Einflussnahme am Beispiel Go&Change
Der Status quo Religionsfreiheit in Deutschland an ausgewählten Beispielen zwischen 2013 und 2025
Ein ganz normaler Tag in Bayern nach der Festnahme eines mutmaßlichen Straftäters. Plötzlich klingelt bei einem Polizeipräsidenten in Unterfranken das Telefon. Am anderen Ende nicht die Presse, sondern der lokale, politische König, der Landrat (als solcher Leiter der kommunalen Selbstverwaltung in Doppelfunktion mit der untersten Staatsverwaltung). Aus seinem Mund keine Bitte, sondern eine klare Ansage: Wieso erfährt seine Behörde, also vor allem das Jugendamt, so spät von dieser Festnahme? Der Landrat leitet damit den Versuch der Inobhutnahme des Sohnes des mutmaßlichen Straftäters ein, obwohl die Mutter sich nichts zu Schulden kommen hat lassen und ein Patenonkel bereitstehen. Verhältnismäßigkeit wird nicht geprüft, ein Sektenmitglied ist per se unzuverlässig, findet sich in der Akte – aber keine Begründung, warum dies so sei. Die Herausnahme misslingt. Später hebt das zuständige Oberlandesgericht den gerichtlichen Beschluss auf.
Aus einem normalen Tag wird damit eine Mission für FOREF. Denn der Verhaftete ist niemand anderes als Kai K., Gründer, Mitglied, spirituelles Zentrum und Leitungsperson der Weltanschauungsgemeinschaft Go & Change, einer Entwicklungsgemeinschaft für Lebensqualität (https://goandchange.de/)
Subjektive Selbstdarstellung von Go&Change (unredigiert)
Wer wir sind
Alles begann, als sich Kai und Felix Anfang 2015 in Leipzig kennen lernten. Beide wollten Antworten auf die dringendsten sozialen und individuellen Probleme unserer Zeit finden: Wie schaffen wir es, die künstliche und destruktive Trennung zwischen Menschen, die zu so viel Leid auf der Erde führt, zu überwinden und so friedlich zusammenzuleben, dass sich die Lebensqualität für alle erhöht? Die Antwort darauf, darin waren sie sich schnell einig, würde sie weniger durch theoretische Erkenntnisse als durch gemeinschaftlich gelebte Praxis entwickeln. Und so gründeten sie mit einigen Freunden im Sommer des Jahres 2015 die „Entwicklungsgemeinschaft für Lebensqualität – Go&Change“, mit der sie 2016 die erste Gemeinschaftswohnung in Halle bezogen. Ins Zentrum stellten sie die Verständigung auf gemeinsame Werte von Liebe, Frieden und Glück – eben Lebensqualität –und deren konsequenter Schutz im Miteinander sowie die konsequente Orientierung an Wahrheit und Eigenverantwortung. Eine gemeinsame Lehrmeinung gab und gibt es nicht, genauso wenig wie eine Beschränkung auf bestimmte Methoden. Der Maßstab sind die Realität und die gemeinsamen Werte. Die Messgröße sind nicht Meinungen oder Behauptungen, sondern das tatsächliche, alltägliche Verhalten. Alles, was dabei an Methoden und Instrumenten hilft, ist willkommen. Am besten zusammenfassen lässt es sich unter den Begriffen Innenarbeit – ich wende mich bewusst und liebevoll den konstruktiven wie destruktiven Anteilen in mir zu – und transparente Kommunikation – wir teilen ehrlich unsere tiefsten Ängste und unser höchstes Glück, sowie die Wahrnehmungen, die wir voneinander haben.
Die Orientierung, in allen Lebensbereichen nach Wahrheit und Liebe zu streben, bringt es unweigerlich mit sich, dass früher oder später praktisch alles zum Thema wird, was in der Gesellschaft sonst tabuisiert ist: Geld, Macht, Gewalt, im Geschlechterverhältnis, Sexualität und Liebe. Beispielsweise bricht die Entscheidungsfindung der Gemeinschaft mit dem in vielen Gruppen und Gemeinschaften verbreiteten Narrativ, dass es keine Hierarchien gebe bzw. geben dürfe: Bei Go&Change sind diejenigen an der Leitung und Ausrichtung der Gemeinschaft beteiligt, die bewiesen haben, dass sie sich durch ihre Perspektive, ihr Handeln und ihre Verantwortungsübernahme am meisten für das Gemeinwohl einsetzen – eine Liebes- und Kompetenzhierarchie, die sich immer wieder neu justiert. Gleichzeitig muss sich jedes Gemeinschaftsmitglied an allen wichtigen Entscheidungen beteiligen und seine Meinung teilen.
