WIEN, IMAME-KONFERENZ
ÖSTERREICHISCHE IMAME-KONFERENZ
SCHLUSSERKLÄRUNG
http://www.derislam.at/haber.php?sid=59&mode=flat&order=1

Präambel
Der Grazer Imame-Konferenz im Juni 2003 gelang es,
eine wichtige Basis bei der Standortbestimmung des
Islam in Europa zu legen. Das hier durch mehr als
120 Delegierte aus 35 Ländern zum Ausdruck gebrachte Bekenntnis zu
Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und die deutliche
Verurteilung von Extremismus und Fanatismus wurde
anhand islamischer Quellen dargelegt und in ganz
Europa gerade in muslimischen Kreisen mit großer Zustimmung
aufgenommen. Diese Erklärung ist ein wichtiger Baustein in einem
Prozess, der in einem immer konkreteren und
praktische Fragen aufgreifenden innermuslimischen
Diskurs die Identität der MuslimInnen in Europa stärken
soll. Weitere Konferenzen sollten folgen. Die Kompatibilität einer
muslimischen Lebensweise in Europa verlangt nach innen wie außen
sichtbar gemacht zu werden.
In Österreich entschlossen sich die MuslimInnen unter dem Eindruck jüngster
Ereignisse nicht erst auf eine unmittelbare Fortsetzung der Grazer
Konferenz zu warten, die als großes Projekt wieder
in enger Kooperation mit dem Außenministerium für
2006 ins Auge gefasst wurde, sondern das für derartige
Unternehmungen ideale österreichische Klima zu einer internen
Konferenz zu nutzen. Österreich gilt auch im
europäischen Ausland zunehmend als modellhaft, was
den Umgang mit dem Islam betrifft. Der Anerkennungsstatus
des Islam fördert den Dialog auf gleicher Augenhöhe und schafft so
ein Klima
sozialen und religiösen Friedens.
MuslimInnen leiden zunehmend unter einer unzulässigen Gleichsetzung von
Islam mit Terrorismus, die in der öffentlichen Meinung verstärkt als
ablehnende Grundhaltung um sich greift. MuslimInnen sehen sich einem
starken Rechtfertigungsdruck ausgesetzt. Die im
Zusammenhang mit dem "globalen Krieg gegen den
Terror" erfolgte Konzentration auf ein kleines und enges Segment
von Radikalen, die in jeder Debatte über den Islam allgegenwärtig
sind, ließ einen fatalen Eindruck
entstehen: Terror und Intoleranz seien im Islam
selbst angelegt und jeder Muslim zumindest potentiell gefährlich. Neu
etablierte Wörter wie jenes vom "Schläfer" mussten in der Bevölkerung den
Eindruck erwecken, als könne von jedem Muslim Gewalt ausgehen.
In dieser Situation tragen die MuslimInnen selbst Verantwortung, eine
Bringschuld, für größtmögliche Transparenz zu sorgen und den Fokus
endlich wieder auf die überwältigende Anzahl von
MuslimInnen zu legen, die gerade in Umsetzung der
Lehren ihrer Religion für gegenseitigen Respekt und
Verständnis stehen und menschenverachtenden Terrorismus ablehnen.
MultiplikatorInnen des friedliebenden und vernünftigen Islam kommt hier eine
besondere Rolle zu. Die Stimme der Imame, der Theologinnen und
Intellektuellen soll nach innen und außen durchdringen. Sie haben den
direkten Kontakt zur Basis und können so viel bewirken. Die
eindeutigen Positionen des Islam zu dem Gut der
Freiheit, zu Menschenwürde und Frauenrechten
müssen Allgemeingut werden. Denn die beste Medizin gegen Hass
und Intoleranz ist das Wissen.
Positionsdarlegung und Beschlüsse
zu "Islam in Österreich"
Gemeinsame Werte in Diversität
Diversität ist in den europäischen Gesellschaften ein überall zu
beobachtendes Phänomen. Ein Schlüssel zu einem nutzbringenden Umgang
mit dieser Vielfalt ist die Einsicht, dass hier
schließlich auch eine Gemeinsamkeit liegt, der
größte gemeinsame Nenner zwischen MuslimInnen und
Menschen anderer Religion oder Weltanschauung. Von Gemeinsamkeiten ausgehend
erschließt sich der universale Charakter allgemein gültiger Werte,
die die Qualität des menschlichen Zusammenlebens
ausmachen.
