Neues Forum für Mitteleuropa in Washington gegründet
Internationaler Gipfel für Religionsfreiheit in Washington D.C.
Beim IRF-Gipfel in der US-Hauptstadt haben Menschenrechtsaktivisten aus Mitteleuropa eine neue Plattform ins Leben gerufen. Ihr Ziel: Institutionelle Vorurteile und die soziale Stigmatisierung durch Medienberichte entschlossen zu bekämpfen.
Die Kernbotschaft bei der Gründung des „Central Europe Forum for Freedom of Religion or Belief“ (FoRB) war eindeutig: Menschenrechte schützen sich nicht von selbst. Selbst in gefestigten Demokratien kann die Glaubensfreiheit schleichend erodieren – sei es durch bürokratische Willkür, einseitige Gesetze oder reißerische Medienberichte. Das neue Forum nimmt diese Herausforderungen in Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn ins Visier und setzt dabei auf Fakten, Dialog und langfristiges Engagement.
Am 4. Februar 2026 fiel der Startschuss im historischen Kennedy Caucus Room des Senatsgebäudes in Washington D.C. Unterstützt von der Organisation Human Rights Without Frontiers (HRWF) und dem IRF-Sekretariat, stieß die Eröffnung auf großes Interesse: Über 20 Experten vor Ort und mehr als 50 Teilnehmer online sorgten dafür, dass die Sitzung weit über die geplante Zeit hinausging.
Eine faktenbasierte Plattform für die Region
Der Vorsitzende des Forums, Hans Noot, definierte die Initiative als unabhängige, zivilgesellschaftliche Plattform. Das Forum ist weder staatlich gelenkt noch von einer einzelnen Religionsgemeinschaft dominiert. Ziel ist es, politische Entscheidungsträger durch fundierte Analysen objektiv zu beraten. Durch vierteljährliche Treffen soll die Kluft zwischen internationalen Versprechen (etwa bei der EU oder den Vereinten Nationen) und der tatsächlichen Umsetzung in den einzelnen Ländern überbrückt werden.
Zwei Gesichter der Diskriminierung
Willy Fautré, Direktor von HRWF, machte deutlich, dass Religionsfreiheit nicht nur in Diktaturen bedroht ist. In demokratischen Gesellschaften sieht er zwei Hauptprobleme:
- Abgestufte Anerkennungssysteme: Historisch gewachsene Kirchen genießen Privilegien, während kleinere Gemeinschaften rechtlich benachteiligt oder gar nicht anerkannt werden.
- Mediale Stigmatisierung: Reißerische Berichterstattung über religiöse Minderheiten führt oft zu sozialen Folgen für die Gläubigen – vom Jobverlust bis hin zum Bruch mit der eigenen Familie.
„Institutionalisierte Vorurteile“
Peter Zöhrer, Geschäftsführer von FOREF Europe, fand deutliche Worte zur Lage in Österreich. Er beschrieb ein System der „schleichenden Entwürdigung“ durch bürokratische Hürden und kulturelle Vorurteile. Als Beispiel nannte er die staatlich finanzierte „Stelle für Sektenfragen“ in Österreich, die trotz Kritik am mangelnden Nutzen ein Budget von fast 800.000 Euro verwaltet. In Österreich gibt es zudem rund 29 solcher Beratungsstellen – eine Dichte, die in Europa ihresgleichen sucht.
„Etiketten ersetzen Beweise, Wiederholung ersetzt Argumente. Das ist keine neutrale Information – das sind institutionalisierte Vorurteile“, so Zöhrer.
Er verwies zudem auf Ungarn, wo über 200 religiösen Gemeinschaften der Rechtsstatus entzogen wurde, und auf Tschechien, wo ein Akademiker aufgrund seiner Forschung über Minderheitsreligionen durch medialen Druck seinen Posten verlor.
Religionsfreiheit ist ein Recht für alle
Der ehemalige EU-Sonderbeauftragte Dr. Ján Fige betonte in einer Botschaft, dass Religionsfreiheit sowohl für Gläubige als auch für Nichtgläubige essenziell ist: „Sie ist der Weg zur Würde eines jeden Menschen.“ Gerade die Länder Mitteleuropas, die Jahrzehnte unter kommunistischer Unterdrückung gelitten haben, hätten heute die moralische Glaubwürdigkeit, als starke Anwälte für diese Freiheit aufzutreten.
Ein neuer regionaler Akteur
Mit der Gründung des Forums entsteht eine Stimme, die:
- Verifizierte Informationen bereitstellt.
- Den Dialog zwischen Experten und Politik fördert.
- Konkrete Verbesserungen für den Schutz von Minderheiten anstößt.
Wie ein Sprecher es treffend zusammenfasste: Glaubensfreiheit läuft nicht auf Autopilot. Sie braucht Wachsamkeit, Verantwortung und den Mut, sie aktiv zu verteidigen.