sektenfragen kritisiert, kommt auch hier weitgehend nur eine Seite zu Wort, dafür werden Querdenker, Sekten, Corona-Leugner, Esoteriker und andere zusammengemischt. Das Ergebnis: Ein Artikel mit Anschuldigungen, aber aus unserer Sicht ohne Substanz. Einzige Quelle: Wikipedia. Die wiederum verweist auf Relinfo.ch. Dort wiederum werden konservative Geschlechterrollen und eingeschränkte Sexualität beschrieben als "Kontroversen".
1. Die Anastasia-Bewegung als völkische Öko-Sekte
Der Artikel charakterisiert die Anastasia-Bewegung als eine gefährliche Mischung aus Esoterik, ökologischem Lifestyle und rechtsextremer Ideologie. Kern der Bewegung sind die Roman-Bestseller des Russen Wladimir Megre über die Kunstfigur „Anastasia“.
Sektenstruktur: Die Bewegung agiert oft dezentral über sogenannte „Familienlandsitze“. Es wird ein autarkes Leben angestrebt, das zur Isolation von der Mehrheitsgesellschaft führt – ein klassisches Merkmal für geschlossene Gruppierungen.
Völkische Ideologie: Hinter der harmlos klingenden „Naturverbundenheit“ verbirgt sich ein tief verwurzeltes völkisches Denken. Es wird die Theorie einer „weißen Rasse“ (Hyperborea) propagiert, was die Sekte für Neonazis und Siedler aus dem rechtsextremen Spektrum attraktiv macht.
2. Rekrutierung und Tarnung
Der Artikel warnt davor, wie die Gruppierung neue Mitglieder gewinnt:
- Ökologischer Deckmantel: Die Sekte nutzt Themen wie Permakultur, Naturschutz und alternative Medizin, um Menschen aus der Öko-Szene oder dem bürgerlichen Milieu anzusprechen, die der Moderne skeptisch gegenüberstehen.
- Unterwandern von Strukturen: Es wird beschrieben, wie die Bewegung versucht, im ländlichen Raum (insbesondere in Ostdeutschland) Grundstücke zu kaufen, um dort ihre Ideologie fernab staatlicher Kontrolle auszuleben.
3. Ideologische Schnittmengen (Antisemitismus)
Ein zentraler Punkt des Artikels ist die Aufdeckung der ideologischen Kernelemente:
- In den Schriften der Sekte finden sich laut Analyse des Volksverpetzers deutliche antisemitische Narrative. Das teilt Relinfo.ch auch.
- Es wird das Bild einer „geheimen Elite“ gezeichnet, die die Welt kontrolliere – ein klassisches antisemitisches Motiv, das die Brücke zur Querdenker-Szene schlägt.
- Die staatliche Ordnung wird abgelehnt; stattdessen wird eine Rückkehr zu „natürlichen“ (oft autoritären und patriarchalen) Stammesstrukturen gefordert.
Fazit des Artikels zum Sektenthema:
Die „Ostdeutsche Allgemeine“ dient laut Volksverpetzer als Sprachrohr für solche Strömungen. Die Gefahr besteht darin, dass rechtsextreme Inhalte durch den Fokus auf „Natur“ und „Heimat“ normalisiert werden und Menschen schleichend in eine sektenartige, antidemokratische Parallelwelt abgleiten.
Wir kritisieren hingegen, dass erneut ein Sektennarrativ bedient wird, ohne Betroffene oder neutrale Beobachter zu zitieren. Ohnehin ist der Artikel wenig klar geschrieben. Möchte man sich mit Anastasia befassen oder mit Runa Elisa L.? Wenn man von einer Sekte spricht, muss man dann nicht schärfer Meinung und Religionsfreiheit abgrenzen und beides beleuchten?
Aus unserer Sicht wird der Begriff "Sekte" nur als Clickbait für den ansonsten politischen Artikel genutzt. Das ist aus meiner Sicht schade, weil dadurch die Aufklärung in jede Richtung verwässert und unterschiedliche Versatzstücke ohne großen Bezug anders als von den Autoren beabsichtigt sein Gesamtbild geben. Gleichzeitig sieht man hier deutlich, dass ähnlich von Sektenberatungsstellen letztlich "alles" unter einem Hut kommentiert werden soll. Ich bleibe lieber bei einem Thema, dem der Religionsfreiheit.
Denn ob eine "Sekte" vorliegt und welche "Kriterien" erfüllt sind, bleibt vage im Artikel.