Was die Christen und Juden betrifft, so sind Jesus und Moses, Friede sei mit
ihnen, gemäß dem edlen Koran und der Sunna große Gesandte aus dem
Kreis der fünf größten Propheten in der
Weltgeschichte. Auf ihren Spuren und Wegen ist
unser edler Prophet Muhammad, Friede sei mit ihm, gegangen. MuslimIn ist
nur, wer auch diese Propheten bezeugt. In einem universalen Rahmen
gedacht, ist der Glaube der MuslimInnen an eine
gleiche gemeinsame Abstammung aller Menschen die
Grundlage für die Denkschule, die Menschlichkeit gleich der
großen humanistischen Tradition als zentralen Wert in die Mitte
rückt. Menschliche Verantwortung füreinander und
für die Schöpfung kann nur greifen, wenn der
Mensch als Mensch gleich betrachtet wird, ohne mit
zweierlei Maß zu messen.
Die Umsetzbarkeit kann viel eher gelingen, wenn Werte nicht eifersüchtig
von einzelnen Gruppen für sich beansprucht werden. Mit anderen
Religionen, Ideologien und Weltanschauungen
verbinden uns das Streben nach Freiheit,
Gerechtigkeit und Menschenwürde. Dazu in Opposition stehen Armut,
Unterdrückung, Diskriminierung, Rassismus und Besatzung.
Stellenwert des Lebens
Das Leben ist das höchste Gut im Islam. Daher kommt ihm absoluter Schutz zu,
unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit, religiösem Bekenntnis,
Weltanschauung, gesellschaftlicher Stellung, körperlichem oder
geistigem Vermögen. "[.] Wer einen Menschen tötet,
für den soll es sein, als habe er die ganze
Menschheit getötet. Und wer einen Menschen rettet, für den soll es
sein, als habe er die ganze Welt gerettet." (Koran 5:32).
Freiheit
Unmittelbar nach dem Leben genießt die Freiheit höchste Priorität. Dem
Menschen von Geburt an zu eigen, ist sie genauso schützenswert.
Niemand soll aufgrund der eigenen Meinung Sorge um
sein Leben haben, diskriminiert werden oder bei
der Ausübung der Religion, bzw. Weltanschauung behindert werden.
Die Unterschiede in den Perspektiven und Auffassungen sind für
MuslimInnen als gottgewollt zu respektieren. Alle
Formen des Zwanges in der Religion werden daher
abgelehnt.
Stellung der Frau
Frauen und Männer sind Partner, gleich an Menschenwürde, Rechten und
Pflichten. Daraus ergibt sich das Recht der Frau an Lernen und
Lehren, das Recht auf Arbeit, aktives und passives
Wahlrecht, Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs
und Entscheidungsprozess, finanzielle
Unabhängigkeit. Es ist zwingend notwendig, der Frau die gleichen Chancen wie
dem Mann zu garantieren, damit sie sich mündig und frei orientieren
kann, um ihre persönlichen Ziele im Leben zu
verwirklichen. Es ist nicht genug,
Benachteiligungen gegenüber Frauen als nicht mit dem Islam konform zu
verurteilen. Angesichts gesellschaftlicher Erscheinungen wie
mangelndem Bildungszugang oder Zwangsehe, selbst
wenn diese nur Randerscheinungen
darstellen sollten, sind islamische Konzepte zu deren Überwindung zu
entwickeln. Partizipation der Frauen in allen Bereichen des
gesellschaftspolitischen Lebens muss gefördert werden.
MuslimInnen in der österreichischen Gesellschaft
Die TeilnehmerInnen der Konferenz betonen das Festhalten an
verfassungsrechtlichen Prinzipien in der Republik Österreich, darin
eingeschlossen und besonders hervorzuheben die Gleichheit aller
BürgerInnen vor dem Gesetz, Pluralismus,
demokratischer Parlamentarismus und
Rechtsstaatlichkeit. Der Anerkennungsstatus des
Islam in Österreich und die damit verbundenen
praktischen Vorteile wie das Recht auf freie und öffentliche
Religionsausübung, innere Autonomie der Islamischen
Glaubensgemeinschaft, Religionsunterricht an den
Schulen und Berücksichtigung der
Religionszugehörigkeit z.B. beim Bundesheer wird von den muslimischen
BürgerInnen wahrgenommen und hoch geschätzt. Die gemäßigte und offene
Haltung der MuslimInnen in Österreich baut ein positives
Zusammenwirken mit der gesamten Gesellschaft auf.
