In einem weiteren Artikel auf Watson wird die von uns bereits hier berichtete Situation der Palmarianer auf eine Art wiederholt, die man nur noch als hetzerisch und bewusst verfälschend kritisieren kann.
"Der Gegenpapst Joseph Odermatt will nicht, dass seine Gläubigen schwimmen lernen"
Es geht nicht ums schwimmen lernen, sondern darum, dass die Gemeinschaft keine nackten Beine und Arme insbesondere bei Frauen möchte. Ginge es um das schwimmen lernen, könnte man das auch außerhalb des Schulschwimmunterrichts sicherstellen als milderes Mittel.
Aber was soll man von einem Artikel, der mit "Sektenblog" überschrieben ist, schon erwarten? Genau! Mehr Hass und Hetze. Hier ein paar Beispiele:
- "manche Sektenführer und ihre Anhänger geistig umnachtet seien"
- "abstrusen Ideen"
- "Biegen sie ihr religiöses Weltbild mit der Brechstange zurecht"
- "klassischen Sekten wie Scientology"
- "Bei seinem Machtanspruch stört es ihn nicht, dass die «Mutterkirche» 1,4 Milliarden Gläubige zählt, seine Splittergruppe nach eigenen Schätzungen nur etwa 10'000."
- "Er liess sich auf fragwürdige Weise zum Priester weihen und gründete einen eigenen Orden, den er als Gegenkirche verstand."
- "Der Sprung ins geistige Mittelalter war dann nur noch eine Formsache."
- "Die Marienverehrung nimmt bei den Palmarianern ein kurioses Ausmass an. "
- "Der Gründer Clemente Domínguez y Gómez behauptete, ihm sei im spanischen Ort Palmar de Troya 1968 bei göttlichen Visionen die Mutter Gottes erschienen."
- "Später erlebte er weitere religiöse Phänomene. Er erklärte, Wunder und Stigmatisationen erlebt zu haben. Pech für ihn war aber, dass das aus den vermeintlichen Wunden austretende Blut nicht seine Blutgruppe aufwies."
- "Schliesslich wies der palmarianische Papst Maria einen göttlichen Rang zu."
- "Weiter behauptete Gómez, bei der Eucharistie sei nicht nur Jesus Christus anwesend, sondern auch Maria."
- "Kurios ist auch der Glaube, dass sich die angehenden Priester bei der Weihe mit Maria vermählen würden."
- "Nichts eignet sich so gut für geistige Verwirrungen und Missbräuche wie der religiöse Glaube."
- "Deshalb tut man gut daran, besonders in Glaubensfragen Vernunft und Verstand zu schärfen."
- usw.
Bei allem Misstrauen gegen Religionen, den man andersdenkenden zutrauen muss: Wo sind hier sektiererische Handlungen, Kriminalität, Machtmissbrauch?
Darf und muss ein Boulevardblatt so über andersdenkende sprechen? Und steht eine religiöse Einordnung der Presse zu?
Wichtig ist dabei aus meiner Sicht, dass man verkennt, dass auch die katholische Kirche Wandlungen hinter sich hat, wir erinnern uns nur an das 1. Konzil von Nicäa, das Jesus "Rang" bzw. "Wesen" klarifiziert hat - allerdings durch ein Eingreifen von Kaiser Konstantin, der die Diskussionen beendet haben soll.
Es steht also jederman zu, in seiner Religionsfreiheit abweichende Ansichten zu vertreten. Dies sollte die Presse nicht kommentieren, da es ihrem Auftrag der Kontrolle nicht entspricht, inhaltliche Aspekte von Religionen zu bewerten. Ohnehin schreibt der deutsche Pressekodex in Nr. 10 vor:
"Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen."
Man sollte das auch um den Aspekt der Bewertung erweitern. Kritik ist erlaubt und Notwendig, der Rest nicht.
Der Autor Hugo Stamm scheint insoweit kein unbescholtener. Artikel wie "Die Gefahr hinter den geistigen Abgründen der Gurus ist real" trieft ebenso an aus meiner Sicht hetzerischer Sprache und - um der lieben Keywords willen - an Namedropping, um sich selbst als fachlich versierter zu geben, als man offenkundig ist. Doch die Anzahl an Kommentaren gibt ihm Recht: Der Hetze wird sich rege angeschlossen. Quellen hingegen für die vielen Behauptungen finden sich nicht.