Diese Frage darf man sich stellen, wenn man den Artikel von "ZDF Heute" gelesen hat. Der Artikel knüpft daran an, wie von uns berichtet, dass Singapur die "beste religiöse Diversität" hat, wie PEW Research ermittelt hat.
Denn diese Diversität wird mit Eingriffen in die persönliche und die Religionsfreiheit erkauft:
Keine einzelne ethnische Gruppe kann einen bestimmten Bezirk eines Wohnviertels dominieren.
Und:
"Wir können hier nicht alles sagen und tun", sagt Pastorin Martina Klein der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Singapur. Wo in anderen Ländern die Grenzen zwischen Hate Speech und Meinungsfreiheit verschwimmen, sind die Spielregeln in Singapur sehr klar. Wer etwa einen diskriminierenden Kommentar im Internet absetzt, dem droht eine mehrwöchige Haftstrafe. (Quelle heute)
Fachlich ist bei allem guten Willen eines klar: Die Strafen in Singapur, wer das friedliche Zusammenleben angreift, sind ein Eingriff in die Religionsfreiheit.
Während dieser berechtigt sein dürfte, wenn jemand eine andere Religion oder einen Mitmenschen anderer religiöser Überzeugung angreift, gilt dies bereits bei Aussagen (!) im religiösen Kontext, so dass der Staat das Religionsverständnis interpretiert und bewertet:
Der Grund: Wer in Singapur das friedliche Zusammenleben angreift oder die religiöse Harmonie stört, wird bestraft - unverzüglich und mit voller Härte. Ganz gleich, ob hochrangiger Religionsvertreter oder Bürger im Internet: Die Regierung greift durch.
So wurde einem indonesischen Priester die Einreise verweigert, weil er in einer Predigt Selbstmordattentate im Kontext des Israel-Palästina-Konflikts legitim nannte. Einem christlichen Prediger wurde die Arbeitsgenehmigung entzogen, nachdem er Allah als "falschen Gott" diffamiert hatte. Und ein Imam des Landes verwiesen, weil er in einem Freitagsgebet um göttliche Hilfe gegen Christen und Juden bat. (Quelle heute aaO)
Spätestens wenn man eine "Kontextpflicht" verankern will, überschreitet man eine Grenze.
Ein Fall, den die Behörden gleich nutzten, um auch Rabbi Abergel und einem christlichen Kollegen deutlich zu machen: "Auch in eurer Bibel gibt es Verse, die im Kontext gepredigt werden müssen. Wenn ihr das nicht macht, werden wir euch genauso verfolgen, wie den Imam", erzählt er.
Doch: Geben die Ergebnisse Singapur Recht?
Für Juden sei Singapur wahrscheinlich der sicherste Ort der Welt, sagt Rabbi Mordechai Abergel
"Wir brauchen keine Soldaten, die an den Toren unserer Synagogen oder vor unserer Schule stehen. Das ist die Art von System, in dem sich ein Jude nicht sorgen muss, dass er in ein bestimmtes Viertel geht und jemand ihn verbal beschimpft oder angreift."
Heiligt der Zweck also die Mittel? Das ist eine spannende Frage, die ich abschließend nicht beantworten kann. Sich für stärkere Religionsfreiheit aussprechen hieße Gewalt tolerieren und positives Miteinander negieren. Es nicht zu tun hieße meine eigene Überzeugung "über Bord werfen". Die Lösung ist daher wohl recht einfach: Die Religionsfreiheit ist ein so wunderbares Gut, dass Menschen damit nicht immer das richtige Anfangen können und damit anleitende politische Vorgaben im Sinne der deutschen "Schranken-Schranken" notwendig sind. Weil es ohne eben nicht geht, so wie echte Freiheit ohne die Beschränkung der Rechte der anderen nicht bestehen kann, weil sie sonst zur Anarchie wird.