Eine Kultur des Dialogs ermöglicht Brückenbau, der
sachlich Themen allgemeiner Wichtigkeit aufgreift, anstatt
sich in Ignoranz und Einkapselung einzuschließen. Die negativen
Folgen wie sie eine Isolierung in einer Art
Parallelgesellschaft mit sich bringen würde,
werden von den MuslimInnen in Österreich erkannt und
Segregationsmodelle daher abgelehnt. In diesem Sinne bekräftigen die
TeilnehmerInnen der Konferenz das Motto der Islamischen
Glaubensgemeinschaft anlässlich des 25jährigen
Jubiläums "Integration durch Partizipation".
Anteilnahme schließt den gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und
wirtschaftlichen Bereich ein.
Die Sicherheit des Landes ist gleichzeitig die Sicherheit der muslimischen
Bevölkerung. Wohlstand und gedeihliches Fortschreiten sind als
gemeinsame Anliegen durch Verfassungstreue und
persönlichen Einsatz weiterzuentwickeln.
Rolle der Jugend
Die Hoffnungen und Forderungen der Wiener Imame-Konferenz sehen wir vor
allem bei der Jugend verwirklicht, denn die österreichische
muslimische Jugend betrachtet sich in ihrem
Selbstverständnis als eine neue Generation von
jungen Männern und Frauen, die sich mit Land und Leuten, ihrer
Demokratie und ihrem Rechtssystem identifizieren. Sie übersetzt
dadurch die
offizielle Linie der Islamischen Glaubensgemeinschaft in die Praxis und
öffnet dadurch dem islamischen Leben in Österreich eine neue und viel
versprechende Zukunft.
Islam und Extremismus
Es ist nicht ausreichend, extreme Ansichten und Haltungen, die sich
außerhalb des oben festgehaltenen Konsenses stellen, als marginale
Erscheinungen abzutun. Dass Engstirnigkeit und Fanatismus, wo jede
Diskussion aus blinder Überzeugung in die alleinige Gültigkeit der
eigenen Interpretation ausgeschlossen ist,
tatsächlich keinen Platz in Österreich haben, ist
nur ein Grund mehr, sich der Verantwortung bewusst zu sein, für
weitere Aufklärung zu sorgen.
Finanzielle Unabhängigkeit der MuslimInnen in Österreich
Die Islamische Glaubensgemeinschaft und die überwiegende Mehrheit der
islamischen Vereine sind autonome
österreichische Institutionen, die ausschließlich
durch Mitgliedsbeiträge und Spenden, sowie die selbstlose
Arbeit ehrenamtlicher UnterstützerInnen finanziert werden. Trotz der
sehr angespannten finanziellen Lage ermöglicht uns
diese Situation Unabhängigkeit, die für uns die
Eigenständigkeit garantiert.
Solidarische Beziehungen zur islamischen Welt
Die Situation der MuslimInnen in der Welt ist uns nicht gleichgültig. Mit
Sorge verfolgen wir in vielen Teilen der muslimischen Welt
insbesondere fehlende Demokratie, soziale
Ungerechtigkeit, Besatzung, Krieg und
wirtschaftliche Unsicherheit. Unsere Arbeit konzentriert sich dabei auf
Aufklärung, politische Sensibilisierung und humanitäre Hilfestellung.
Hier werden insbesondere Frauenprojekte initiiert,
Patenschaften für Waisenkinder übernommen, Kranke
und Behinderte unterstützt. Zur Realisierung werden auch
Spendengelder in Österreich gesammelt. Im Prozess der öffentlichen
Meinungsbildung positionieren wir uns in den Medien.
Beschlüsse der Imame-Konferenz in Kurzform
1. Die österreichische Imame-Konferenz ist sich einig darin, dass die
MuslimInnen in Österreich einen Bestandteil der österreichischen
Gesellschaft darstellen. Die Beziehung zwischen ihnen und der
österreichischen Gesellschaft soll auf dem gemeinsamen guten Willen
und der Verfassung aufgebaut werden. Hierauf folgt
die religiöse Pflicht zum friedlichen Miteinander
in den verschiedenen Bereichen der österreichischen
Gesellschaft und ihren ethnischen und religiösen Gruppen. Weiterhin
betrachtet die österreichische Imame-Konferenz die konstruktive
Integration und Partizipation der MuslimInnen
innerhalb der österreichischen Gesellschaft als
absolut notwendig.