Diese Ausrichtung und die sich damit schnell ergebende Friedlichkeit, Lebendigkeit und Lebensqualität, zog von Anfang an viele Interessierte an. Schon bald wurde die Wohngemeinschaft in Halle zu klein. Die Gemeinschaft suchte ein neues Zuhause und fand dieses im ehemaligen Kloster Maria Schnee in der Gemeinde Lülsfeld in Bayern. Im Frühjahr 2017 fand der Umzug statt und seitdem bewohnt eine Gruppe von fünf bis 90 Menschen das große Klostergebäude. Die Menschen teilen das weitläufige Gelände mit zahlreichen Tieren wie Ponys, Esel, Ziegen, Schafe, Mini-Schweine, Katzen, Mini-Kängurus, Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner, Enten, Gänse, Pfauen, Fasane und weitere diverse Vogelarten. Alle Tiere leben dort unter besonders artgerechten Bedingungen und werden bewusst nicht als Nutztiere gehalten. Der Klostergarten und die Obstbaumplantage sind sehr naturnah gestaltet und werden je nach personellen Kapazitäten zur Selbstversorgung genutzt.
Für viele war und ist die gemeinsame Zeit im Kloster die intensivste, berührendste, beglückendste, aufregendste und friedlichste in ihrem Leben. Seien es Intensivzeiten oder Partys, Arbeitsaktionen oder Hochzeiten, Eisbaden oder Computerspielen – jeder, der einige Zeit bei und mit Go&Change gelebt hat, hat einen Schatz an Erinnerungen, Berührungen, Herausforderungen und Entwicklungsimpulsen gesammelt.
Pressesichtweise eine andere
Natürlich findet sich in der Pressewahrnehmung und -darstellung eine andere Sichtweise.
Doch was ist die Wahrheit? Und brauchen wir eine Wahrheit, wenn es verschiedene Sichtweisen gibt, die jeder für sich selbst abwägen kann, so er will?
Typische Auffälligkeiten bei neuen religiösen Gemeinschaften
Was für den einen oder anderen eine normale Situation sein mag, dass Jugendämter auf Weisung der Politik loslegen, ist für mich eine typische Auffälligkeit für solche Verfahren um neue religiöse Gemeinschaften oder auch Weltanschauungsgemeinschaften. Um diese aus politischer oder mehrheitlicher Sicht unerwünschten Personen zu vertreiben, greift man nach den Kindern, noch bevor rechtskräftige Verurteilungen im Raum stehen. Man schafft Fakten. Opfer sind die, die der staatlichen Fürsorge und des staatlichen Schutzes am meisten bedürfen: Kinder, hilflos, wehrlos, unschuldig.
Jagd nach der Erbsünde?
Gleichwohl scheint das Jugendamt Jagd auf die „Erbsünde“ zu machen. Die Mathematik ist einfach: Ohne Kinder kein Nachwuchs, ohne Nachwuchs keine Zukunft, ohne Zukunft ein gelöstes Problem und eine hoffentlich freie Immobilie in der grünen Prärie von Unterfranken.
So weit so gut. Doch ist dies eine Ausnahme? Mitnichten: In den von mir in der Vergangenheit betreuten Verfahren war auch diese Vorgehensweise üblich und ist zu erwarten, dass sie in Zukunft stattfinden wird. Neu ist der direkte beweisbare Einfluss eines Lokalpolitikers mit erheblichem Einfluss. Was bei den Zwölf Stämmen noch der subtile Druck eines großen TV-Senders war, eine Behörde der Untätigkeit bloßzustellen zur Primetime, ist hier die nur unzureichend verwischte direkt Order 66: Weg mit den Gurus, der Sekte, den Menschen. Was aus meiner Sicht eine etwas überdimensionierte Wohngemeinschaft ist mit WG-typischem Koch- und Putzdienst, wird natürlich schnell als „Sekte“ verteufelt. Doch war dies nur bei Go & Change so? Liegt in rechtlicher Hinsicht eine nachweisbare, systematische Verletzung der Religions- und Weltanschauungsfreiheit, einem Relikt aus der Weimarer Reichsverfassung, die es ist das Grundgesetz geschafft hat, vor?
Darauf angesprochen in einem verwaltungsgerichtlichen Verfahren, bei dem die Wahrheitspflicht gilt, lässt er durch seine Behörde bestreiten, dass es das Telefonat oder eine regelwidrige Einmischung gab. Würde die Kriminalpolizei nicht ordentlich ihre Akten führen, gäbe es den Skandal dann nicht? Was ist wichtiger, der Skandal oder der Nachweis desselben?
Die beiden weiteren Teile folgen in Kürze
1/3 Einflussnahme am Beispiel Go&Change