2. Die österreichische Imame-Konferenz betont, dass es zur Aufgabe einer
jeden Muslimin und eines jeden Muslims - wie auch jeder anderen
Bürgerin und jeden anderen Bürgers - gehört, sich
für die Sicherheit und den Frieden des Landes
sowie seiner EinwohnerInnen aktiv einzusetzen.
3. Die österreichische Imame-Konferenz ermutigt die in Österreich lebenden
MuslimInnen zum aktiven Schutz sowie der Bewahrung des öffentlichen
und privaten Eigentums und der Ressourcen, als
auch der Beteiligung und Hilfeleistung in
Notfällen und bei Naturkatastrophen.
4. Die österreichische Imame-Konferenz verurteilt alle terroristischen und
extremistischen Gewaltakte auf der Welt.
5. Die österreichische Imame-Konferenz betrachtet es als unbedingt notwendig
für die internationale Gemeinschaft, sich ernsthaft und
wissenschaftlich mit der Erscheinung des
Terrorismus auseinanderzusetzen und setzt sich ein für
die Bildung eines Gremiums, das aus Intellektuellen und
MeinungsbildnerInnen besteht, welche sich intensiv
mit der Problemstellung auseinandersetzen.
6. Die österreichische Imame-Konferenz stellt fest, dass sich die
internationale Staatengemeinschaft noch nicht auf eine Definition des
Begriffes "Terror" bzw. "Terrorist" geeinigt hat und sie betont in
diesem Zusammenhang, dass Terror nicht einer
Religion, einer Ethnie oder einer Kultur
zuzuordnen ist. Weiterhin betont sie, dass jeder, der unschuldige
ZivilistInnen mit Terror oder Mord bedroht, ein Terrorist ist,
unabhängig von seiner Zugehörigkeit.
7. Die österreichische Imame-Konferenz weist alle Imame und Intellektuellen
dazu an, sich intensiv mit der
Bekämpfungsmöglichkeit des Extremismus in all
seinen Erscheinungsformen auseinanderzusetzen.
8. Die österreichische Imame-Konferenz stellt fest, dass Gerechtigkeit und
Freiheit zwei unverzichtbare menschliche Werte darstellen und dass es
zu den Aufgaben einer jeden Gesellschaft mit all
ihren Gruppierungen gehört sich für Gerechtigkeit
zu jeder Zeit und an jedem Ort einzusetzen, damit sich
alle Völker ihrer Rechte und Freiheiten erfreuen können.
Sie bestätigt weiterhin, dass die internationale
Menschenrechtserklärung und ähnliche Dokumente
Teile dieser universellen menschlichen Werte darstellen.
9. Die österreichische Imame-Konferenz betont, dass der Islam das Leben
heiligt. Aus diesem Grund ist alles, was diesem Grundsatz
widerspricht, abzulehnen. Der Koran unterstreicht
eindringlich in Sure 5:32 den Wert des Lebens.
10. Die österreichische Imame-Konferenz verdeutlicht, dass es nicht erlaubt
ist, andere religiöse Überzeugungen, Symbole oder Werte zu verhöhnen.
11. Die österreichische Imame-Konferenz betont, dass im Islam Frau und Mann
in ihrem Wert und in der Verteilung ihrer Rechte und Pflichten gleich
sind. Jegliche Verletzung der Rechte und Würde der
Frau, sei es körperlich, psychisch oder mental
wird vom Islam abgelehnt und aufs schärfste
verurteilt. Darüber hinaus ist auf dem Boden der Religion ein
aufrichtiger Diskurs zu führen, um ein
vertieftes Bewusstsein für Frauenrechte zu
schaffen.
12. Die österreichische Imame-Konferenz betont, dass der Islam keine
Theokratie kennt, vielmehr fordert der Islam die Prinzipien des
Pluralismus und der Demokratie. Dies äußert sich
unter anderem in dem islamischen Grundsatz der
Vielfalt der Menschen und Kulturen, welche einen positiven
Einfluss auf die Entwicklung der Zivilisation haben.
13. Die österreichische Imame-Konferenz betont, dass der Dialog das beste
Instrument für den Gedankenaustausch zwischen den unterschiedlichen
gesellschaftlichen Gruppen und Religionen ist. Er kann die
gegenseitige Anerkennung und das
friedliche Zusammenleben garantieren. Zu einem
fruchtbaren Dialog gehört die Fähigkeit der Kommunikation, die in
Österreich Kenntnis der deutschen Sprache zur
Voraussetzung hat. Daher betont die
Imame-Konferenz die Notwendigkeit de Spracherwerbs.
14. Die österreichische Imame-Konferenz betrachtet den Dienst an der
Gesellschaft als eine der besten Handlungen, zu welchen der Islam
immer wieder aufruft, und fordert deshalb die
MuslimInnen zur aktiven Teilnahme in den
verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen auf.
15. Die österreichische Imame-Konferenz betrachtet den Umweltschutz und den
fürsorglichen Umgang mit Tieren und Pflanzen als gute Taten, zu denen
man sich gegenseitig anspornen soll.
16. Die österreichische Imame-Konferenz betrachtet die MuslimInnen in
Österreich und Europa als lebendiges Bindeglied zwischen Europa und
der islamischen Welt. Ein engeres und
vertrauensvolleres Verhältnis soll aus einer
Wahrnehmung und Wertschätzung ihrer Brückenbaufunktion erwachsen.
17. Vernetzung und verbesserte Kommunikation zwischen den Vereinen, Moscheen
und der IGGiÖ soll die weitere positive Entwicklung der Diskussion
forcieren.
Empfehlungen der Konferenz
a) Die Erklärung soll in allen Moscheen öffentlich angebracht werden.
b) Unser Engagement gegen Rassismus in jeglicher Form umfasst auch eine
wachsame Einstellung zu Erscheinungsformen der Islamfeindlichkeit und
Islamophobie, an deren Überwindung gearbeitet werden soll.
Islamfeindlichkeit ist kein Kavaliersdelikt.
c) Vertiefung der Einsicht der MuslimInnen in die Bedeutung der aktiven
Teilhabe an der Gesellschaft: kulturell, wirtschaftlich, politisch
und gesellschaftlich
d) Verfestigung und Betonung der islamischen Haltung zu Menschenrechten und
Frauenanliegen durch Herausgabe mehrsprachiger Broschüren (deutsch
und weitere Sprachen der muslimischen Gemeinden in
Österreich) für innermuslimische Information und
außermuslimische Aufklärung.
e) Entwicklung von Strategien zur Bekämpfung extremer Ansichten und warnende
Bewusstmachung von starren und einseitigen Haltungen, die dem Islam
und den MuslimInnen Schaden zufügen, in der
Geschichte und heute. Gemeinsamer
Einsatz zur Erreichung eines Schutzes vor solchen Ansichten und Richtungen.
Dazu baut die Argumentation auf einer vertieften theologischen und
praktischen Herangehensweise auf, die aktuelle Herausforderungen
ständig im Blickfeld behält. Die drei Komponenten
einer Fatwa (religiöses Gutachten) gehen auf Zeit,
Ort und handelnde Personen ein, so wie dies in der
islamischen Theologie vorgesehen ist.
f) Sensibilisierung und Aufklärung über sämtliche Erscheinungsformen von
Intoleranz, keine Verharmlosung jeglicher Tendenz in Richtung
Extremismus. Desgleichen ist persönlicher Einsatz
bei deren Bekämpfung nötig, um korrigierend
einzugreifen. Dazu unabdingbar die Unterstützung im
Bildungsbereich.
g) Kontinuierliche Einberufung solcher Konferenzen, um den Charakter eines
beständigen vernetzten und effektiven Arbeitsprozesses
weiterzuentwickeln und immer rechtzeitig auf
Fragen der Zeit reagieren zu können. Diese
Erklärung ist ein Rahmen, innerhalb dessen der weitere Diskurs stattfinden
sollte. Die Fortsetzung der Grazer Konferenz im Jahre 2006 wäre ein
wichtiger nächster Schritt.
h) Bildung einer Kommission von Gelehrten und Intellektuellen, Männern und
Frauen, unter Vorsitz des Muftis, die in multiethnischer
Zusammensetzung und Einbringung der verschiedenen
Rechtsschulen die Aufgabe verfolgen, Gutachten
und Positionspapiere zu aktuellen Themen den zuständigen Gremien der IGGiÖ
vorzulegen. Im Fokus soll dabei die Bindung der MuslimInnen an die
Gesellschaft stehen. Die Themen ergeben sich aus dieser
Abschlusserklärung der Konferenz.
Weitere Artikel über
die Konferenz:

ORF-Religion
(2)
Kurier
Vorarlberg Online


